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im Zwieselthale dazu ungemein viel beigetragen. Dasselbe wurde am 6. Juli 1836 eingeweiht.

Nicht unerwähnt bleiben darf hier das mit dem Bergbau der hiesigen Gegend eng zusammenhängende Mineralbad „Johann-Georgenbad“ genannt, welches mit vielem Erfolge gegen chronische Nervenschwäche, Gichtleiden und besonders Hypochondrie und Hysterie, angewendet wird. Der Johann-Georgenbrunnen fliesst aus dem dürren Berge und ist ein alter Stollen, welchen Johann Georg II. anlegen liess. Das Mundloch des Stollens befindet sich in einer Wiese nach dem Walde zu. Eine alte Lindenallee führt zuerst nach einem kleinen Obelisken, von etwa fünfundzwanzig Fuss Höhe, ohne Inschrift, mit Sitzen umgeben, und sehr freundlicher Aussicht, auf dem sich ein aus neuerer Zeit stammender Halbmond befindet, der sich auf das Wappen des Besitzers, Generalleutnant von Leyser, bezieht. Hier war früher ein Sammelplatz der Badegäste, die früher auch tranken, während man jetzt nur badet. Die Säule soll, der Sage nach, zur Todtenfeier einer Mecklenburgischen Prinzessin, der Aebtissin des nahen Klosters, errichtet worden sein, und heisst deshalb die Prinzessinsäule. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass diese Säule zu dem gegenüber liegenden Kloster Dirnenhof in irgend einer Beziehung gestanden haben mag, auch soll dessen Calvarienberg der Dürrenberg (Dirnenberg?) gewesen sein. Oberhalb der Säule führt der Weg in das Gehölz und dann links hinein zur Wiese und der gemauerten Stollenöffnung des Brunnens, der jedoch jetzt noch einige Schritte höher gefasst ist. Das reichlich fliessende Brunnenwasser wird 1800 Ellen durch Röhren ins Badehaus geleitet und hier geheizt. Es enthält etwas Mittelsalze und Schwefellebergas. Ein zweiter 1722 entdeckter Brunnen, der Friedrichs- oder Sauerbrunnen genannt, enthält Bitter-, Koch- und Laugensalz, und ein dritter 1818 aufgefundener, der Augustusbrunnen, befindet sich dem Badehause gegenüber am Wehr der Gottleube. Bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts war das Bad Giesshübel so zahlreich besucht, dass die Gäste oft auf den umliegenden Dörfern ein Unterkommen suchen mussten.

Reichbegütert war früher in dieser Gegend die alte adlige Familie von Bünau, und auch Giesenstein gehörte zu deren Besitzthümern. Zu Anfange des siebzehnten Jahrhunderts wohnte auf hiesigem Schlosse Rudolf von Bünau, dessen Sohn, ebenfalls Rudolph genannt, es noch 1649 besass. Das Gut muss zu Ende des siebzehnten oder bald nach Beginn des achtzehnten Jahrhunderts von den Bünau’s weggekommen sein, denn 1714 gehörte es einem Herrn von Schönberg, von dem es an den Oberconsistorialpräsidenten von Globig gelangte, der auch Zehista besass und 1779 starb. Nach ihm war wiederum ein Consistorialpräsident von Globig Eigenthümer von Giesenstein, der dieses Gut seinem Sohne, dem Kammerherrn von Globig vererbte, worauf das Gut an Herrn Amtmann J. F. Pfau, den jetzigen Besitzer kam.

Das Rittergut Giesenstein erhielt durch Rescript vom 11. Juli 1771 die Altschriftsässigkeit und ist, trotzdem dass es viel näher an Berggiesshübel liegt, nach Gottleube eingepfarrt.

O. M.     




Kuckukstein
(das Schloss zu Liebstadt).


Liebstadt, in Urkunden auch Liebestadt, Liebenstadt und Libstadt geschrieben, ist ein Vasallenstädtchen des Meissner Kreises mit einem altschriftsässigen Rittergute und liegt zwischen der Gersdorfer, Lauensteiner, Bärensteiner, Reinhardsgrimmaer und Giesensteiner Herrschaft, drei Stunden südlich von Pirna und ebensoweit von der Böhmischen Grenze entfernt (1150 Fuss über dem Meere) in drei sich durchkreuzenden Thälern an der Seidewitzbach, welche sich, mit dem Molkengrund und der Gauersbach vereinigt, hier in die Gottleube ergiesst, die bei Pirna in die Elbe fällt. Das Städtchen hat mit Einschluss der geistlichen Gebäude beinahe hundert Häuser und eine Bevölkerung von etwa neunhundert Menschen, grösstentheils Handwerkern, Feldarbeitern und Strohflechtern. Trotz des steinigen Bodens ist der Feldertrag ein günstiger und Wasser und Luft sind, vorzüglich auf den Höhen, sehr rein und gesund. Die kleine unscheinbare Seidewitzbach erreicht nach anhaltendem Regen oft eine derartige Strömung, dass sie nicht selten bedeutenden Schaden anrichtet und als Beweis ihrer Wassergewalt meldet

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/099&oldid=- (Version vom 3.6.2018)