Schweizerische Schlagfertigkeit

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Titel: Schweizerische Schlagfertigkeit
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 32
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[32] Schweizerische Schlagfertigkeit. Der Professor St…, welcher vergangenen Sommer im Auftrage der russischen Regierung Deutschland, und unter andern auch die Schweiz bereiste, erzählte mir einen Zug des eidgenössischen Präsidenten im Kanton Bern, den ich seines derben Humors halber hier wiedergebe: Eine schon seit längerer Zeit schwebende Agrarfrage war in einer längeren Sitzung endlich entschieden worden. Es gibt natürlich bei derartigen Sachen stets Zufriedene und Unzufriedene, und unter diesen letzteren befand sich denn auch ein alter wegen seines steten Murrens über die Herren in der Stadt bekannter Bauer, der den Präsidenten, nachdem das Urtheil vorgelesen war, folgendermaßen haranguirte:

„Herr Präsident, Sie mögen zwar ein ganz kluger und gescheidter Mann sein und Ihr Geschäft aus dem Fundament verstehen, aber dessenungeachtet wissen Sie doch von solchen Sachen, die den Ackerbau angehen, verdammt wenig, und können da von einem gewöhnlichen Bauer, wie mir, viel lernen. Sie sitzen in der Stadt an Ihrem Arbeitstisch und wissen den Teufel was auf dem Lande vorgeht, also sollten Sie künftighin solche Sachen uns überlassen, die wir den ganzen Tag hinter dem Pfluge hergehen, und wir werden dann wohl das Richtige zu finden wissen.“

Alles war natürlich über diese derbe Keckheit, selbst im freien Schweizerlande, erstaunt, der Präsident jedoch erhob sich freundlich lächelnd und antwortete:

„Ja lieber Mann, da mögt Ihr wohl Recht haben, ich könnte von Ihm wohl noch viel lernen um immer das Rechte zu finden und zum Beweise dafür habe ich doch schon von Ihm so viel gelernt, daß, wenn ich eines Tages wegen eines großen Maules in Verlegenheit bin, ich doch wenigstens gewiß weiß, wo ich es zu suchen habe.“ Der Präsident hatte natürlich alle Lacher auf seiner Seite, und der alte Bauer ging fluchend und die Herren aus der Stadt zu allen Teufeln wünschend ab.