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Titel: Poesie
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aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 308
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Poesie.




[308] Poesie. (Zu unserer Kunstbeilage.) Unzählige Menschenherzen suchen und finden immer aufs neue im verschwiegenen Dunkel des Waldes den tröstlichen Zuspruch der Poesie, die mit milder Stimme alles Herzeleid sänftigt, allen Zwiespalt der Seele auflöst und in Einklang bringt mit dem Frieden der hier waltenden freien Natur, Auch als Muse des Waldes, Epheugerank im Haar, zeigt unser Bild die Poesie verkörpert, aber nicht in ihrer Eigenschaft als zutrauliche Trösterin der Menschen, sondern mit dem ernsten Ausdruck der Seherin und Prophetin. Ergriffen lauscht sie den Stimmen der Natur, deren Geheimnisse sie so tröstlich den Menschen entschleiert. Und in der Hand hält sie das Zeichen der Musen, den Lorbeer, eingedenk ihres klassischen Ursprungs und des hellenischen Gottes, der sie einst auf den Höhen des Helikon die hohe Kunst lehrte, die Stimmungen der Seele zu verklären im sanfttönenden Lied.