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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Sage von einem weißen Vogel
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 81
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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690) Sage von einem weißen Vogel.
Nach mündlicher Ueberlieferung bearbeitet von Julius Schanz.

Es war einmal in einem Wald im Voigtland ein weißer Vogel, nach dem schon viele Jäger vergeblich geschossen hatten; keiner traf ihn. Die Bauern aber glaubten, der weiße Vogel bedeute Unglück, denn er hatte fast eine menschliche Stimme und lachte alle Jäger aus und verspottete alle Vorübergehenden. Einstmals ging auch ein Jäger in den Wald und mit einem Eifer ohne Gleichen verfolgte er den weißen Vogel, indem er wohl hundertmal nach ihm schoß. Der weiße Vogel aber flog von Baum zu Baum und rief spottend herunter, daß es weithin schallte:

Es hat noch lange keine Noth,
Du hast vergebens mich bedroht,
Laufe Dich nur nicht so gar sehr roth,
Geh heim, es wartet Dein der Tod.

Unmuthig kehrt der Jäger dem Walde den Rücken, ging in’s Dorf zurück, legte sich auf’s Bette und starb.

Nach einigen Jahren kam über die Gegend eine verheerende Krankheit, die raffte so viele Leute weg, daß Niemand mehr daran dachte, in den Wald zu gehen und den weißen Vogel zu fangen. Traurig flog dieser hin und her, bis er sich einmal bei einem Gewitter in den Kirchhof verirrte. Der Regen hatte sich verlaufen und es ragte aus einem Grabe ein Schädel hervor, der war voll Wasser, da flog der weiße Vogel hin, um daraus zu trinken. Das Erdreich aber war sehr locker, der Schädel fiel herab und bedeckte den weißen Vogel. Diesem war es unter dem finstern Dache gar unheimlich zu Muthe und in wenigen Tagen starb er. Zuvor aber, ehe er starb, sang er folgende Worte, die der Todtengräber hörte, ohne sich dieselben genügend deuten zu können:

Da Du lebtest, lebt auch ich,
Du wolltest mich haben, bekamst mich nicht,
Nun bist Du todt, nun hast Du mich,
Doch ich muß sterben, was nützt es Dich? –

Die Worte bezogen sich aber auf den Schädel des Jägers, denn der lag hier begraben.