Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Frohburg

Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Frohburg
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 97–99
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 152.jpg
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Frohburg.


Die Stadt Frohburg, mit einem der bedeutendsten Rittergüter Sachsens, liegt an dem Flüsschen Wyhra, an der hohen Strasse von Chemnitz nach Leipzig, in einer höchst angenehmen und fruchtbaren Gegend, zwei Stunden südlich von Borna und zwei und eine halbe Stunde von Altenburg. Der Ort zählt in dreihundert sechsunddreissig Häusern etwa zweitausend und achthundert Einwohner, die sich hauptsächlich von Zeug- und Leineweberei, Töpferei und etwas Feldbau ernähren. Die hübsche reinliche, grösstentheils gepflasterte Stadt hat sehr ansehnliche Bürgerhäuser, einen schönen grossen Markt, woran zwei treffliche Gasthöfe die Post und Apotheke gelegen sind, und jährlich zwei sehr besuchte Märkte (Montags vor Pfingsten und Montags vor Michaelis) deren jedem nach der Concession vom 4. October 1810 Freitags vorher ein Ross- und Viehmarkt vorangeht. Die Stadt besitzt 235/6 Hufen Feld.

Was die Entstehung Frohburgs anbetrifft, so fällt dieselbe höchst wahrscheinlich in das Zeitalter Kaiser Heinrichs des Vogelstellers. Wieprecht von Groitzsch, der mächtige Graf und Herr des ganzen Landes zwischen Pegau und Leissnig, liess bekanntlich Colonisten aus Franken herbeikommen, welche mit deutschem Fleisse die dunklen Urwaldungen ausrotteten und an deren Stelle blühende Dörfer gründeten. Unter der Axt dieser fleissigen Arbeiter fielen auch die düsteren Forstungen welche Frohburg umgaben und die Sage weiss sogar zu erzählen, dass der Ort, welcher damals nur aus einer Burg und wenigen Häusern bestand, zu jener Zeit seinen Namen erhalten habe. Es hatte nämlich Markgraf Otto von Meissen die Stadt Leipzig mit Jahrmärkten begnadigt, welche von weit und breit besucht wurden und so konnte es nicht fehlen, dass sich bald Wegelagerer fanden, die den reichbeladenen Wagen und Saumthieren der fremden Kaufleute auflauerten und ihre Beute hinter die Mauern und Gräben fester Burgen flüchteten. Die Handelsleute sahen sich genöthigt, nur unter starkem Geleite zu reisen, aber auch die Raubritter kamen mit zahlreicher Mannschaft, so dass oft blutige Kämpfe stattfanden. Wenn nun in der Nähe Frohburgs die Wälder lichter und die Zinnen der alten Veste Gnandstein sichtbar wurden, da dankten die Reisenden Gott für die Gnade, dass er sie sicher bis zu diesem Steine geführt und erreichten sie endlich Frohburg, dann war alle Gefahr vorüber und Jedermann fröhlich. Nach und nach siedelten um die Burg immer mehr Leute an, so dass der Ort sich rasch vergrösserte; wenn er indessen zur Stadt erhoben worden, darüber ist weder eine Urkunde noch eine Tradition vorhanden.

