Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Kahnsdorf

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Kahnsdorf
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 187–188
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 287.jpg
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Kahnsdorf.


liegt dicht bei dem Kirchdorfe Zöpen 1¾ Stunden nordwestlich von Borna, 1 Stunde von Rötha, 1¼ Stunden von Lobstädt, 4 Stunden von Leipzig und nur 400 pariser Fuss über dem Meere, am linken Ufer der Pleisse, die nicht weit von hier den von Bergisdorf kommenden Elschgraben (der eigentlich ebenfalls ein Pleissenarm ist) aufnimmt.

Kahnsdorf befindet sich gerade in der Mitte von 4 Städten: Grimma, Altenburg, Zeitz und Leipzig, die es nach allen 4 Himmelsgegenden zu, ziemlich in gleicher Entfernung einschliessen.

Die hiesige Gegend ist bekannt durch ihre Fruchtbarkeit, welche dadurch noch erhöht wird, dass durch die herrlichsten Wiesenauen die Pleisse dahin läuft.

Kahnsdorf, früher auch Ganitz und Cansdorf[WS 1] genannt gehörte in den frühesten Zeiten zur Zupanie, die in Zöpen ihren Sitz hatte: Denn Zöpen wie Kahnsdorf sind sehr alte Orte und erstrer war sogar früher viel bedeutenter als jetzt, Kahnsdorf aber wurde erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem schriftsässigen Rittergute erhoben.

Das hiesige Herrenhaus ist freundlich und im neuern Stil an der Stelle des früheren alten Schlosses erbaut.

Der eigentliche Begründer des früheren alten Schlosses ist wegen mangelnder Nachrichten nicht zu ermitteln, so wie überhaupt durch verschiedene Brände in Zöpen alle auf Kahnsdorf mit Bezug habenden intressante Nachrichten verloren gegangen sind. Gewiss ist, dass die von Etzdorf mehre Jahrhunderte hindurch Kahnsdorf nebst mehreren andern Gütern in hiesiger Gegend besessen haben, deren Stammschloss im Altenburgischen, ¾ Stunden von Eisenberg liegt.

Im Jahre 1631 war Erb- Lehn- und Gerichtsherr von Kahnsdorf, Friedrich von Etzdorf, welcher im 30 jährigen Kriege von einer räuberischen Parthei erschossen wurde. Kahnsdorf kam nach dieser Zeit an die Familie von Dieskau.

Allein schon 1688 besass das Gut Christian Kresse, welcher sich grosse Verdienste um die Kirche von Zöpen erworben hat. Denn derselbe schenkte nicht nur eine ansehnliche Summe zum Bau derselben, sondern schaffte auch ein Altar- und Leichentuch. Ueberhaupt wird Kresse als ein aufrichtig frommer und wahrhaft tugendhafter Mann geschildert. Nach Kresse folgte im Besitze 1701 Emilie Thielebein und 1705 der Herzogl. Sächs. Goth. Landcommissarius Thielebein. Im Jahre 1747 finden wir als Erb- Lehn- und Gerichtsherrn Herrn Georg Friedrich John, von welchem das Gut der als Philolog und Theolog allbekannte und hochgeschätzte Dr. Johann August Ernesti, Domherr und Prof. Prim zu Leipzig in Gemeinschaft mit Sieber erkaufte, vom Jahre 1771 jedoch war Ersterer allein im Besitze von Kahnsdorf und es erbte dasselbe seine Tochter Sophie Friederike, unverehelichte Ernesti, die sich ebenfalls den Ruhm tiefer Gelehrsamkeit in der lateinischen und griechischen Sprache erwarb. Letztre vermachte Kahnsdorf ihrem Vetter Dr. Johann Christ Gottlieb Ernesti, Professor der Theolochie in Leipzig und nach seinem Tode 1802 war seine hinterlassene Wittwe, Fr. Rahel Henriette geb. Thalemann damit beliehen. Dieselbe starb 1723[VL 1] und der Besitz des Gutes ging auf deren einzige Tochter Frau Julie Henriette Wendler-Ernesti über. In den 40ger Jahren acquirirte es Herr Nordmann, von welchem es an dessen Schwester, die verw. Frau von[VL 2] Schubauer kam.

Die Schicksale des Ortes anbetreffend, so hat es solche mit Zöpen sehr oft getheilt. Nur zur Pestzeit im Jahre 1598 ist Kahnsdorf merkwürdiger Weise verschont geblieben, während diese Seuche in Zöpen die grössten Verheerungen angerichtet hat.

