Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Niederhaselbach

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Niederhaselbach
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 139–141
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 217.jpg
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Niederhaselbach.


Niederhaselbach mit dem Allodialgute Wernsdorf ist ein Rittergut ohne Grund und Boden, indem ersteres nur noch Jagd- und Fischerei-Gerechtigkeit besitzt und weder Vieh noch Gehöfte daselbst vorhanden sind. Es grenzt an die Dörfer Niederforchheim, Pfaffenroda, Görsdorf und an die königlichen Waldungen, an die Flöhe.

Es besitzt 130 Acker Feld, 68 Acker Wiese und 100 Acker Holz.

Haselbach hat eine sehr angenehme Lage, indem der durch das Dorf fliessende, oberhalb Dörnthal entspringende Haselbach wie überall, so auch hier, ein schönes, weites und anmuthiges Thal bildet.

Die ältere Geschichte des Rittergutes Niederhaselbach und Allodialgutes Wernsdorf besagt folgendes:

Der Sitz des Gerichtsherrn war vor Zeiten in Niederhaselbach, indem nämlich das Erballodialgut Wernsdorf seit dem Jahre 1645 mit dem Rittergute Niederhaselbach vereint ist. Die Unterthanen hatten die Dienste nach Wernsdorf zu leisten und waren verpflichtet dorthin das Zwangsgesinde zu stellen.

Es gehörte in früheren Zeiten das halbe Dorf Haselbach der Familie von Stange auf Venusberg und Drehbach, weshalb das dasige Erbgericht noch heute den Namen Stangengericht führt.

Späterhin brachte Christoph von Berbisdorf auf Forchheim den Ort an sich und sein Sohn, Hans Hildebrand, der nach der Theilung des Rittergutes Forchheim in zwei Gütern, Herr von Niederforchheim und Haselbach wurde, traf 1653 mit den Unterthanen des Rittergutes Haselbach einen Vergleich, dem zu Folge sie ihre Dienste in das Allodialgut Wernsdorf, welches sehr ansehnliche Fluren und Wiesen besitzt, zu leisten sich verpflichteten.

[140] Nach dem im Jahre 1675 erfolgten Tode Hans Hildebrands von Berbisdorf wurde das Allodialgut Wernsdorf von Niederforchheim getrennt und mit dem Rittergut Niederhaselbach vereinigt. Hildebrand von Berbisdorf hatte zwei Töchter als Erbinnen, welche und zwar die ältere Eleonore mit einem Herrn von Tettau, die jüngere mit einem Herrn von Schönberg vermählt war. Diese beiden Schwestern zertheilten den zum Rittergute Niederhaselbach gehörigen Grund und Boden in einzelne Stücke und gaben solchen in Erbpacht aus, wodurch ein besonderer, Neuhaselbach genannter Theil des Dorfes entstand, welches 18 Erbgärtner, 4 Häusler, eine Mahlmühle mit zwei Gängen, Bret- und Oelmühle umfasst, und in dieser Weise heute noch existirt.

Das Herrenhaus und sämmtliche ansehnliche Wirthschaftsgebäude zu Wernsdorf brannten, von einem Blitzstrahl getroffen, in den Morgenstunden des 12. Juli 1798 gänzlich, nebst dem ganzen Inventarium und dem grössten Theile der Mobilien nieder, wobei auch über 100 Stück Vieh in den Flammen umkamen.

Der damalige Besitzer, den dieser grosse Unfall traf, baute sämmtliche Gebäude so schön als zweckmässig wieder auf und versetzte die Oekonomie in den blühendsten Zustand. Es war kein anderer, als Christian Gotthelf Clausnitzer, Gerichtsherr auf Niederhaselbach und Erbherr auf Wernsdorf, welcher diese Güter 1772 in Mitbesitz erhielt, 1788 allein überkam und 1790 damit beliehen wurde. Ihm folgte sein Bruder der Lieutenant Sigismund Clausnitzer, welcher diese Güter nur 2 Monate inne hatte.

