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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Sage von der Kapelle am Kapellenberg
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 90–92
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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699) Sage von der Kapelle am Kapellenberg.
Bearbeitet von Julius Schanz; metrisch behandelt von Fr. Rödiger in: „Sagenklänge des obern Voigtlandes. 1847“.

Im Schlosse zu Eger wohnten einst drei wunderschöne Fräulein, jeglicher Tugend hold und allem Volke bekannt durch ihre Frömmigkeit. Sie waren alle drei ernsten Characters und wollten nichts von den Freuden der Welt, nichts von Liebe wissen. Anna, Maria und Brunhilda waren ihre Namen, die jeder Ritter kannte und mancher Sänger in lieblichen Liedern feierte, ohne daß die Herzen der drei Fräulein davon gerührt wurden.

Einst am Tage St. Johannis war nach der feierlichen Messe ein großes Turnier, zu dem von allen Straßen die Ritter herbeizogen und viel Volks versammelt war. Sie wollten die drei entsagenden Jungfrauen durch Tapferkeit zur Bewunderung reizen und so ihren Bewerbungen geneigt machen. Lange währte das blutige Lanzenspiel, das den drei Fräulein ein Greuel war, obwohl sie es mit ansehen mußten, und Kuno, ein übermüthiger junger Mann, war Sieger über alle. Stolz schritt er über den Kampfplatz und verkündete mit starker Stimme, daß, wenn kein anderer käme, ihn zu besiegen, er eine der drei Jungfrauen als seine Braut mit sich führen wolle, zum Lohn seiner Tapferkeit. Die Menge schwieg, eingeschüchtert von dieser Rede, aber im Herzen empört über die frevelhaften Worte. Da sprengte ein junger, ritterlicher Held in den Kampfplatz und meldete sich zum Kämpfer für die Ehre der drei Fräulein. Funkensprühend kreuzten sich die Lanzen der beiden Ritter, zweimal ohne Erfolg, beim dritten Male stürzte Kuno todt von seinem Streitroß.

Laut jubelte die Menge und das Eis, das um die Herzen der drei Fräulein lag, war geschmolzen: sie entflammten vereint in Liebe für den schönen, tapferen Ritter, der aber nur [91] eine liebte, Brunhilda, die jüngste von den Dreien. Und er ward sichs bewußt, daß wenn er die eine erwähle, er das Herz der andern brechen würde, und er kämpfte mit aller Kraft seiner edlen Seele den schwersten Kampf, den Tugendkampf der Entsagung.

Ohne Säumen nahm er Abschied von den Dreien und weihte sich zum Ritter für das heilige Grab des Heilands. Die Fräulein aber winkten ihm von der Zinne des Schlosses mit ihren Tüchern Lebewohl nach und schwuren im Angesicht Gottes und bei der Dornenkrone des Heilands, sich zu Himmelsbräuten zu weihen und nie wieder einen Mann zu lieben. Sie wollten sich von einander trennen und gesondert wohnen, und wenn eine von ihnen stürbe, solle ein Tüchlein von ihrer Kapelle ins Thal hernieder wehen, den andern zum Zeichen der Trauer. Der aber, die einem Manne Gehör schenke, solle dieses Zeichen nicht werden, ihre Kapelle solle die rächende Gottheit in Schutt und Trümmer werfen.

Anna baute die Kapelle am Grüneberg bei Eger, Maria das Kirchlein in Kulm und Brunhilda die Kapelle auf dem Kapellenberg bei Schönberg.

Schon sah man im Laufe eines halben Jahrhunderts zweimal das Tüchlein wehen, vom St. Annenstift und von dem Kulmer Berge: Anna und Maria waren gestorben, nur Brunhilda waltete noch als greise Nonne in ihrem Kirchlein. Da schwankte einst, es war im Herbste, ein greiser Pilger die Höhe des Berges herauf, dessen Mantel und Gürtel von einem Sarazenenpfeil zusammen gehalten wurden, auf den Schultern aber trug er ein rothes Kreuz. Er machte an der klaren Quelle vor dem Kirchlein das Zeichen der Weihe und kniete dann nieder, um zu beten. Da trat Brunhilda hervor und als sie den Pilger gewahr wurde, erkannte sie im Augenblicke die Züge ihres tapferen Helden. Ihren Eid vergessend sank sie in seine Arme und stürzte betäubt mit ihm zu Boden.

Da erhob sich ein brausender Sturm und das Glöcklein begann so schrill zu ertönen und durch die Luft vernahm man geisterhafte Worte von der Erfüllung ihres Schwures [92] und der rächenden Gottheit. Am andern Morgen fand man weder Nonne noch Pilger, sondern nur Pfeil und Kreuz des letztern, die man noch heute im Brunenstein sehen kann. Das Kirchlein ist längst zerfallen, nur das geweihte Brünnlein davor quillt noch bis zu dieser Stunde.