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die vor Jahrhunderten darauf stand aber schon seit vielen Menschenaltern nicht mehr vorhanden ist. Dass wirklich eine Burg auf dem Valtenberge befindlich gewesen beweisen noch Spuren von Gemäuer und ein Keller, aber keine Urkunde, kein Denkmal erzählt uns wer einstmals auf dem Schlosse hauste und wodurch sein Untergang herbeigeführt worden ist. Dagegen weiss die Volkssage gar mancherlei von dem Valtenberge zu berichten: Wer zum Beispiel am Johannistage auf den Berg steigt und dabei gewisse Bedingungen nicht vernachlässigt, der findet an einem Baume hängend einen goldenen Schlüssel, welcher ihm einen mit ungeheuren Reichthümern gefüllten Keller öffnet; auch wird erzählt, dass am Valtenberge eine Stadt gelegen habe die vor langen Jahren untergegangen sei, und über welche eine alte Inschrift prophezeit haben soll:

„Wenn Dresden und Bautzen werden untergehen,
Dann wird die Stadt Valten wieder auferstehen!“ –

Die Kirche zu Neukirchen war „Unserer lieben Frauen“ gewidmet und gehörte unter das Dekanat Budissin. In dieselbe waren ausser dem noch dahin gehörigen Ringenhain auch noch Diehmen, Dretschen, Naundorf, Arnsdorf, Tautewalde und einige andere Dörfer eingepfarrt, welche erst dann davon abkamen als die in der Umgegend befindlichen kleinen Kapellen sich in selbstständige Kirchen verwandelten. Nur eins dieser Dörfer, Diehmen, blieb noch bis in das sechszehnte Jahrhundert bei Neukirch, wendete sich aber auch weg, als die Einwohner Diehmens durch Anspannung des grossen Teiches, der jetzt in eine grosse herrschaftliche Wiese verwandelt ist, ihren Kirchweg verloren. Die Herrschaft bemühte sich umsonst die Diehmener am Parochialverbande festzuhalten und liess sogar um den Teich herum einen bequemen Weg anlegen, aber Alles war vergeblich, die Diehmener blieben weg. In einer alten hinlänglich beglaubigten Urkunde wird gesagt, dass in dem hinteren Theile der damaligen um 1470 erbauten Kirche das Chursächsische Wappen und an einem alten Schranke in der Sakristei der Rautenkranz angemalt gewesen sei, welcher Umstand insofern von historischer Wichtigkeit ist weil er den Lausitzer Antheil der Kirche zu Neukirch fraglich macht, oder wenigstens unentschieden lässt, ob nicht die hiesige Kirche zu jener Zeit unter das Haus Chursachsen gehört oder doch zu demselben in irgend einem Abhängigkeitsverhältnisse gestanden habe. Vielleicht lässt sich dieses Räthsel dadurch lösen, dass hier ausser den Lausitzer Gemeinden auch eine alterbländische eingepfarrt war, deren Herrschaft unmittelbar dem Churhause zustand. – Den Kirchendienst zu Neukirch verrichten ein Pfarrer und ein Diakonus. Das Diakonat gründete im Jahre 1718 der Baron von Stein zum Altenstein.

O. M.     




Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/114&oldid=- (Version vom 31.7.2018)