Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Untersteinpleis

Textdaten
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Autor: R.
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Titel: Untersteinpleis
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 39–40
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: dargestellt ist das Rittergut Obersteinpleis, siehe auch Untersteinpleis
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Untersteinpleis.


Steinpleiss ist ein schönes, gewerbfleissiges volkreiches Dorf, zwischen Zwickau und Werdau, am Anfange des fruchtbaren und anmuthigen Pleissengrundes gelegen. Der Ort zieht sich in der Länge einer starken halben Stunde ziemlich geradlinig von Südost nach Norden, grenzt mit den Fluren von Werdau, Marienthal, Königswalde, Gospersgrün, Lichtentanne, Tannhof und Ruppertsgrün, und wird von dem sogenannten Stenner Bache, der sich am Ende des Dorfes mit der von Schönfels und Neumark herkommenden Pleisse vereinigt, in seiner ganzen Länge durchflossen, woher wahrscheinlich auch der Name „Steinpleiss“ kommen mag, denn das Dorf Stenn hiess einstmals Stein und der von dort kommende Bach das Steiner Wasser.

Zu welcher Zeit der Ort entstand, darüber ruht ein undurchdringlicher Schleier. Dass er einst zu der grossen Herrschaft Rabenstein gehört und im Jahre 1386 in einer Fehde mit dem Burggrafen von Leissnig an Veit von Schönburg gekommen sei, ist völlig unbegründet und beruht ohne Zweifel auf einer Verwechselung des Dorfes Steinpleiss mit Pleisse bei Chemnitz. Urkundlich wird der Ort in einem Briefe von 1421 genannt, worin Markgraf Wilhelm von Meissen [40] ihn wegen des Bierbedarfs an die Stadt Zwickau verweist. – Steinpleiss zerfällt nach den verschiedenen hier befindlichen Rittergütern in mehrere Theile, namentlich Obersteinpleiss mit Weissenbrunn, Niedersteinpleiss und Untersteinpleiss. Diese Theile zusammen genommen enthalten 172 Häuser und mehr als 1000 Einwohner, von denen einige Hunderte sich mit Leinweberei beschäftigen.

Weissenbrunn gehörte einstmals den Familien von Römer, von Weissenbach und Romanus; seit dem Anfange des vorigen Jahrhunderts aber sammt dem Rittergute Obersteinpleiss dem Rathe der Stadt Zwickau, welcher beide Güter 1774 an Johann Gottfried Peltz in Stangengrün verkaufte. Nach dessen Tode erbte die Güter sein Sohn Johann Traugott Peltz, welcher Weissenbrunn wiederum an seinen Sohn Julius Traugott Peltz, der beide Güter bewirthschaftete, abtrat. Vor dem Rathe zu Zwickau besassen Obersteinpleiss die Familien von Wolfersdorf und von der Mosel. Niedersteinpleiss ist ein Freigut, auf dessen Grund und Boden nach und nach ein Dörfchen erbaut wurde, das eigene Gerichtsbarkeit erhielt und jetzt der Familie Oehler gehört. In Niedersteinpleiss befindet sich eine sehr bedeutende Tuchmanufactur, welche an der Stelle einer alten wohlrenomirten Papierfabrik von einem Herrn Rühling erbaut wurde, und vielen fleissigen Arbeitern eine lohnende Erwerbsquelle bietet.

Untersteinpleiss ist an Flächenraum und Rechten das stärkste Steinpleisser Rittergut. Es gehörte im vierzehnten und zum Theil funfzehnten Jahrhundert den Rittern von Rewdenicz oder Reudnitz. Conrad von Reudnitz besass das Gut von 1438 bis 1448. Er bürgte 1444 nebst Reinoldt von Schönfels auf Ruppersgrün und Michael von Jauer[VL 1] auf Lichtentanne für Jahn von Dölen in Jessnitz, der dem Kloster Frankenhausen 1 Schock Groschen zum Trost der Seele Nickel Haufmanns und anderthalb Gulden zum Anniversario Nikol Voigts, und einen Gulden für Bücher um 10 Schock 15 Goldgulden und zehn Gulden Silber verkaufte.

Nach den Reudnitzen kam Untersteinpleiss an einen Herrn von Carlowitz und von dessen Familie 1470 an den Ahnherrn des von Römer’schen Geschlechts, den Amtshauptmann Martin von Römer, welcher durch den Schneeberger Bergbau zu einem ungeheuren Reichthum gelangt war, aber von seinen Schätzen den edelsten und auf Jahrhunderte hinaus segensreichsten Gebrauch gemacht hat. Er starb 1483 und ist in der Marienkirche zu Zwickau begraben. Bei der von Römerschen Familie hat sich das Schloss Untersteinpleiss erhalten bis auf den heutigen Tag, wo dasselbe Herr Franz Otto von Römer besitzt. – Vom Jahre 1600 bis 1631 war Obersteinpleiss nur ein zum Rittergute Untersteinpleiss gehöriges Vorwerk, das vom Rittergute Ruppersgrün losgetrennt wurde.

Im Jahre 1644 entstand in Steinpleiss eine Feuersbrunst, bei der auch die alte Kirche in Flammen aufging. Das aus der Asche wiedererstandene Gotteshaus liegt auf einer den ganzen Ort beherrschenden Anhöhe, und von dem Thurme geniesst man eine weite und schöne Aussicht. In der Kirche befinden sich für die Besitzer der Rittergüter drei Capellen, in welchen eine Anzahl Gedenktafeln längst Verstorbener aufbewahrt sind, und unter der Capelle des Gutes Obersteinpleiss hat Herr Peltz ein Erbbegräbniss für seine Angehörigen erbauen lassen, das schon einigen derselben als letztes Ruhekämmerlein dient. Der schöne marmorne Taufstein ist ein Geschenk der Frau Eleonore Franziska von Römer, Mutter des jetzigen Besitzers von Untersteinpleiss. – Die Kirche zu Steinpleiss war bis zum Jahre 1529 Filial von Werdau und wurde von einem daselbst wohnenden Capellan versorgt; auch war das Dorf Leubnitz, welches jetzt zur Kirche in Werdau gehört, hier eingepfarrt, weshalb eine Anzahl Leubnitzer Bauergüter an den Pfarrer zu Steinpleiss bis zur neuesten Zeit Decemgetreide liefern mussten. Die Veranlassung der Trennung des Parochialverbandes dieser beiden Gemeinden ist unbekannt, da eine im vorigen Jahrhundert zu Werdau ausgebrochene Feuersbrunst beinahe alle städtischen und kirchlichen Urkunden vernichtet hat; doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Reformation sie herbeiführte, weil Leubnitz zu den religiösen Ansichten der Werdauer sich hinneigte. – Zu den Gerechtsamen der Kirche gehörte bis zum Jahre 1839 die Einnahme eines Wegegeldes von allem Fuhrwerk, welches die von Steinpleiss nach Schönfels und Reichenbach führende sehr befahrene Strasse passirte. Diesen Zoll löste in genanntem Jahre die Regierung ab. – Die Schule zu Steinpleiss, ein erst im Jahre 1819 neu aufgeführtes Gebäude, wird von etwa 240 Kindern besucht.

R.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Gauern