Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XXI,2 (1952), Sp. [1952 1646]–[1952 1647]
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Polyidos. Richtige Namensform und Bildung ist Πολύϊδος aus *Πολυ-ϝιδ-ϝος ‚viel wissend, πολλὰ εἰδώς‘ (nach altkor. ΔϝΕνία = Δϝεινία Del.³ 124 wird der altargivische Seher noch Πολύ(ϝ)ιδϝος geheißen haben; gleich gebildet ist Εὔιδος IG V 2, 44, 11 aus Tegea, 2. Jhdt. v. Chr. S. Bechtel Histor. Personennamen 216). -ϝ- wird gefordert durch die gegensätzlichen Messungen hom. Πολυΐδου ◡◡—— μάντιος υἱός Hom. Il. XIII 663 (an sich nicht beweisend die am Versende stehenden Πολύϊδον ◡◡—◡ Hom. Il. V 148, wo der Venetus Marcianus 454 die Langmessung durch die Schreibung -ῖδον bezeichnet, und Nom. Πολύϊδος ◡◡—◡ Hom. Il. XIII 666) und att. Πολυΐδου ◡◡◡— τοῦ μάντεως und Πολυΐδῳ ◡◡◡— τῷ Κοιράνου Soph. frg. 390f. Pearson; erkannt von Wackernagel KZ XXV (1881) 261. XXVII (1885) 274f., angenommen von W. Schulze Quaest. ep. 118f. (mit weiteren Zeugnissen) und Kl. Schr. 334; Leaf zu Il. XIII 663; Pearson Soph. frg. 390 (wo mehr); vgl. zu -ΐδ- : -ῐδ- ion. οὐδός dor. ὠδός : att. ὀδός ‚Schwelle‘. Nichts ist über die Quantität des ι zu entnehmen den inschriftlichen prosaischen Zeugnissen für den Namen Πολυιδος επριατο Syll.³ 46, 46. 60 (Halikarnass, 5. Jhdt.), Αμυθαουν Πολυιδειος (patron.) unter den ins Bürgerrecht von Larisa aufgenommenen Γυρτούνιοι IG XI 2, 517, 84 (bald nach 214 v. Chr.); der Dichter Π[ολ]υιδος Σηλυμβριανος Marmor Parium A 68 (Jacoby FGrH II 1001), der auch auf kretischen Steinen des 2. Jhdts. v. Chr. Πολυιδω und -δου heißt (Halbherr-Guarducci I, Abt. VIII 11 und XIV), heißt auch in literarischer Überlieferung Πολύιδος (Athen. VIII 352 b. Etym. M. 164, 20 s. v. Ἄτλας. Tzetzes Schol. Lyk. 879 zweimal). – Die teilweise stark bezeugten Varianten mit -υειδ- an den Iliasstellen (auch Etym. M. 681, 22, bei Eustath. neben -ιδ-), bei Paus. I 43, 5. Etym. M. 373, 20. Suidas s. v. ἀνάριστος. Schol. Hom. Il. XXIV 804 (falls nicht korrupt), die Formen Πολύειδος Aristot. poet. 1455 b 11, -είδου 1455 a 6, Πολύειδος Diod. XIV 46, Πολυείδου ποιήματα Ps.-Plut. de mus. 21 (wofür πολυειδῆ π. Buvette) für den obengenannten Dichter enthalten in ihrem ει lediglich die bekannte hellenistische Bezeichnung des langen ΐ; υει stellt die Aussprache y–ī (statt yi) deutlich dar wie αει, οει die Aussprache a–ī, o–ī statt ai, oi oder ä, ü (vgl. W. Schulze GGA 1897, 896, weiteres Schwyzer Griech. Gramm. I 196, 3, z. B. υειοι). – Die Ansetzung von zwei Lemmata (Polyeidos und Polyidos) bei Pape und bei Roscher ist verfehlt. – Die Schreibung Πολυειδ- hat im Verein mit gedankenloser Beziehung des Namens auf εἶδος (bei Bechtel Hist. Personennamen 149 Ἀσι-, Ὑπερ-, Χαιρι-είδης) einige Male in der Überlieferung zu der [1647] Mißform Πολυείδης geführt (so Il. XIII 666 im cod. Stuttgardiensis, für den oben genannten Dichter Πολυείδους als Var. zu -δου Aristot. poet. 1455 a 6, -είδης bei Phot. bibl. 167).

[E. Schwyzer (unter Verwertung der Materialien von W. Riemschneider).]