Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 2336
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Anser ist das wie öfters heiligen Vögeln entlehnte Cognomen eines Dichters aus der Zeit des Untergangs der Republik, dessen übrige Namen unbekannt sind; nach dem unzweideutigen Zeugnis des Ovid trist. II 435 Cinnaque procacior Anser war derselbe Verfasser erotischer Gedichte. Die alten Erklärer des Vergil waren der Ansicht, dass eclog. IX 35 nam neque adhuc Vario videor nec dicere Cinna digna sed argutos inter strepere anser olores eine Anspielung beabsichtigt sei auf jenen von Ovid erwähnten A., einen schlechten Poeten im Dienst des Antonius, qui eius laudes scribebat: quem ob hoc per transitum carpsit. De hoc etiam Cicero in Philippicis (XIII 11): de Falerno Anseres depellantur (Serv. a. O.); Serv. eclog. VII 21 nennt demgemäss A. unter den obtrectatores Vergilii. Diese Nachrichten des Servius, ausgeschrieben GL VII 543, 21, in einem vaticanischen Glossar des 15. Jhdts. (Th. Mommsen Herm. VIII 70. 73) und sonst, beruhen gewiss auf alter, guter Überlieferung, dass jedoch Vergil in jenen dem Theokrit VII 40. 41 nachgebildeten Versen eine Anspielung auf den Dichter A. beabsichtigt habe, ist mehr wie zweifelhaft. Die auf die besprochene Stelle in den Eclogen bezüglichen Verse des Properz III 34, 84 sind dunkel und strittig: die letzte Erklärung bei M. Rothstein Herm. XXIV 10. R. Unger De Ansere poeta, Friedland 1858. E. Heydenreich Comment. semin. phil. Lips. 1874, 14.