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Textdaten
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Autor:
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Titel: Schönheitstaufen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 44
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[44] Schönheitstaufen. In Paris schminken heut zu Tage alle Frauen ihre Gesichter: die häßlichen und die hübschen, die jungen und die alten. Alle schminken sie mehr oder weniger kunstgemäß, mehr oder minder kühn, mehr oder minder grotesk – Alle aber retouchiren sie das Gesicht, das ihnen Gott gegeben hat.

Diese Tätowirung der civilisirten Frauen (die Leserin verzeihe uns den Ausdruck) nennt man repiquer, eine Bezeichnung, die sich schwer in’s Deutsche übersetzen läßt und die deshalb hier unübersetzt bleiben muß. Es ist ein Kunstausdruck, der aus den Ateliers hervorgegangen, und die Pariserinnen meinen, es gebe keinen treffenderen für die Sache.

Alle Frauen sind, wie wir sagten, heute mit dieser Kunst beschäftigt; die Schuld davon trägt der Schriftsteller Théophile Gautier, der die schwarzen Augen des Orients, die schwarz-atlasnen Augenwimpern, die Reize des bläulichen Weiß und des funkelnden Schwarz, die von einem fast unsichtbaren Thau bedeckten, blendenden Schultern, kurz alle Effekte zu glühend besungen hat, welche die Natur gar nicht spendet und die man im Gegentheil sehr leicht durch Silberglätte, Bleiweiß, Antimonium und alle die übrigen Präparate gewinnen kann, die diesem kleinen Laster zu Gebote stehen.

Er hat dadurch allen Pariserinnen den Kopf verdreht, die jetzt alle einen Teint haben wollen, weiß wie Silber, wie Schnee oder Milch, glänzend wie die Haut der Viper und roth wie Nacarat, namentlich aber erpicht sind auf den funkelnden Sammetblick der Peri’s.