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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Sanct Arbogast
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 96-98
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 116.jpg
Bearbeitungsstand
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[96]
432.
Sanct Arbogast.

Königshofen elsäß. Chronik S. 234. 235.


Sanct Arbogast, Bischof zu Straßburg, kam in große Huld und Heimlichkeit mit Dagobert, König zu Frankreich; und nichts gehrte der König lieber, als oft mit ihm zu sprechen und seinen weisen Rath zu haben. Ein Mal geschah, daß des Königs Jäger und Siegebert sein Sohn in den Büschen und Wäldern jagten an der Ill, wo nachher Ebersheim das Münster aufkam, und fanden einen großen Eber; dem rennten sie nach mit den Hunden, einer hin, der andre her. Und da kam’s, daß Siegebert der Knabe ganz allein ritt, und ungewarnt auf den Eber stieß. Das Roß scheute vor dem Wild, daß der Knabe abfiel und [97] im Stegreif hangen blieb; da trat ihn das Pferd, daß er für todt da lag. Als ihn nun des Königs Diener ertreten fanden, huben sie ihn auf mit großem Leide, führten ihn heim, und er starb am andern Tag. Da wurde Dagoberten gerathen, zu St. Arbogast zu schicken; der kam alsbald, und nach viel Rede und Klage kniete er vor die Leiche, und rief unsre Frauen an: seit sie, das Leben aller Welt geboren hätte, daß sie dem Knaben sein Leben wieder erwürbe. Da ward der Knabe wieder lebend, und stund auf in den Todtenkleidern, die zog man ihm aus, und thät ihm an königliche Kleider. Da fielen König und Königin, und alles ihr Gefolg dem Heiligen zu Füßen, und dankten seiner Gnaden; weder Gold noch Silber wollte er nehmen, aber nach seinem Rathe gab der König an Unser Frauen Münster zu Straßburg, Rufach mit Aeckern, Wäldern, Wonn und Weide.

Als nun nach vielen Jahren, Arbogast an das Alter kam und krank wurde, sprach er zu seinen Unterthanen: „gleich wie unser Herr Jesus begraben worden wäre auswendig Jerusalems, an der Statt, da man böse Leute verderbet, also wolle er dem Heiland nachfolgen; und wann er verführe, sollte man ihn auswendig Straßburg begraben bei dem Galgen, an die Stätte, wo man über böse Leute richtet.“ Das mußten sie ihm geloben zu thun. Also ward er nach seinem Tode begraben auf St. Michelsbühel, das war der Henkebühel, und stund damals der Galgen da. Da baute man über, sein Grab eine Capelle in Sanct

[98] Michaels Ehren, in dieser lag er viel Jahre lang leibhaftig.