Frohburg, in frühester Zeit auch Vroburg geschrieben, wird urkundlich nicht vor dem Jahre 1200 erwähnt, wo Ritter Albert von Vroburg zu Altenburg als Zeuge erschien. Graf Wieprecht von Groitzsch, der Besitzer dieses Landstrichs, hatte vermuthlich einen seiner treuen Edelleute auf das befestigte Schloss Frohburg gesetzt, dessen Familie sich dasselbe als Lehn zu erhalten wusste. Zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts finden wir Marschälle von Frohburg, ein Beweis, dass die einfachen Vasallen sich zu einem mächtigen Adelsgeschlecht erhoben hatten, und zwei Urkunden von 1328 und 1335 nennen den Marschall Henrich von Froburg, dessen Gemahlin, gleich wie die des Marschalls Wicze von Frohburg, Schloss und Stadt zur einen Hälfte als Leibgedinge erhielt. Die Bestätigung der Urkunde erfolgte durch den Markgrafen Friedrich. – Ob, wie einige Historiker vermuthen, die Marschälle von Frohburg der Familie von Flugelsberg (Flössberg) angehört, und als eine Nebenlinie der Burggrafen von Altenburg zu betrachten sind, oder ob sie, nach der Ansicht Anderer, mit den thüringischen Marschällen gleicher Abkunft waren ist eine Frage, die noch kein Genealog zu entscheiden vermochte. Die Herren von Froburg blieben im Besitze ihres Schlosses nur bis zum Anfange des funfzehnten Jahrhunderts, denn 1410 gehörte es bereits Hansen von Brosen, von dem dasselbe an Heinrich von Bünau und später an einen Herrn von Draschwitz gelangte. Um das Jahr 1516 besass Frohburg ein Ritter von Minkwitz, 1530 aber Melchior von Creutzen, dessen metallenes Denkmal mit der Jahreszahl seines Ablebens, 1555, in der Stadtkirche nahe beim Altare noch jetzt vorhanden ist. Bernhard von Creutzen wird 1561 erwähnt, wo der Pfarrer [98] zu Frohburg M. Lucas Schaubius die sehr bedeutenden Pfarrgüter an ihn und Hildebrand von Einsiedel auf Wolftitz veralienirte. Christoph von Creutzen führte im Jahre 1612 dem Defensionswerke fünf Ritterpferde zu. Nach ihm kam Frohburg in Besitz seines Sohnes, Melchior von Creutzen, und alsdann des Obristwachtmeisters von Kötteritz, der 1661 mit Tode abging und ebenfalls in der Stadtkirche begraben liegt, woher auch wahrscheinlich die beiden hier aufbewahrten alten Fahnen herrühren mögen. Sein Nachfolger August Friedrich von Kötteritz starb 1668 und 1680 erkaufte der Kammerherr von Wittinghof das Gut von seinem Schwiegervater, einem Herrn ,von Kötteritz, doch gelangte dasselbe bald an den Freiherrn Georg Friedrich von Born, welcher es dem Kammerjunker Karl Alexander von Bose auf Breitingen gegen Grosshermsdorf vertauschte. Im Jahre 1726 kaufte Frohburg der königlich Grossbrittanische Geheimrath von Eltz, doch gehörte das Gut schon 1727 Philipp Adam von Hardenberg, von dessen Sohne, Georg Ludwig von Hardenberg, es im Jahre 1777 der Kammercommissionsrath und Kreisamtmann Johann Gottfried Blümner zu Leipzig erwarb. Nach dessen Tode erbte Frohburg sein im Jahre 1810 zum Geheimen Legationsrathe und Freiherrn erhobener Sohn Ernst, der 1815 starb und auf dem hiesigen Friedhofe seine Schlummerstätte fand. Dieser edle, durch vielseitige Kenntnisse sowie für alles Gute, Schöne und Wahre empfängliche Mann hat sich in Frohburg ein gesegnetes Andenken erhalten, indem er die reizendsten Parkanlagen schuf, im Schlosse eine Gemäldegallerie anlegte und in seinem Testamente verordnete, dass der bisherige Friedhof auf seine Kosten erweitert, mit einer Mauer umgeben, durch ein elegantes eisernes Gitterthor verwahrt und die Gänge mit italienischen Pappeln bepflanzt werden sollten. Mitten unter den Gräbern liegt ein einfacher Denkstein, der die Hülle des wackeren Mannes deckt. Der nächste Herr auf Frohburg Oberhofgerichtsrath Dr. Heinrich von Blümner war auch zugleich Besitzer von Grosszschocher und Windorf; er starb am 17. Februar 1839 und hinterliess einen berühmten Ruf als dramatischer und kritischer Schriftsteller. Die Kirche zu Frohburg empfing von ihm ein Legat von tausend Thalern. Nach des Oberhofgerichtsrathes von Blümner Tode wurde alleinige Besitzerin von Frohburg dessen Schwester Frau Caroline von Blümner, vermählt mit dem Kaufmann Herrn Ferdinand Gruner in Leipzig, dessen Tochter die Gemahlin Sr. Excellenz des königlich Sächsischen Cultusministers Herrn von Falkenstein auf Frohburg, Grosszschocher und Windorf ist.

