Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 2091–2092
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5) Δαναίς ist nach Harpokration s. αὐτόχθονες und Clem. Alex. Strom. IV 224 p. 618 P. der Titel eines alten Epos, das auf der borghiaschen Tafel (Jahn-Michaelis Ant. Bilderchroniken K 2) wohl richtiger Δαναίδες (neben Oidipodeia und Thebais) genannt wird. Es hat nach der aus besten Quellen stammenden Angabe auf derselben Tafel 6500 Verse gehabt, also etwa die Hälfte des Umfanges der Ilias. Unsere Kenntnis dieses Epos beruht allein auf den genannten drei Angaben. Clemens Alex. führt zwei Verse an, nach denen sich die Töchter des Danaos am Ufer des Nils eiligst rüsteten (ὡπλίζοντο). Sie bestätigen also den aus dem Titel zu ziehenden Schluss, dass die Sage von den Danaiden, ihrer Flucht vor den Söhnen des Aigyptos nach Argos und ihre dortigen Schicksale behandelt waren. Die Notiz des Harpokration aus den D., Erichthonios und Hephaistos seien aus der Erde aufgetaucht, ist kaum verständlich und für uns mit dem Thema nicht vereinbar. Den Inhalt des Epos genauer festzustellen, ist nicht so einfach, wie Ed. Meyer Forsch. z. alten Gesch. I 77ff. meint. W. Schwarz Jahrb. f. Philol. CXLVII 1893, 95ff. hat mit Recht aus den stark abweichenden Katalogen der Danaiden und ihrer Freier bei Apollodor II 16 W. und Hygin. fab. 170 auf zwei Fassungen geschlossen, von denen er jene für die ältere, local argivische hält. Die Sage liegt offenbar stark umgestaltet vor, da der Charakter der Danaiden als argivischer [2092] Quellnymphen, den einige, wie Ἀμυμώνη, Πειρήνη, Φυσάδεια (nur bei Callim. lav. Pall. 47), Ἀστερία im Namen tragen (vgl. C. O. Müller Proleg. zu einer wissensch. Mythologie 185), fast ganz verwischt ist und Ägypten – auch Rhodos – eine Rolle spielt. Dadurch wird aber für die Sage späte Zeit nicht unbedingt bewiesen, da die Beziehungen von Argos zu Rhodos und Ägypten im 15. Jhdt. v. Chr. lebhafte waren. Wenn diese auch während der dorischen Wanderung abrissen und in homerischer Zeit die Kenntnis Ägyptens sehr gering war, so genügte die Erinnerung doch für die Sage und ihre epische Behandlung. Ich kann deshalb C. O. Müllers a. a. O. auch von Ed. Meyer aufgenommene Datierung auf das 7. Jhdt. als die Zeit der Erschliessung Ägyptens nicht für sicher halten. Jedoch ist das Epos wohl in der That jung, wie schon die Erwähnung des attischen Erichthonios zeigt. Die sehr nahe liegende, bereits von Welcker Epischer Cyklus I² 305 geäusserte Vermutung, Aischylos habe die Δαναίδες in seinen Schutzflehenden benützt, hat Ed. Meyer a. a. Ο. 67–68 näher zu begründen versucht, jedoch ohne Wahrscheinlichkeit. E. Maass ist in seinem Programm De Aeschyli Supplicibus commentatio (Greifswald 1890/1) 29 zu dem entgegengesetzten Resultat gekommen, Aischylos habe hauptsächlich Hesiods Kataloge benützt. Zwei Fragmente bei Welcker Ep. Cykl. II² 560. Kinkel Ep. gr. p. 78.