RE:Ἐξεγηταί

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Öffentlicher Ausleger des göttlichen Rechts
Band VI,2 (1909) S. 15831584
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Ἐξεγηταί. Unter E. versteht man öffentlich bestellte Ausleger des göttlichen Rechts, also Sakralbeamte. Suidas s. v. (vgl. Timaios Lex. und Harpokration) unterscheidet folgende drei Arτen: Ἐ. τρεῖς γίνονται· Πυθόχρηστοι οἷς μέλει καθαίρειν τοὺς ἄγει τινὶ ἐνισχεθέντας, καὶ οἱ ἐξηγούμενοι τὰ πάτρια· ἐξηγητὴς ἰδίως ὁ ἐξηγούμενος τὰ ἱερά· ἔστι δὲ ἃ πρὸς τοὺς κατοιχομένους νομιζόμενα ἐξηγοῦνται τοῖς δεομένοις. Die richtige Erklärung dieser Stelle hat Toepffer Attische Genealogie 69, 3 gegeben, indem er zu πάτρια sc. τὰ Εὐπατριδῶν καὶ Ἐυμολπιδῶν setzt, so daß danach für Athen die ἐ. Πυθόχρηστοι, die ἐ. τῶν Εὐπατριδῶν und die ἐ. Ἐυμολπιδῶν zu unterscheiden sind. Aus dem über das Buch Ἐξηγητικόν des Atthidographen Kleidemos überlieferten geht hervor, daß sich dasselbe mit ἐναγισμοί beschäftigte (Kleitodemos frg. 20, FHGI 363. Toepffer a. a. O. 177).

1. Πυθόχρηστος ἐξεηγητής IG III 24q (Theatersessel). 684. Ἐφημ. ἀρχ. 1883, 144 nr. 17. 1899, 210, 40. Daß die Amtsdauer der Πυθόχρηστοι ἐ. lebenslänglich war, geht aus Platon Gesetze Vl 759 D hervor: τὴν δὲ δοκιμασίαν αὐτῶν καὶ τοῦ χρόνου τὴν ἡλικίαν εἶναι καθάπερ ἱερέων. οὗτοι δὲ ἕστων ἐξηγηταὶ διὰ βίου. Vgl. R. Schoell Hermes XXII 1887, 563. Toepffer a. a. O. 69, 1.

2. Ἐξηγητὴς ἐξ Εὐπατριδῶν χειροτονητὸς ὑπὸ τοῦ δήμου διὰ βίου IG III 267. 1335. Daß die Eupatriden ein städtisches Adelsgeschlecht in Athen waren, hat Toepffer Hermes XXII 1887, 479ff. (= Beiträge zur griech. Altertumswissenschaft 113ff.) bewiesen. Ihnen fiel nach Dorotheos πάτρια τῶν Εὐπατριδῶν bei Athen. IX 410 das Amt der Exegese περὶ τῆς τῶν ἱκετῶν καθάρσεως zu, das sie mythisch wahrscheinlich an den pythischen Apollon anknüpften (vgl. Orestes Bitte bei Aischyl. Eumeniden 599). Toepffer Attische Genealogie 177 (gegen R. Schoell Herm. XXII 1887, 565). Wie vornehm die Würde des ἐ. ἐξ Εὐπατριδῶν war, lehrt auch sein Ehrensessel im Dionysostheater (IG III 267) und seine Speisung im Prytaneion (R. Schoell Hermes VI 186, 36). Αἴλιος Θεόφιλος ἐ. ἐξ Εὐπατριδῶν IG III 1335 (vgl. Toepffer Attische Genealogie 180). [1584]

3. Ἐξηγητὴς ἐξ Εὐμολπιδῶν Ps.-Plutarch X or. 834 B. [Lysias] VI 10. IG II 834 b Z. 39. III 720 (Toepffer Attische Genealogie 69ff. Foucart Mémoires de l’académie des inscriptions et belles lettres XXXVII 1900, 82ff.). Auch hier handelt es sich um die Auslegung des heiligen Familienrechts der πάτρια Εὐμολπιδῶν (vgl. Cic. ad Att. I 9). Dies Recht beruhte zunächst nur auf mündlicher Tradition (ἄγραφα [νόμοι] καθ’ οὓς Εὐμολπίδαι ἐξηγοῦνται [Lysias] VI 10), wurde dann aber später natürlich auch schriftlich fixiert (Cic. a. a. O.). Zur Exegese gehörte auch die Anordnung bestimmter Opferregeln (IG I Suppl. p. 59 nr. 27 b und Ἐφημ. ἀρχ. 1887, 111. Toepffer a. a. O. 71, 1), deren Heilighaltung dem Geschlecht der Eupatriden anvertraut war. Daß die Keryken je das Amt dieser den Eumolpiden reservierten Exegese ausgeübt haben, ist nicht wahrscheinlich (s. Toepffer a. a. O. gegen Dittenberger Hermes XX 1885, 13).

Eine Aufzählung der bisher bekannten ἐξηγηταὶ Εὐμολπιδῶν bei Toepffer Att. Geneal. 72ff. Die zuerst von Nowossadski (Toepffer a. a. O. 71), dann wieder von Foucart a. a. O. 83 behauptete Unterscheidung von Εὐμολπιδῶν und ἐ. ἐξ Εὐμολπιδῶν ist willkürlich. Ein ἐ. μυστηρίων wird nur zweimal erwähnt Ἐφημ. ἀρχ. 1885, 152 (Herodes Atticus) und Bull. hell. VI 188, 436 in der Inschrift des Ti. Klaudios Demostratos aus Melite. Dieses Amt der Auslegung der eleusinischen δρώμενα scheint erst in der Kaiserzeit aufzukommen und ein Vorrecht der Keryken zu sein (Toepffer Att. Geneal. 72).

[Kern.]