Seite:Aus Liudprands Werken.pdf/120

Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

950

10. Ich glaube aber auch das nicht mit Stillschweigen übergehen zu dürfen, was ich dort sonst noch neues und merkwürdiges erblickt habe. In der Woche vor Vaiophóron, was wir Palmsonntag nennen, theilt der Kaiser sowohl an das Kriegsheer, wie auch an die verschiedenen Staatsbeamten nach Maßgabe ihres Ranges, goldene Münzen aus. Er wollte daß ich bei dieser Austheilung zugegen wäre und ließ mich deshalb rufen. Sie geschah aber folgendermaßen. Auf einem Tisch, der zehn Ellen lang und vier Ellen breit war, lag für jeden ein Beutel mit dem Gelde, das ihm zukam, und außen darauf war die Zahl geschrieben. Sie traten aber vor den Kaiser, nicht alle durch einander, sondern in bestimmter Reihenfolge, so wie sie aufgerufen wurden, von einem, der die Liste sämmtlicher Männer nach der Rangordnung ihrer Aemter ablas. Zuerst wurde der Hausmeier vorgerufen, und ihm gab man das Gold nicht in die Hand, sondern lud es ihm auf die Achsel, nebst vier Ehrenkleidern. Nach ihm wurden o domésticos tis ascalónas und o delongáris tis ploôs gerufen, von denen der eine über das Landheer, der andere über die Flotte gesetzt ist. Weil diese einander im Range gleich stehen, erhielten sie auch eine gleiche Anzahl von Goldstücken und Ehrenkleidern, die sie aber wegen der großen Menge nicht einmal auf den Schultern wegtrugen, sondern, von mehreren anderen unterstützt, mit großer Anstrengung fortschleppten. Hierauf wurden vier und zwanzig Oberbeamte vorgelassen, und nach ihrer eigenen Anzahl jedem auch vier und zwanzig Pfund Goldes nebst zwei Ehrenkleidern verabreicht. Nach diesen kam die Reihe an die Patricier, deren jeder zwölf Pfund Goldstücke und ein Ehrenkleid erhielt. Doch weiß ich nicht die Zahl der Patriciere, und deshalb auch nicht die Summe der ihnen ausgetheilten Pfunde, sondern nur was jedem Einzelnen gegeben wurde. Hierauf wurde eine zahllose Menge gerufen, von Protospatharen, Spatharen,

Empfohlene Zitierweise:
Liudprand: Aus Liudprands Werken. Verlag der Dyk'schen Buchhandlung, Leipzig 1890, Seite 100. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_Liudprands_Werken.pdf/120&oldid=- (Version vom 25.4.2019)