Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Wind in Gallia Narbonensis
Band III,2 (1899) S. 25692570
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2) Ein besonderer Wind des narbonensischen Galliens von grosser Heftigkeit, der aber gesundes Wetter bringt; in Vienna war er unbekannt, dagegen machte er sich südwärts bis nach Ostia bemerkbar (Sen. nat. quaest. V 17, 5. Plin. n. h. II 121. Suet. Claud. 17; derselbe bei Isidor. de nat. rer. p. 232 Reiff. Gell. n. a. II 22). Daneben kommt aber der C. auch in der Windrose vor (als Nordwest und Nordnordwest), und zwar bereits bei Timosthenes, der ihn dem θρασκίας gleichstellt (bei Agathem. II 473 Müller), somit ist die Bezeichnung wohl griechischen Ursprungs und hängt zusammen mit κίρκος (Gellius: circium appellant a turbine, opinor, eius ac vertigine; vgl. auch Sueton bei Isidor a. a. O. 228 und Veget. IV 37 circius = θρασκίας). Der ältere Cato, der als die richtigere Form cercius betrachtet, schilderte in den Origines seine ungestüme Kraft mit den Worten cum loquare, buccam implet, armatum hominem, plaustrum oneratum percellit. Vielleicht ist deshalb auf ihn auch zu beziehen, was Strabon IV 182 (nach Posidonius) über die Heftigkeit eines μελαμβόρειον πνεῦμα im Rhonethale berichtet (vgl. Diod. V 26), vermutlich auch der Name δερκίας (κερκίας? [2570] Kaibel Herm. XX 606) bei Theophrast (= ἀγρεστής bei den Siciliern, Wimmer Fragm. V 62) und κιρκίας bei Ps.-Aristoteles (in Italien und Sicilien = θρακίας, II 973 ed. Berol.). Die Römer zogen es nämlich vor, bei der Übertragung der griechischen Windrose für den Wind aus Nordwest oder Nordnordwest an Stelle der griechischen Bezeichnung θρακίας den allen Schiffern des tyrrhenischen Meeres geläufigen Namen circius (κίρκιος) einzusetzen, der ursprünglich einen besonderen Wind des südlichen Galliens bezeichnete (Kaibel a. a. O. 622).