Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Plaussig

Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Plaussig
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 103–104
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Herrenhaus Plaußig Nord 10-2012.jpg
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 161.jpg
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Plaussig.


Dieses Dorf liegt im sogenannten Parthenthale, ziemlich zwei Stunden nordöstlich von Leipzig und drei Viertelstunden von dem Städtchen Taucha an dem Partheflusse, welcher hier den Gottscheiner Bach aufnimmt. Es befinden sich in Plaussig ausser dem Rittergute und den geistlichen Gebäuden siebenundzwanzig Bauergüter und vierzehn Häuslerwohnungen, mit einer Bevölkerung von mehr als vierhundert Personen, die zum Theil in dem nahen Leipzig beschäftigt sind.

Das Rittergut zu Plaussig, mit einem reizenden Schlösschen, wurde durch Rescript vom 31. December 1610 an den Schösser zu Delitzsch (bis zum Jahre 1815 gehörte Plaussig zum Amte Delitzsch) für altschriftsässig erklärt und ging mit zwei Ritterpferden zur Lehn. In früherer Zeit stand hier ein festes steinernes Haus, insgemein die Burg genannt, und dieses war der Stammsitz des alten einstmals sehr mächtigen Geschlechts der Herren von Plusk, das im Jahre 1748 in der Person des Oberstlieutenants von Plaussigk auf Gösen bei Eisenberg ausstarb. Nikolas von Plusk lebte zur Zeit des bekannten Sächsischen Prinzenraubes und wurde während des zwischen Churfürst Friedrich und Herzog Wilhelm abgeschlossenen Waffenstillstandes von dem Ritter Kunz von Kaufungen gefangen. Dieser Gewaltstreich Kaufungens, der freilich zu jener Zeit mit dem Herzog in offener Fehde lebte, bildete bei des unglücklichen Ritters Prozesse einen Klagepunkt, indem der Churfürst in der Beschwerdeschrift sagte: „Vnd ap her och vnser man nicht en were, dennoch wer her pflichtig den obgenanten gefangen vns los zu lasen, so also her an in vnserm kriege den wir mit vnsern liben Bruder hotten ess vnserm lande vnd wider dorum gefangen hat.“ Kunz von Kaufungen antwortete darauf: „Wywol mit not ist ein wyderwertige schuldigunge zcu vor antworten, wan sie sich selbs durch eigen wyderwertigkeyt Bekrenket und vor nichtiget“, so wolle er doch um seiner Ehre und seines Glimpfes willen eine Erklärung abgeben. Vor Allem sei er längst seines jungen Herrn, des Herzogs Wilhelm und dessen Lands und Leuten offen abgesagter Feind gewesen, wovon der dem Herzog zugesandte Fehdebrief Zeugniss gebe, auch sei es allgemein bekannt, dass er diese offen befehdet habe und dass seine Fehde in des Churfürsten Friedensschluss mit Herzog Wilhelm weder abgeteydinget noch deren Beilegung von ihm verwilligt worden sei, somit liege er noch jetzt mit dem Herzog in Fehde und habe auch seine Leute, die in dieser Fehde Gefangene geworden, selbst abgelöst und zwar ganz „vnvermenget vnd vnuermischet“ mit der Fehde seines alten Herrn (des Churfürsten), weshalb ihn der Friede zwischen den fürstlichen Brüdern keinesweges binde und er durchaus keine Veranlassung habe, Nickel von Plaussig loszugeben. Dieser scheint ziemlich lange in Haft geblieben und erst nach Bezahlung eines Schatzgeldes durch seine Bürgen befreit worden zu sein.

Die Familie von Plaussig blieb im Besitze ihres Stammgutes bis um das Jahr 1480. wo Herzog Albrecht von Sachsen Annen von Plaussig, Sigismunds von Plaussig eheliche Hausfrau, mit einigen Zinsen hierselbst zu rechtem Leibgedinge belieh. Höchst wahrscheinlich war die 1516 erwähnte Aebtissin des Nonnenklosters zu Weissenfels, Euphemie von Plaussig, deren Tochter, welche als ein Opfer elterlicher Frömmigkeit den Schleier nehmen musste. Das Rittergut Plaussig war bereits um das Jahr 1490 an Friedrich von Thümmel gekommen, dessen Sohn es an einen Junker von Hünerkopp verkaufte. Die Herren von Hünerkopp besassen das Gut nicht lange, denn schon 1616 erwarb es von ihnen der Leipziger Rathsherr Meyer, aus dessen Besitz selbiges 1648 au die Familie Grempler und 1656 an die Familie Sieber gelangte. Der Rathsbaumeister und Senator zu Leipzig, Johann Georg Sieber, liess im [104] Jahre 1728 Kirche, Pfarre und Schule zu Plaussig von Grund auf neu erbauen. Der letzte Abkömmling des Sieberschen Geschlechts, die Gemahlin des Oberhofgerichtsassessors, Friedrich Julius von Bülow, starb am 24. Mai 1805, und gesegnet bleibt ihr Andenken durch bedeutende Vermächtnisse, welche die Kirche und Schule, sowie die Ortsarmen, von der edlen Frau empfingen. Ihr Sohn und Erbe, Victor Julius von Bülow, überliess das Rittergut Plaussig dem Oberstlieutenant Wilhelm Alexander von Weissen, und als dieser mit Tode abgegangen war, besass es eine Zeit lang ein Herr von Dankelmann, bis in neuester Zeit dasselbe durch Rechtsspruch Eigenthum der Frau Doctor Hacker, einer adoptirten Tochter des Oberstlieutenants von Weissen geworden ist.

