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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Dagobert und S. Florentius
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 98-99
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 118.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[98]
433.
Dagobert und Sanct Florentius.

Königshofen elsäß. Chronik S. 235. 236.


Sanct Florentius fing jung an, Gott zu dienen. Und er ging aus Schottland, wo er geboren war, in Pilgrimsweise mit vier Gesellen: Arbogast, Fidelis, Theodatus und Hildolf, und kamen zu jüngst im Elsaß an die Brüsche (das Flüßchen Breusch), da wo jetzt Haselo liegt. Sprach Florentius, er wollte da bleiben. Also gingen seine Gesellen fürbaß gen Straßburg; er aber baute ein Häuselein bei der Brüsche, dalp (grub) die Bäume und Hürste aus, und machte ein neues Feld; dahin säete er Korn und Kraut nach seiner Nothdurft. Da aßen ihm die wilden Thiere das Korn und das Kraut ab. Da steckete Sanct Florentius vier Gerten um das Feld, und gebot allen wilden Thieren, daß sie auf seinen neuen Acker nicht mehr kämen, so fern, als die Gerten gesteckt wären; und dies Ziel überschritten sie seitdem nimmer. In diesen Zeiten hatte König Dagobert eine Tochter, die war blind geboren, dazu stumm; und als er sagen hörte von Florentius Heiligkeit, sandte er ehrbare Boten, und ein Roß mit vergüldetem Gedecke, daß er zu ihm ritte. Der Heilige war aber demüthig, wollte das Roß nicht, und saß auf einen Esel und ritt zu dem Könige. Noch war er nicht ganz an der Burg, [99] so ward des Königs Tochter sehend und redend, und rief mit lauter Stimme, und das erste Wort, das sie sprach, sprach sie also: „sehet! dort reitet Florentius her, durch dessen Gnade mich Gott sehend und redend gemacht hat.“ Da erschraken der König und die Königin von Wunder und von Freuden, und alles Volk lief aus gegen dem heiligen Manne, und empfingen ihn gar ehrwürdiglich und fielen zu seinen Füßen, um des Zeichens Willen, das Gott durch ihn gewirkt hatte. Der König aber gab die Gebreite (Ebene) und Stätte, wo Florentius wohnte und nun Haselo liegt, ihm zu eigen, und auch sein selbes Besitzthum zu Kirchheim. Da bat der Heilige noch König Dagobert, daß er ihm sein Ländlin unterschiede (abgrenzte), daß er desto besser möchte wissen, wie weit und breit er hätte. Da sprach der König: was du mit deinem Eselein magst umfahren, bis ich aus dem Bade gehe und meine Kleider anthue, das soll alles zu dir und deiner Wohnung hören. Da wußte Florentius wohl, wie lange der König hätte Gewohnheit im Bade zu sitzen, eilte weg mit seinem Eselein, und fuhr über Berg und Thal, viel mehr und weiter, denn einer möchte gethan haben auf schnellem Pferde in zwei Mal so langer Zeit. Und fuhr wieder zum König, und kam zeitig genug, wie es beredet worden war. Und nach Arbogasts Tode ward Florentius einhelliglich von allem Volke, Laien und Pfaffen, zum Bischof von Straßburg gewählt.