Im Jahr 1833 schlug der Blitz in den Ochsenstall ein und betäubte 4 Ochsen. Von 1838 bis 1849 besass diese Güter Karl Alexander Rudolph. Derselbe hatte das Unglück, dass im Jahre 1843 den 23. Dezember die Scheune gänzlich niederbrannte.

Im Jahr 1849 erhielt Christiane Friederike verw. Rudolph diese Immobilien in Lehen; nach deren am 14. Juli 1853 erfolgten Ableben wurde die Wirthschaft in Erbe bis zum 14. Juli 1856 fortgeführt. Von da ab kaufte Wernsdorf mit Niederhaselbach Herr Ludwig Böhme und erhielt derselbe solche Güter den 14. März 1857 in Lehen.

Das Collaturrecht über hiesige Schule steht den beiden Rittergütern Niederforchheim und Niederhaselbach mit Wernsdorf gemeinschaftlich zu.

Die nächste Inspection über die Schule führt der Pfarrer zu Mittelsayda und der Pfarrer zu Forchheim gemeinschaftlich, indem ein Theil von Niederhaselbach in die Parochie Mittelsayda gehört.

Das Schulhaus zu Haselbach ist im Jahre 1782 erbaut worden und der Unterricht in demselben beschränkt sich jetzt auf 110 Kinder.

Wernsdorf bildet mit der Nennigmühle einen besondern Schulbezirk. Das Schulhaus, welches vor einigen 90 Jahren erbaut worden sein mag, hat seit dem Jahre 1836 eine Glocke mit Uhr in einem besonderen Glockenstuhle erhalten.

Niederhaselbach mit Wernsdorf, mit Ausnahme eines geringen Theils von ersterem Orte, gehört ausserdem zur Parochie Forchheim.

Nicht weit von Niederhaselbach ist das romantisch gelegene Dorf Görsdorf. Von einem Abhange ziehen sich die Güter und Häuser in das schöne und reizende Thal der Flöhe hinab, über welche im Jahre 1836 eine schöne steinerne Brücke gebaut worden ist, da die Poststrasse von Forchheim nach Annaberg hier durchgeht. Dieser untere, höchst anmuthige Theil des Dorfes heisst der Kohlhau, weil das auf der Flöhe hierher geflösste Holz für die Freiberger Schmelzhütte verkohlt wird, weshalb sich die Sommermonate über jedesmal ein Bergofficiant aus Freyberg hier aufhält, welcher das Ganze mit dem zunächst unter ihm stehenden Köhlermeister leitet.

Es wurden oft Meiler von 60–80 Schragen zusammengesetzt und da die Arbeit wirklich gefährlich ist, so werden die Sommermonate über in der Kirche zu Forchheim Fürbitten für die Anstalt und deren Arbeiter beim Kirchengebet mit abgehalten.

In Görsdorf befand sich ehemals eine noch in den Zeiten vor der [141] Reformation erbaute Kapelle, zu welcher ein Grundstück von 20 Scheffel Aussaat gehört.

Wernsdorf hat ebenfalls eine sehr angenehme Lage. Auch geht die Strasse von Forchheim nach Zöblitz hindurch.

Hinter Haselbach nach Norden zu erhebt sich der Zug des Seitenberges, davon der nächste Theil bei Haselbach der Bielberg genannt wird.

In Haselbach wie Forchheim giebt es viele Weber, welche Parchent und Cattun für Chemnitz und Mittweida fertigen.

Die Dörfer haben meist gute und dem Flachsbau günstige Felder.

Haselbach der ganze Ort zählt 108 bewohnte Gebäude mit 154 Familienhaushaltungen und 695 Einwohnern; wogegen Wernsdorf mit Nennigmühle nur 60 bewohnte Gebäude hat, worinnen sich 91 Familienhaushaltungen und 419 Einwohner befinden.

Beide Orte gehören zum Gerichtsamt Lengefeld, zum Bezirksgericht Augustusburg, zur Amtshauptmannschaft Niederforchheim, zum Regierungsbezirk Zwickau.

M. G.