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Titel: Scene aus dem Sport des Wettrennens
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 316
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[305]
Die Gartenlaube (1880) b 305.jpg

Ein kritischer Augenblick.
Nach dem Gemälde von G. Koch auf Holz übertragen.

[316] Scene aus dem Sport des Wettrennens. (Abbildung Seite 305.) Wir leben jetzt in der „Saison“ desjenigen „Sports“, welcher bei den reitlustigen Deutschen die weiteste Ausdehnung gewonnen hat. Zwar fällt ein Theil unserer Wettrennen auch in die Herbstzeit, zu den Festen nach der Ernte; da aber der Frühling den Anfang mit ihnen macht, so nehmen wir die Gelegenheit wahr, sie hiermit sogleich zu begrüßen. Die Wettrennen in Aachen, Berlin, Doberan, Königsberg, Breslau, Leipzig, Baden-Baden, Stettin, Hamburg, Schwerin, Cannstatt, auf der Theresien-Wiese bei München, auf der Sömmeringer Weide[WS 1] bei Wien etc. sind nicht ausschließlich „Amusements“ höherer Herrschaften, sondern auch ein Theil unserer größten Volksfeste, und in letzterer Beziehung ein ehrwürdiges Erbe aus der Urväterzeit. Schon die Germanen waren eifrige Pferdeliebhaber; Wettrennen gehörten zu ihrem Götterdienst und konnten auch vom Christenthum nicht verdrängt werden, ja, Spuren davon werden in Deutschland und bei den Flamändern noch jetzt gefunden. Ein Zeugniß dafür ist auch der außerordentliche Reichthum Deutschlands an Pferden bis zum dreißigjährigen Kriege; es ist mit Zahlen nachzuweisen, daß in vielen Landstrichen jener Reichthum nicht wieder erlangt wurde.

Wenn wir daher unsere „Bauernreiten“ mit besonderer Theilnahme betrachten, so finden wir keinen anzulächelnden Contrast zwischen ihnen und dem ersten geschichtlichen Wettrennen bei den Festen des persischen Sonnengottes Mithra, sondern wir glauben sogar, daß der indogermanische Weg zwischen beiden eine Verbindung zuläßt. Die Wettrennen an sich sind also einheimisch, aber die moderne Form derselben als „Sport“ haben wir, nebst den dazu gehörigen technischen Ausdrücken, von den Engländern herübergenommen, und so haben wir, wie sie, jetzt Herrenreiten, Officiersreiten, das bei uns erfreulicher Weise bevorzugt wird, das gewöhnliche Jockeyreiten und das bereits erwähnte Bauernreiten. Im Allgemeinen tragen die Wettrennen zur Belebung der Pferdezucht bei, obgleich Sachverständige der Meinung sind, daß dieselben für gewöhnliche Landespferde nicht von Vortheil seien, weil diese sich nicht der kräftigen Respirationsorgane erfreuen, wie die aus dem reinen Blute von Generationen hindurch gezüchteten Rennpferdfamilien, deren Vorzüge durch die Wettrennen gesteigert werden. Letztere zerfallen in England bekanntlich in Flach-, Hürden-, Kirchthurm- und Trabrennen. Das Hürdenrennen (hurdle-race) stellt dem Pferde nur leichte Hindernisse von Flechtwerk in den Weg, während das Kirchthurmrennen (steeple-chase), das seinen Namen von dem Ziel hat, auf welches man schnurgerade losritt und das oft ein Thurm war, stärkere Hindernisse, Gräben, Dämme, Barrièren u. dergl. zu überwinden giebt. Vor ein solches Hinderniß führt uns unsere Illustration, und ein Jockeyreiter leidet dabei Schiffbruch.

Anmerkungen (Wikisource)