Das reizend gelegene Dorf Plaussig, obgleich es ausser dem eigentlichen Bereiche der Völkerschlacht bei Leipzig lag, hat doch damals ausserordentliche Drangsale aushalten müssen. Am 18. October 1813 marschirte die schwedische Armee unter Anführung des Kronprinzen Bernadotte, gleichwie auch das alliirte Preussische und Englische Heer, bei Plaussig auf mehreren Brücken über die Parthe, und zwar die Reiterei zwischen der Kirche und Pfarre, die Infanterie durch den Pfarrhof und Garten, um sich in der Nähe von Taucha, bei dem Vorwerke zum heitern Blick, mit den Russen und Oestreichern zu vereinigen, nachdem der nahe an Plaussig und Portitz stehende linke Flügel des Französischen Heeres, der aus Sächsischen, Badenschen und Würtembergischen Truppen bestand, sich ergeben und mit den Alliirten verbunden hatte. Plaussig wurde darauf von Französischen Truppen geplündert und ausserdem viel Unheil verübt. Das von einem Franzosen geraubte Kirchensiegel wurde nach Jahren beim Pflügen von einem kleinen Knaben aufgefunden.

Es ist schon erwähnt worden, dass der Senator und Baumeister Sieber († 1742) sich vielfache Verdienste um Plaussig erworben habe, wozu auch die Erbauung des jetzt noch stehenden Gotteshauses gehört. Diese schöne, freundliche Kirche wurde in den Jahren 1771 und 1772 erweitert und im Innern mannichfach verändert, erhielt eine neue von Maurer in Leipzig erbaute Orgel und 1791 von dem damaligen Rittergutsbesitzer und Kirchenpatron Georg Sieber einen neuen Taufstein. Auf dem zierlich gebauten Thurme befinden sich drei Glocken, von denen die grösste im Jahre 1439 gegossen worden ist. Das Pfarrarchiv verwahrt die Kirchenbibliothek mit zwei alten interessanten Druckwerken von 1484 und 1507. – Ausser einem ansehnlichen Vermögen besitzt die Kirche zu Plaussig auch verschiedene beträchtliche Legate, welche theils für den Pastor, theils für den Schullehrer, theils zu einer dauerhaften Zierde für die Kirche und zu freiem Schulunterrichte armer Kinder bestimmt sind. Filial von Plaussig ist das eine halbe Stunde entlegene Dorf Seegeritz. Früher war dieses Dorf ebenfalls ein Pfarrort, da aber der Pastor, wie auch der Schullehrer, ein sehr kärgliches Einkommen hatten und ihre Wohnungen einzustürzen drohten, so trug im Jahre 1590 die Gemeinde Seegeritz darauf an, ihr Dorf mit Plaussig zu vereinigen, welche Bitte das Consistorium auch genehmigte. Seit dieser Zeit ist der Rittergutsbesitzer zu Plaussig der einzige Collator der Pfarr- und Schulstelle zu Plaussig und Seegeritz. Dreissig Acker Feld, welche zu der Pfarre in Seegeritz gehörten, wurden, weil Plaussig und Seegeritz damals einem Besitzer zustanden, zu dem Rittergute Seegeritz geschlagen, wofür der Pfarrer in Plaussig eine Entschädigung durch Rittergutsfelder daselbst erhielt. Eine Urkunde von 1393 nennt Nikol von Hogenest den Pfarrherrn zu Plusk. Der letzte katholische Geistliche zu Plaussig hiess Ambrosius Lederer, und der erste protestantische Pfarrer war Paul Hempel. Einer der hiesigen Pastoren, M. Heinsius, welcher im Jahre 1723 removirt wurde, gründete 1725 zu Leipzig eine Buchhandlung, welche fast ein Jahrhundert bestand. Der erst vor wenigen Jahren verstorbene achtzigjährige Pfarrer, Christian Traugott Hermann Hahn, war ein Enkel des, am 21. Mai 1726 auf Anstiften der Katholiken durch den Trabanten Franz Laubler ermordeten, Predigers an der Kreuzkirche zu Dresden, M. Joachim Hermann Hahns.

Otto Moser.