Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lohmen

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Lohmen
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 201–202
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Lohmen


in Urkunden Lohmen, Chlom, Clum, Cluhmen, Clomen genannt, liegt auf der rechten Seite der Elbe, 1 Stunde nordöstlich von Pirna, am Wege nach Hohenstein.

Seinen Namen selbst verdankt der Ort wahrscheinlich den Erbauern oder ältesten Besitzern des Schlosses, den Herren von Chlumen, (Lohem Clomen).

In Urkunden wird blos eines Johannes de Lom gedacht, welcher in einem von dem Provinzialrichter des Meissner Landes (Günther von Crimmitzschau) im Jahre 1223 zu Altenburg ausgestellten Bestätigungsbriefe als Zeuge genannt wird.

Dies beweiset indessen bloss das hohe Alter des Geschlechts. Ein Johannes von Lohme kommt auch im Jahre 1413 als Zeuge vor.

Diese Herren waren Anhänger der Hussiten und lebten dieserhalb mit den benachbarten meissnischen Bischöffen in beständiger Fehde. Ein Johann von Cluhmen begleitete mit dem Besitzer von Hohenstein, einem Wenzel von Dubra,[VL 1] Hussen auf das Concilium zu Costnitz.

Im 15. Jahrhundert verschwinden diese Herren von Cluhmen, indem sie vom Markgraf Wilhelm dem Einäugigen ihrer Güter entsetzt und in’s Elend geriethen.

In den Jahren 1457–80, wo der letzte Hans von Clomen die ganze Herrschaft Wehlen besass, wozu Lohmen gehörte, hatte letzteres schon einen eignen Besitzer, nämlich in der Person des Landvoigts von Meissen, Nickel von Köckeritz. Es ist dies derselbe, welcher im Jahre 1464 die Pfarre zu Sturze stiftete und Hochburkersdorf dazuschlug, während beide vorher zur Hohnsteiner Kirche gehört hatten. Herr von Köckeritz kaufte dann auch dem Hans von Clomen die ganze Herrschaft Wehlen ab.

Dieser Nickel von Köckeritz verkaufte die ganze Herrschaft Wehlen mit Lohmen an den Schneeberger Berghauptmann Heinrich von Starschedel mit allen Nutzungen.

Im Jahre 1504 nahmen die von Starschedel die Herrschaft beim meissnischen Bischof mithin so, als wäre es ein Zubehör von Stolpen, in Lehn. Kurze Zeit darauf und zwar 1513 kam die Herrschaft an die Gebrüder Hans, Friedrich und Wolf von Saalhausen auf Tetschen, wovon der Letztere auch Lauenstein besass.

Doch auch diese veräusserten sie bald wieder, vielleicht 1523 an die Herren Wolff und Ernst von Schönburg, die die Nutzungen derselben sehr verbesserten; bei der Theilung übernahm Wolff 1524 Wehlen ausschliesslich.

Dieser erbaute das Hintergebäude des Schlosses Lohmen, nachdem von Ernst schon vorher das eigentliche herrschaftliche Wohnhaus aufgeführt worden war.

Nach Wolffs Tode fiel die Herrschaft an Ernst zurück, dessen Söhne es nebst Hohenstein gegen Tausch dem Herzog Moritz im Jahre 1543 überliessen. Lohmen hatte also von der Zeit des letzten von Köckeritz bis zu ebengenanntem Jahre keinen besondern Besitzer gehabt, aber Moritzens Nachfolger, der Kurfürst August, schenkte es im Jahre 1567 als Lohn treuer Dienste seinem Geheimsekretär Johann Jenitz.

Nach dessen, im Jahre 1590 erfolgten Tode, kaufte es der Churfürst Christian I. von den Erben zurück, und Christian II. verschenkt es an Hans Georg Wehse, Hauptmann der Aemter Stolpen und Radeburg.

Von diesem kaufte es 1611 Rudolph von Bünau auf Radoschütz, dem es 1620 Churfürst Johann Georg I. wieder abkaufte. Dessen Sohn und Nachfolger schenkte es seiner Gemahlin zum Wittwensitze, welche nach seinem Tode zu Lohmen residirte.

Von dieser Zeit wurde das Schloss Lohmen nicht mehr verschenkt, sondern man wandelte die ganze Besitzung in ein Königl. Kammergut um.

Das hiesige Schloss steht auf einem hohen, in der Mitte geborstenen Sandsteinfelsen, unter welchem die Weiseritz[VL 2] fliesst.

Erwartungsvoll zwar, ein Denkmal des alten Ritterthums zu finden, tritt man in den Schlosshof. Stall eines engen mit halbverfallenen Thürmen umgebenen Hofes, breitet sich aber ein weiter Wirthschaftshof aus, wo Scheunen und Ställe und ein langes modernes Wohngebäude den Beschauer schnell enttäuschen, und das ihm entgegenstehende alte Gebäude und ein Gleiches zur linken Hand, beide Schüttböden ähnlich, geben ihm noch eine kleine Hoffnung, er müsse doch Alterthümliches noch hier finden.

Doch die schlanken Gestalten der in moderner Tracht von der Hausthür des Schlosses ihn begrüssenden Frauen, die aufgeschürzten hin- [202] und herlaufenden Mägde führen ihm die Täuschung nicht zurück: Keine Spur ist von Alterthum zu finden.

Missmuthig vielleicht, das nicht Gefundene[VL 3] zu haben, was der Beschauer suchte, geht er zurück über den Hof. Plötzlich aber steht er an einer Pforte, die er öffnet und auf ein Mal eröffnet sich seinen Blicken eine Ansicht, die in das grösste Erstaunen, in die grösste Verwunderung versetzt.

