Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II.djvu/348

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Es hatte bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation die Ober- und Erbgerichte und die Einwohner von Eckersdorf, deren Wohnungen auf Ritterguts Grund und Boden erbaut waren, gehörten unter die dasigen Gerichte.

Dagegen ist das Gut mit seinen Gerichtsuntergebenen von jeher nach Somsdorf eingepfarrt gewesen. An der 1736 gebauten Pfarrwohnung in Somsdorf liesst man einen ziemlich bescheidenen Wunsch: sie solle so lange stehen, als eine Schnecke die Erde umkreisen oder eine Ameise den Ocean austrinken könne.

Bemerkung verdient die durch Somsdorf seiner Länge nach ehemalige Butterstrasse, so benannt, weil man die meiste erzgebirgische Butter, die in Dresden consumirt wurde, auf derselben herbrachte. Die Strasse führte über Somsdorf, Höckendorf und die Bretmühle an der Weisseritz nach dem Pretzschendorfer Gasthof.

Durch die Eisenbahnverbindungen hat sich dieser Verkehr allerdings vermindert und die Gasthöfe zu Höckendorf und Somsdorf sind zwar immer noch frequent, aber der Erwerb derselben gegen früher doch sehr gesunken.

Uebrigens enthält der Ort Somsdorf mehre wohlgebaute Sommerwohnungen mit schönen Gärten für Dresdner Familien.

Der Ort zeichnet sich für den, welcher aus dem Gebirge kommt, durch seine enge und vollkommen niederländische Bauart auf eine recht hervorstechende Weise aus.

Sowohl das Vorgebirge, als die sanft ansteigende Höhe in Süd, welche den grossen Windberg noch übersteigt, zeigen herrliche Aussichten und den Weg nach Tharandt kann man keck einen der schönsten Spaziergänge Sachsens nennen.

Mit Somsdorf hängt Klein-Cossmannsdorf eng zusammen. Die Hinterseite der Dächer von den Häusern in Klein-Cossmannsdorf ruhen auf dem Berge, indem die Häuser an der Höhe des linken Ufer des Somsdorfer Dorfwasser liegen. An dieser Höhe hinaus, welche ein schmales 80 bis 100 Ellen hohes Vorgebirge bildet, liegen die Obstgärten und die wenigen Acker von Klein-Cossmannsdorf, welche letzterem blos durch Handarbeit nutzbar sind und auf welche man den Dünger in Körben schafft.

Die Höhe am rechten Ufer steigt fast eben so hoch in die Höhe und ist mit Schwarzholz bedeckt; an derselben giebt es viele Bergkeller, und gegenüber der Eingang eines Schachtes. In Somsdorf wurde in früheren Zeiten bedeutender Bergbau getrieben.

Die Anbauer hiesiger Gegend, vorzüglich von Somsdorf und Eckersdorf kamen auf alle Fälle aus Böhmen.

Woher aber eigentlich der Name Eckersdorf stammt, ist eben so wenig zu ermitteln gewesen, wie der Ursprung des Namens von Somsdorf.

Eckersdorf und Somsdorf, ersteres mit seinen 130 Einwohnern, welche in 20 Wohnungen leben, sind dem Gerichtsamte Tharandt zugewiesen, wogegen sie früher, wie schon erwähnt, zum Amte Dippoldiswalde gehörten.

(M. G.)     




Druck von Sturm und Koppe (A. Dennhardt) in Leipzig.
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 232. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/348&oldid=- (Version vom 3.6.2018)