Dagegen hatte Zöpen und Kahnsdorf in den Zeiten des 7 jährigen Krieges die grössten Drangsale zu ertragen, denn die Einquartirungen hörten nicht auf und da noch 2 schlechte Aerndten kaum den nothwendigsten Bedarf für sich selbst darboten, aber auch immer neue Lieferungen [188] für die Kriegsheere geschafft werden mussten, so stieg die Noth sehr hoch.

Nach Beendigung dieses Krieges, der jeder der hiesigen Gemeinden 7000 Thlr. gekostet hatte, wurde den 21. März 1763 ein Dank- und Friedensfest gefeiert, wobei man einen Zug veranstaltete, der von der Kahnsdorfer Schäferei und Schenke ausging.

Die Mädchen waren mit Kränzen, die Knaben mit Fahnen geschmückt und es flossen viele Zähren der Wemuth und Rührung.

Obgleich die Bewohner durch die ausgezeichnet gute Erndte des Jahres 1763, wo alle Früchte über alle Erwartungen wohlgeriethen und seit Menschengedenken eine ähnliche Fruchtbarkeit noch nicht dagewesen war, nach den Verheerungen des Krieges sich wieder erholten; so betraf sie doch ein neues Unglück, indem durch eine Viehseuche die meisten Ställe der Begüterten ausstarben, wodurch es kam, dass die Krautfelder Jedermann umsonst überlassen werden mussten.

Nicht weniger richtete die grosse Ueberschwemmung im Jahre 1771 den 30. Juni einen unendlichen Schaden hier an. Das Wasser drang bis zum hiesigen Herrenhause, überschwemmte den Hof, so dass das Vieh kaum gerettet werden konnte und in dem nächsten Bauerngute riss die Fluth sogar die ganz neuen Mauern eines Stalles nieder.

Im Jahre 1775 wurden die Wohnungen und die Herrschaftlichen Hölzer durch einen Orkan bedeutend beschädigt und im Jahre 1776 zog ein so starkes Schlossenwetter über Kahnsdorf, dass alle Winter- und Sommerfrüchte darniedergeschlagen wurden.

Glücklicher war Kahnsdorf im Jahre 1813, indem es in diesem Jahre von feindlichen Truppen nicht heimgesucht wurde, da gegen Morgen, wo die Heere der Alliirten kaum einen Büchsenschuss von hier marschirten, die Pleisse einigen Schutz darbot – gegen Abend, wo auf der Strasse von Borna nach Leipzig die streitenden Massen der Franzosen sich in Bewegung setzten, bei der Eile, mit welcher man sich dem Schlachtfelde nahete, die weitere Entfernung von jenem, einen sichern Aufenthaltsort darbot.

Am meisten ist dagegen zu beklagen, das durch einen Brand in Zöpen das frühere sehr schätzenswerthe Pfarrarchiv, welches von 1440 begann, und in die frühere Zeit zurück ging, mit ein Raub der Flammen geworden ist. Es soll die getreuesten Nachrichten über die hiesige Gegend und über die alten Zustände, über die alten Einrichtungen und Verfassungen enthalten haben, da Zöpen eben in den frühesten Zeiten der Sitz einer Behörde gewesen, wovon noch treue Ueberlieferungen bis in jene Zeit gekommen waren.

Kahnsdorf ist seit den ältesten Zeiten in die Kirche von Zöpen gewiesen, wohin auch Pürsten und Treppendorf eingepfarrt sind.

Zur Zeit der Pest, welche, wie oben schon erwähnt worden, so furchtbar in Zöpen grassirte, hielten Kahnsdorf und Pürsten in einem an der Strasse vor Kahnsdorf liegenden Hause, welches jetzt nicht mehr so recht deutlich bezeichnet werden kann, den Gottesdienst ab.

Der Kirche von Zöpen mit ihren Merkwürdigkeiten und ihrem schönen Thurme, von welchem man eine herrliche Aussicht geniesst, ist schon bei der Beschreibung von Zöpen gedacht worden, weshalb wir darauf verwiesen haben wollen.

Kahnsdorf hatte früher wie Zöpen seine eigne Gerichtsbarkeit, wogegen seit der neuen Gerichtsorganisation beide Orte dem Gerichtsamte Borna einverleibt, und dem Kreisdirectionsbezirk Leipzig zugetheilt geblieben sind, so dass sie also auch der ersten Amtshauptmannschaft dieses Kreises, der Amtshauptmannschaft Borna noch angehören.

Kahnsdorf zählte 59 bewohnte Gebäude mit 74 Familienhaushaltungen und 332 Einwohner, die sich grösstentheils vom Ackerbau nähren, wogegen einzelne Tagelöhner auf dem Gute und in den nahen Städten Arbeit und Beschäftigung finden.

M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: 1823
  2. handschriftliche Korrektur: von

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Cadnsorf