Das grosse, schöne Schloss Frohburg ist zwei, drei und zum Theil sogar vier Geschoss hoch, mit Schiefer gedeckt, steht auf einem Hügel und umschliesst ein eigenes Höfchen. Im Laufe der Zeit mag dasselbe wohl manche Veränderung erfahren haben, und die eingemauerte Jahreszahl 1544 bezieht sich wahrscheinlich auf eine bedeutende Renovation, bei der man vielleicht auch den Schlossthurm abtrug. Der Unterbau rührt jedenfalls noch aus der Zeit her, wo Wieprecht von Groitzsch oft auf der Frohburg residirte. Neben dem Schlosse befinden sich die Wirthschaftsgebäude, die an Länge auf Sächsischen Rittergütern wohl kaum ihres Gleichen haben, denn der Hauptflügel misst gegen dreihundert Ellen und enthält eine Pachterwohnung, welche man ebenfalls ein Schloss nennen könnte. Freilich gehört Frohburg auch zu den stärksten Rittergütern des Landes. Bei dem zu Frohburg gehörigen Rittergute Eschefeld liegt der eine Viertelstunde lange und sechshundert Schritte breite Eschefelder Teich, der treffliche Fische, namentlich Karpfen, enthält, alle zwei Jahre mit 200 Schocken derselben besetzt wird und in der Regel 220 Centner Ertrag liefert. Zum Rittergute gehören ausserdem noch der Ziegel-, Strassen-, Schloss-, Schruten-, Himmelreichs- und hinter dem Vorwerke Röthgen der Röthgen-Teich, ebenso eine Ziegelei, Kalkbrennerei, Brauerei, ein Torflager, bedeutende Waldung, namentlich ein grosser Theil des sogenannten Streitwaldes, und eine Mühle, die Bleimühle genannt, mit drei Gängen, Feld und Fischerei, welche wahrscheinlich früher Eigenthum des deutschen Ordens war und Balleymühle hiess. Südwestlich von der Stadt befindet sich ein interessanter Steinbruch, der einen eigenthümlichen Anblick gewährt, indem man den Boden unterminirt und durch natürliche Pfeiler stützt, welche eine Art von Portikus bilden. Dieser Steinbruch, der jährlich bedeutende Summen einträgt, gehörte früher zu Frohburg, wurde im funfzehnten Jahrhundert wegen einer unbedeutenden Schuld an den Rath zu Borna verpfändet, und nach einem noch vorhandenen Lehnscheine von 1624 verlieh Melchior von Creutzen dieselben „den Ehrengeachteten Bürgermeistern und Rathmannen, auch der ganzen Gemeinde der Stadt Borna“ in aller Förmlichkeit. Die zum Rittergute Frohburg gehörige Oekonomie ist immer für 7000 bis 8000 Thaler verpachtet gewesen. Die Acker enthalten ungefähr 800 Dresdner Scheffel Aussaat; an Wiesewachs gehören dem Gute über 200 Acker, und an Waldung über 500 Acker. Kleineschefeld und Röthgen hatten früher ein eigenes Rittergut, das in neuerer Zeit mit Frohburg vereinigt wurde. Frohburg ist seit dem 1. Juni 1681 altschriftsässig. Zwei Mühlen, die Bornaische und die Wiesenmühle sind städtisch.

Frohburg ist von mannigfachen Schicksalen heimgesucht worden. In dem Kriege zwischen Markgraf Friedrich mit der gebissenen Wange und dem Kaiser Adolf von Nassau wurde die Stadt häufig von den kaiserlichen Kriegsleuten geplagt und das Schloss zweimal erobert. Zur Zeit des Bauernaufstandes (1523–1525) fanden sich hier viele tolle Köpfe, die es mit dem Thomas Münzer und seinem Anhange hielten, weshalb aber nach der Schlacht bei Frankenhausen ein strenges Strafgericht über sie gehalten wurde. Am 17. Juni 1600 brannten 76 der besten Häuser ab. Furchtbar wüthete auch in Frohburg die Geissel des dreissigjährigen Krieges, indem nach der verlorenen Schlacht bei Lützen die Völker Wallensteins auf ihrem Rückzuge die Stadt anzündeten und das Schloss beschädigten, welches Schicksal 1641 durch die Schweden unter General Banner sich wiederholte und 1633 starben hier 1151 Menschen an der Pest. Im Jahre 1634 hatte Churfürst Johann Georg I. auf dem Frohburger Schlosse sein Hauptquartier, wie auch am 3. Mai 1813 der Kaiser Alexander von Russland und am 16. October 1813 der König von Neapel. Eine furchtbare Feuersbrunst zerstörte 1719 fast die ganze Stadt, so dass nur das Schloss und wenige Häuser von den Flammen verschont blieben.

