Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lauer

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Lauer
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 149–150
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 230.jpg
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Lauer.


Lauer, auch Laura genannt, liegt zwei Stunden südlich von Leipzig am Ausgange des Rathsholzes, am Flossgraben, mitten in der Aue.

Das dazu gehörige Knautkleeberg mit Mühle und Gasthof, hat mit Zschocher gleiche Lage.

Lauer hat blos zwei bewohnte Gebäude mit drei Familienhaushaltungen und 30 Bewohnern.

Es gehört zum Gerichtsamt Leipzig II., zum Bezirksgericht Leipzig, zur Amtshauptmannschaft Borna, zum Regierungsbezirk Leipzig.

Einer Sage nach, die nicht so allgemein bekannt sein dürfte, soll das Schloss seine Entstehung folgender Begebenheit verdanken.

Aus einem der benachbarten Schlösser (Gautsch, Zöbigker, auch Knauthain wird genannt), war der Besitzer des Gutes ausgezogen zum fernen Turniere, und am Tage, wo derselbe wieder einzutreffen versprochen hatte, ging die Gattin mit ihrem einzigen lieblichen Kinde Laura entgegen und wartete in der Gegend des jetzigen Schlosses Lauer, der Ankunft des Gatten, ihres Beschützers und Hüters. Vergebens war das Lugen und Lauern, der Gatte kam nicht. Trauernden Herzens und weinenden Auges kehrte sie nun zum Schlosse ihrer Väter zurück, um eine in Sorgen und Angst durchwachte Nacht zu verleben. Mit Tagesanbruch sah sie nach der Gegend, woher der Gatte kommen sollte. Bald erblickte sie einen Trupp Reisige und in deren Mitte einen scheinbar Todten. „Gott! meinen Gatten bringen sie als Leiche,“ schrie sie in der Angst ihres Herzens. Der Zug näherte sich dem Schlosse und nach einigen Minuten weinten Mutter und Kind zu den Füssen ihres nicht todten, aber schwer verwundeten Gatten und Vater. Da in ihrer Seelenangst, gelobte Lauras Mutter: „Zum Danke, wenn der Gatte mir erhalten wird, will ich an dem Orte, wo ich mit meinem Kinde den Gatten zu erwarten gedachte, einen Zufluchtsort für Reisende und Kranke erbauen.“ Und Gott erhörte ihr Flehen. Der Gatte genass und ein Gebäude entstand an der Stelle, wohin sie mit dem Kinde entgegen gegangen war. Das Haus wurde anfangs als Wallfahrtsort bestimmt, später in ein Schloss[1] umgewandelt und in Bezug auf das Warten der Mutter mit ihrem Kinde Laura: „Lauer oder Laura“ genannt.

Man hat über die Entstehung des Ortes wenigstens eine weitere Nachricht nicht, obschon die Sage ebenfalls keinen sichern Anhalt giebt.

Nur so viel steht fest, dass im 16. Jahrhundert das Schloss von einem Herrn von Pflug umgestaltet und in seiner jetzigen Form ins Gevierte gebaut worden, über dessen Portale das Pflug’sche Wappen mit der der Jahreszahl 1552 zu lesen ist.

Der mit dem Schlosse verbundene fünfeckige Thurm, musste in neuerer Zeit abgetragen werden. Schloss und Thurm ist von Wallgräben umflossen.

Später acquirirten das Schloss die Herren von Dieskau, von denen es durch Heirath an die Herren von Ponickau im Jahre 1683 überging. Ein von Ponickau und ein Schwager desselben mit Namen Wobbeser, verkauften das Gut im Jahre 1729 an die Frau von Manteufel, durch welche es in den Besitz der Familie von Hohenthal zweiter Linie, die auch Knauthain inne hat, kam, und deren Stammvater Peter Hohmann in Leipzig (später Hohenthal) war. Der Hohmann’sche Hof in der Peterstrasse Leipzigs hat von demselben heute noch seine Benennung.

Der jetzige Besitzer von Lauer ist, Graf Carl Adolph von Hohenthal-Knauthain, Knautnaundorf u. s. w. Königl. Sachs. Kammerherr, wirkl. Geh.-Rath und Gesander und Bev.-Minister in Berlin, sowie am K. Hannover’schen Hofe, vermählt mit Caroline Christiane Albine Albertine von Bergen, des Kurfürstth. Hess. Erbkämmerer Gen.-Majors Ludwig Herrmann, Freiherrn von Berlepschs Tochter, Besitzer in der Herrschaft Pischelly in Böhmen, welche in erster Ehe mit dem Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen vermählt war und seit den 20. Nov. 1847 bis zum Jahre 1851 in Wittwenstande lebte. Mit diesem Grafen von Hohenthal erzeugte die Gräfin Bergen am 4. Febr. 1853 einen Sohn, Karl Adolph Philipp Wilhelm Graf von Hohenthal, welcher seit dem 15. Oct. 1854 auch Graf von Bergen ist.

[150] Der andere Bruder des Besitzers von Lauer ist, Karl Emil Graf von Hohenthal, Herr auf Dölkau, Kötzschlitz, Günthersdorf und Altranstädt, vermählt mit der Gräfin Seher-Thoss.

Der dritte Bruder, welcher am 11. Dec. 1852 gestorben ist, war der Reichsgraf, Carl Friederich Anton von Hohenthal, Königl. Sächs. Kammerherr und Grossherzoglich Sächs. Oberschenk, Herr auf Wartenburg, der Herrschaft Launstein, Mühltroff, Weissenborn, Püchau u. s. w. Dessen Sohn, Karl Julius Leopold, geb. am 21. Juni 1830, ist der Nachfolger in den vorgenannten Besitzungen, und derselbe ist vermählt mit Auguste Isidore, geb. von Wuthenau, der Tochter des Sächs. Kammerherrn Traugott von Wuthenau und der Isidore, geb. Gräfin von Hohenthal Tochter.

