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verwischt, dass man ihre Namen nicht mehr lesen kann. Bei der Vernichtung der Stadt durch die Wallensteiner wurde auch die Kirche ein Raub der Flammen und der eingestürzte Thurm erst im Jahre 1669 wieder aufgebaut. Die bei dem Brande zerschmolzenen Glocken ersetzte man 1644 durch neue und auf der dritten, der kleinen, befindet sich eine Inschrift, welche sagt, dass Gotthold Friedrich Kühn, Zeugfabrikant zu Frohburg, gestorben am 24. Januar 1824 im 74. Jahre, zum Guss dieser Glocke testamentarisch 400 Thaler bestimmt habe. Das Fehlende wurde durch die Commun aufgebracht. Als man diese Glocke am 14. Juli 1826 früh 11 Uhr auf den Thurm zog fiel aus dem zu diesem Zwecke erweiterten Schallloche ein fast sechs Pfund schwerer Stein herab und dem vorübergehenden Privatgelehrten Magister Zimmermann mit solcher Gewalt auf den Kopf dass er besinnungslos niederstürzte. Glücklicherweise wurde der Fall des Steines durch den Hut gemildert, so dass der Verletzte mit dem Schreck und einer längeren ärztlichen Behandlung wegkam. – Das Vermögen der Kirche beträgt gegen 4000 Thaler. Den Gottesdienst verrichten ein Oberpfarrer und ein Diakonus, von denen einer in der Schlosskapelle zu Wolftitz die geistlichen Aemter zu verrichten hat, doch nur dann, wenn der Besitzer dieses Rittergutes daselbst anwesend ist und den Prediger verlangt. Die Vergleiche über diese Verpflichtung sind aus den Jahren 1561, 1717 und 1737. – Die Collatur über Kirche und Schulen steht dem Besitzer des Rittergutes Frohburg zu.

Frohburg hat herrliche Umgebungen und eine reizende Lage. Einer der angenehmsten und besuchtesten nahen Orte ist das zur Herrschaft Frohburg gehörige Jägerhaus, im Streitwalde bei Wolftitz gelegen, welches ein Lieblingsort aller gebildeten Leute in weitem Umkreise ist. In der Nähe dieser Restauration finden sich noch geringe Spuren eines alten Walles, von dem die Sage behauptet, er sei ein Ueberbleibsel einer Burg, die einst dem Ritter Kunz von Kaufungen gehörte. Dass dieser in dem Streitwalde ein Schloss besass ist möglich, auf dieser Stätte kann es aber kaum gestanden haben, denn die ganze Form des Walles verräth, dass er viel älter und somit ohne Zweifel ein Werk der heidnischen Ureinwohner ist. Besonders reizend ist das Thal, welches sich von Wolftitz nach Kohren hinzieht und in mancher Hinsicht an den Plauenschen Grund bei Dresden erinnert.

O. M.     




Lössnig.


Lössnig, in Urkunden auch Lösnigk geschrieben, liegt eine Stunde südlich von Leipzig an der Pleisse und besteht aus einem am 14. December 1702 zur Schriftsässigkeit erhobenen Rittergute, einer Kirche, Schule, herrschaftlicher Mühle und dreissig Häusern mit ziemlich dreihundert Einwohnern, welche, da sie keinen Grundbesitz an Feldern haben, zum Theil Handwerker zum Theil Tagelöhner sind und grossentheils in dem nahen Leipzig lohnende Beschäftigung finden. Die hiesige Schule wird von etwa sechszig Kindern besucht.

Das Rittergut Lössnig gehörte noch im vierzehnten Jahrhundert einer adeligen Familie von Lössnig, doch schon im funfzehnten Jahrhundert finden wir dasselbe im Besitze des alten reichen Geschlechts der Herren von Pflugk, die in Leipzigs Nähe bedeutende Güter innehatten. Heinrich von Pflugk, ein Sohn oder Enkel Damians von Pflugk auf Grosszschocher und Zöbigker, ist der älteste bekannte Besitzer Lössnigs aus der Pflugkschen Familie und von ihm oder wohl richtiger von seinem Sohne Heinrich kam das Gut um 1460 an den Junker Wolf von Blasebalgk der mit Regina von Wiedemann vermählt war. Dessen Sohn, Balthasar von Blasebalgk, verheirathete sich mit Christinen von Goldhahn und starb um 1526, worauf das Gut an seinen Sohn Wolf von Blasebalgk gelangte, der es noch 1582 mit seinem Vetter Balthasar von Blasebalgk gemeinschaftlich besass, wenigstens nennt eine Inschrift an dem von ihnen der Kirche geschenkten Taufsteine Beider Namen. Hans von Blasebalgk, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Lössnig und Wachau, starb 1615 und Paul Christoph von Blasebalgk, vermählt mit Gertrud Müller, 1658. Dessen Sohn, Johann Heinrich von Blasebalgk, war geboren zu Lössnig am 22. April 1626 und übernahm nach dem Tode seiner Mutter, der 1669 erfolgte,

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/156&oldid=- (Version vom 26.6.2018)