Die Kirche zu Frohburg, über deren Gründung man keine Nachrichten hat, ist in grossartigem, gothischem Style erbaut und hat eine Kapelle für die Gutsherrschaft und eine zweite für das Gerichtspersonal, eine lichte, jedoch etwas feuchte Sakristei und in der Nähe des Altars die Portraits Luthers und Johann Huss, von denen ersteres ein Werk des taubstummen Sohnes des vormaligen hiesigen Ober-Pfarrers Bauer ist, und von dem Künstler der Kirche geschenkt wurde. Vor dem Altare schlummern verschiedene Herren und Edelfrauen des Schlosses, aber Jahrhunderte haben die Inschriften auf den Leichensteinen [99] verwischt, dass man ihre Namen nicht mehr lesen kann. Bei der Vernichtung der Stadt durch die Wallensteiner wurde auch die Kirche ein Raub der Flammen und der eingestürzte Thurm erst im Jahre 1669 wieder aufgebaut. Die bei dem Brande zerschmolzenen Glocken ersetzte man 1644 durch neue und auf der dritten, der kleinen, befindet sich eine Inschrift, welche sagt, dass Gotthold Friedrich Kühn, Zeugfabrikant zu Frohburg, gestorben am 24. Januar 1824 im 74. Jahre, zum Guss dieser Glocke testamentarisch 400 Thaler bestimmt habe. Das Fehlende wurde durch die Commun aufgebracht. Als man diese Glocke am 14. Juli 1826 früh 11 Uhr auf den Thurm zog fiel aus dem zu diesem Zwecke erweiterten Schallloche ein fast sechs Pfund schwerer Stein herab und dem vorübergehenden Privatgelehrten Magister Zimmermann mit solcher Gewalt auf den Kopf dass er besinnungslos niederstürzte. Glücklicherweise wurde der Fall des Steines durch den Hut gemildert, so dass der Verletzte mit dem Schreck und einer längeren ärztlichen Behandlung wegkam. – Das Vermögen der Kirche beträgt gegen 4000 Thaler. Den Gottesdienst verrichten ein Oberpfarrer und ein Diakonus, von denen einer in der Schlosskapelle zu Wolftitz die geistlichen Aemter zu verrichten hat, doch nur dann, wenn der Besitzer dieses Rittergutes daselbst anwesend ist und den Prediger verlangt. Die Vergleiche über diese Verpflichtung sind aus den Jahren 1561, 1717 und 1737. – Die Collatur über Kirche und Schulen steht dem Besitzer des Rittergutes Frohburg zu.

Frohburg hat herrliche Umgebungen und eine reizende Lage. Einer der angenehmsten und besuchtesten nahen Orte ist das zur Herrschaft Frohburg gehörige Jägerhaus, im Streitwalde bei Wolftitz gelegen, welches ein Lieblingsort aller gebildeten Leute in weitem Umkreise ist. In der Nähe dieser Restauration finden sich noch geringe Spuren eines alten Walles, von dem die Sage behauptet, er sei ein Ueberbleibsel einer Burg, die einst dem Ritter Kunz von Kaufungen gehörte. Dass dieser in dem Streitwalde ein Schloss besass ist möglich, auf dieser Stätte kann es aber kaum gestanden haben, denn die ganze Form des Walles verräth, dass er viel älter und somit ohne Zweifel ein Werk der heidnischen Ureinwohner ist. Besonders reizend ist das Thal, welches sich von Wolftitz nach Kohren hinzieht und in mancher Hinsicht an den Plauenschen Grund bei Dresden erinnert.

O. M.