Aus dieser Ehe sind zwei Kinder entsprossen, Maxmilian und Olga. Ausserdem hat dieser Graf Karl Julius Leopold noch fünf Halbgeschwister aus des Vaters zweiter Ehe und eine Vaters Schwester, Friedericke Henriette Armgardt, geb. von Hohenthal, welche am 11. Jan. 1777 geboren ist, und mit Ferdinand Heinrich von Helldorf vermählt war.

Das alterthümliche Schloss Lauer, dessen Inneres manche Reliquie aufbewahrt, ist sonach bis auf die neuesten Zeiten der Sitz berühmter weit verzweigter Adelsgeschlechter geblieben.

In früherer Zeit finden wir hier die Zschocher’sche Linie der Pflugke und Dieskau, die im 17. Jahrhundert die meisten Güter hier und in der Umgegend besassen, und durch ihren Glanz in den Haushaltungen sich auszeichneten; in den neuern Zeiten finden wir hier die Grafen von Hohenthal, deren Name einen herrlichen Klang im Sächs. Vaterlande hat. Arme und Verlassene finden in Ihnen einen Beschützer und Helfer, das Vaterland an ihnen seine treuesten Vasallen.

Ein besonderes Dorf ist in Lauer nicht zu finden.

Die Bevölkerung besteht aus einem Pächter mit seinen Knechten und Mägden, dem herrschaftlichen Revierförster und Ziegler mit ihren Familien.

Das Gut hat schönen Feldbau und prächtiges Holz.

Zu dem Gute selbst muss das Dorf Knautkleeberg als Beigut gerechnet werden, welches nach Knauthain eingepfarrt ist. Es liegt am linken Ufer des Elstermühlgrabens, 1¾ Stunde von Leipzig, zwischen Knauthain und Grosszschocher. In diesem Orte verlebte der Dichter Seume einen Theil seiner Jugend.

Lauer ist mit Raschwitz, Oetzsch und Cospuden nach Gautzsch eingepfarrt und die Kirche zu Zöbigker ist eine Schwesterkirche von Gautzsch.

Das Aeussere, sowie das Innere der Kirche ist ungemein schön, geräumig, lichtvoll, so dass sie im ganzen Leipziger Kreise, wenige ihres Gleichen haben wird und übertrifft an Helligkeit selbst die neueste zu Schönfeld.

Die ganze Parochie hat im 30jährigen Kriege 1632 beim Rückzuge der Schweden viel gelitten, eben so auch im Jahre 1706 durch Carls XII. Grausamkeit, und die Völkerschlacht bei Leipzig ist hier noch nicht vergessen.

Von Gautzsch aus, suchte der General Meerveldt nach Connewitz zu gelangen, und den rechten Flügel der Franzosen in den Rücken zu nehmen.

Allein die Pleissenbrücke war abgebrochen und der Uebergang wurde ihm durch den tapferen Fürsten Poniatowski verwehrt. Auch bei Lössnig gelang es ihm nicht, und bei Dölitz besetzten zwar die Oesterreicher schon früh das auf dem linken Pleissenufer liegende Rittergut und schossen die gegenüberliegende Mühle in Brand, allein dessen ungeachtet konnte wegen der tapferen Gegenwehr ihrer Feinde, welche jeden Baum, jede Mauer, jeden Boden benutzten, um Kugeln auf die am linken Ufer befindlichen Oesterreicher zu senden, der Uebergang nicht erzwungen werden. Endlich beschloss sich in dieser Gegend das blutige Schauspiel damit, dass General Meerveld, welcher Alles für Erreichung seines Zweckes aufbot, an der Spitze seines Bataillons gefangen wurde.

Gelang dieser Uebergang, so war allerdings eine gefährliche Lage für das in Rücken genommene französische Heer vorhanden. Durch das Eintreffen der Nachricht aber von dem bei Wachau Vorgefallenen wurde derselbe gänzlich vereitelt.

Napoleon drang von Wachau rechts und links in 2 Colonnen vor, wodurch es kam, dass die Verbündeten zurückweichen mussten. Sofort wurde dem Fürsten Schwarzenberg, welcher sich in der Nähe des Meerfeldschen Corps in Gautzsch und bei Lauer aufhielt, die gefährliche Lage der Dinge gemeldet, und derselbe gab der österreichischen Reserve unter dem Erbprinzen von Hessen-Homburg Befehl, über Gaschwitz und Deuben auf das rechte Pleissenufer zu gehen und sich vor dem Dorfe Gröbern zu setzen. Er selbst folgte auf das Schlachtfeld und mit dem beabsichtigten Uebergange war es aus. Die Tage der Angst und des Schreckens für Gautzsch und Umgegend waren vorüber.

M. G.     




  1. Nach Andern soll aus dem späteren Schlosse ein Kloster entstanden sein, welches erst nach der Reformation aufgehoben und wieder zu einem Rittersitze umgewandelt worden ist.
    Der Annahme dagegen, dass das Schloss vor dessen Umwandlung in ein Kloster ein Raubschloss gewesen, ist unbedingt kein Glauben beizumessen, da die hiesige Gegend in jener Zeit zu einer grösseren Herrschaft gehörte. Zu dieser Annahme mag wohl blos die bequeme Lage des Ortes an der alten Naumburger Heerstrasse und der Name „Lauer“ Veranlassung gegeben haben.