Der Schritt aus der Thüre führt den Beschauer in eine ganz andere Welt. Er befindet sich auf einem mit blühenden Sträuchern bewachsenen Feldhange, wo schattige Plätze ihn zu rasten einladen und hohe Tannen, die aus kahlem Gestein sich hervordrängen, ihre zarten Wipfel emporheben.

Duftende Blüthen erfüllen die Luft, schlängelnde Wege führen in die Höhe hinauf oder in das Thal hinab und unter sich in grausiger Tiefe erblickt er den rauschenden Bergstrom der Weiseritz zu ihren Felsen hindurch stürzend, er hört das Klappern der Mühlen, das Brausen des Flusses und ist er nun unten im Feldthale, so sieht er sich plötzlich wie mit Zauberschlag von Felsen umgeben und auf schroffer Höhe das Gemäuer eines alten Schlosses, das noch in seiner ersten Gestalt dem Zahn der Zeit widerstanden hat.

Schreitet der Besucher hiesiger Gegend über eine kleine Brücke, geht dann längs dem Flusse der in der Ferne klappernden Mühle zu, umgeht er den steilen Felsvorsprung, auf welchem der eine Theil des Schlosses steht, so zeigt sich seinem Auge der grössere Theil des alten Gebäudes, der das neue Schlossgebäude vom Hofe aus ganz zu übersehen hindert.

Die beiden nachstehenden Reste des alten Schlosses sind durch einen Altan verbunden, von welchem man eine herrliche Aussicht nach Mühldorf, Liebethal und dem Porsberge geniesst. Von diesem Altane stürzte 1784 am 18. August der Hofknecht Hartmann im Schlafe, 33 Ellen tief hinunter und brach beide Beine, wurde aber glücklich wieder hergestellt.

Auf dem Schlosse zu Lohmen starb die Wittwe des Churfürsten Johann Georg II. und zwar 1687. Noch wird ihre Stube und das Bett gezeigt, worauf sie starb.

Bei dem Schlosse befindet sich ein mit engl. Parthien versehener Garten.

Zu dem hiesigen Kammergute, welches eine wahre Musterwirthschaft besitzt, gehören 2 Mühlen mit 8 Gängen, eine Schäferei und das Dorf Zeichen unter Wohlstädel, an der Elbe.

Das Brauhaus hat eine Heizung, die sehenswerth ist, die Brauerei überhaupt aber einen bedeutenden Umfang.

Zur Verbesserung der Pferdezucht ist hier eine eigne Stüterei, und die spanische Schäferei hat mit der Stolpner gleiche Einrichtung. In Ansehung der Justiz hatte das Kammergut und der Flecken Lohmen, so wie das Dorf Zaichen eine eigene Gerichtsdirektion in der Person des Justizbeamten von Hohnstein und war von dem Niederamt Lohmen ganz getrennt. Jetzt gehörten die sämmtlichen Orte zum Gerichtsamte von Hohnstein.

Der Flecken Lohmen, ohngeachtet er fast nur ländliche Gewerbe betreibt, hat in Militär und Innungs-Angelegenheiten Stadtrecht, liegt theils an der Brausenitz, so heisst der hintere Theil des Weiseritzthals, theils an der Weiseritz selbst, oder zieht sich längs der Strasse nach Hohnstein und der Bastei auf der Höhe hin.

Eine schöne, mit einem Kreuze geschmückte Brücke führt über die Weiseritz und verbindet die verschiedenen Theile des Fleckens, der einen bedeutenden Flächenraum einnimmt.

Hier herrscht der auffallende Gebrauch, dass jeder Bewohner während der 6 Wochen seiner Frau Bier schenken darf.

Der Flecken selbst besteht aus 140 Häusern mit circa 1000 Einwohnern, drei Mühlen und einem Forsthause.

Sehenswerth ist die freundliche, achtseitige Dorfkirche, die mit ihren drei Emporkirchen einen wohlthuenden Anblick gewährt und wohl eine der schönsten Landkirchen Sachsens ist.

Ausser dem Feldbau wird auch viel Hopfenbau hier getrieben; eine Nebenbeschäftigung ist das Bleichen und Spinnen des selbst erbauten Flachses.

Der sogenannte Lohmer Grund ist bekannt geworden bei dem In- und Auslande. Eng ist der Grund, oft aber durch die auf beiden Seiten so häufigen Steinbrüchen wohl auf 50 Ellen erweitert.

Durch die vielen herabgerollten Felsstücken, über welche zum Theil die Weiseritz in verschiedenen Krümmungen schäumend brausst, ist er unwegsam geworden und die glatt gearbeiteten Wände der so häufigen Brüche unterbrechen unfreundlich das Romantische dieses Grundes, der auch wohl nur deshalb sehenswerth ist, weil hier die ersten Felsparthieen des romantischen Gebirges beginnen. Der Anblick der Steinbrüche hat etwas das Gemüth niederschlagendes, das mühsame Lösen der Steine, die gefahrvolle Arbeit, die schwachen Stützen, auf welchen oft ein ungeheurer Felsblock ruht, erfüllen das Herz mit banger Sorge und der Gedanke an die schwere Arbeit zu dem verhältnissmässig geringen Gewinn ist eben nicht geeignet, Zufriedenheit in die Seele zu rufen.

(M. G.)     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Duba
  2. handschriftliche Korrektur: Wesenitz
  3. handschriftliche Korrektur: Gefunden