RE:Cornelius 224

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 13861387
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224) L. Cornelius Lentulus Lupus, Cn. f. L. n. [1387] (Fasti Cap.), also Sohn von Nr. 176, war 591 = 163 curulischer Aedil (Terent. Heautontim. tit.; vgl. Lucil. sat. I 17 Lachm.) und im folgenden Jahre Mitglied einer Gesandtschaft von drei Männern in Griechenland (Polyb. XXXI 23, 9f.). Etwa 594 = 160 war er Praetor urbanus und gab den Tiburtinern Gelegenheit, sich vor dem Senat gegen gewisse Beschuldigungen zu verteidigen; den Text seiner Antwort an die Gesandten von Tibur giebt eine dort gefundene, jetzt verschollene Bronzetafel (SC. de Tiburtibus CIL I 201 = XIV 3584 = Dessau 19). 598 = 156 bekleidete er das Consulat (Fasti Cap. Cic. Brut. 79. Chronogr. Idat. Chron. Pasch. Obseq. 16. Cassiod.). Kurz darauf wurde er wegen Erpressungen angeklagt und verurteilt (Val. Max. V 9, 10. Fest. p. 285; nach Willems Le sénat de la rép. rom. II 277 im J. 600 = 154); trotzdem gelangte er 607 = 147 zur Censur (Fasti Cap. Val. Max. Pest.) und wurde 623 = 131 Princeps senatus (Acro zu Hor. sat. II 1, 68; vgl. Marx Studia Luciliana [Bonn 1882] 59f.). Er scheint 628 = 126 gestorben zu sein (vgl. Marx a. O. 61), denn damals dichtete Lucilius das erste Buch seiner Satiren, worin er die Versammlung der Götter über den Untergang des Lupus ratschlagen liess und diesen als Schwelger und Prasser, Meineidigen und schlechten Richter mit dem schärfsten Spott verfolgte, wie auch noch in seinen späteren Büchern (vgl. besonders Serv. Aen. X 104 über den Inhalt des ersten Buches und die Reconstruction von Marx a. O. 54–67. Cic. nat. deor. I 63. Hor. sat. II 1, 68. Pers. sat. I 116 u. a.). Ausser diesem litterarischen Porträt des Lupus ist uns vielleicht auch sein künstlerisches erhalten in einer Marmorbüste, die in Tibur zusammen mit jener Inschrift aufgefunden wurde und jetzt in England ist (vgl. Bernoulli Rom. Ikonogr. I 70. 290. Michaelis Ancient Marbles 318, 53). Cic. Brut. 79 erwähnt ihn als Redner und Tusc. III 51 als Gegner Catos in der karthagischen Frage. Vielleicht ist auch die bei Nr. 214 angeführte Rede Catos in Lentulum hierher zu ziehen, doch ist das wenig wahrscheinlich.