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Pariser Bilder und Geschichten/Die unbekannten Gewerbe (3)

Textdaten
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Titel: Die unbekannten Gewerbe (3)
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 362-363
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Pariser Bilder und Geschichten.
Die unbekannten Gewerbe.
Der Vogelprofessor. – Katzenkoch. – Die Schälerin. – Noch ein Wort über den Hirten zwischen vier Zimmerwänden. – Der Knochenfabrikant. – Der Enterer. – Der Unternehmer von Gesetzbüchern.

Kennt Ihr Herrn Beaufils? Ein interessanter Mann. Herr Beaufils ist ein fast schon gebrechlicher Alter, der nur selten spricht, aber dafür ohne Unterlaß pfeift. Seine Fabrik besteht in einem ungeheuren Vogelkäfige; überall sieht man bei ihm nichts als Nachtigallen, Canarien und Hänflinge. Alle Mauern sind mit Käfigen behängt; auf allen Möbeln stehen sie, an der Decke hängen welche, die Fenster sind damit ausgestopft. Die Ohren summen Einem von diesem Gezwitscher.

Mitten im Zimmer steht ein Thronhimmel, unter den sich der Herr Professor stellt, um seinen musikalischen Curs zu halten. Sein kleines Orgelkästchen auf den Knien, mit der ernstesten Miene von der Welt trägt er dann seine Romanzen und Opernarien auf: „Die Wolke sinkt, mein Schäferkind!“ oder „Ein Ritter der muß tapfer sein,“ oder „Es warum halber halber Neune“ u. s. w.

Ein gewöhnlicher Canarie kostet 30 Sous, ein holländischer oft 3 Franks. Wenn er aber aus den Händen des alten Beaufils kommt, der seine Erziehung vollendet hat, steigt bei Liebhabern der Preis oft auf’s Vierfache.

Herr Beaufils nimmt Zöglinge in Kost und leitet die Erziehung auch außer Haus. Zu diesem Zwecke leiht er vollkommen dressirte Canarien aus, die man dann mit einem Neulinge zusammen einsperrt, den man erziehen will. So kann ein Canarie sechs bis acht Wochen seinen Conservationscurs durchmachen. Er singt dann ganz erträglich zwei bis drei Arien und ist erster Tenor oder Soprano in seiner Art. Um auf diese Weise seine Roger und Frezzolini zu bilden, läßt sich Herr Beaufils 5 Franks für eine vollständige Erziehung zahlen, oder 10 Sous die Woche für’s Ausleihen seines kleinen Professors.

Die Singschule Herrn Beaufils liegt in einer Gasse nahe beim Temple; dieses Quartier hat er gewählt, weil die Weiber des Temple-Marktes und alle ihre Arbeiterinnen ganz närrisch auf dieses Geflügel sind, seit Eugen Sue mit seiner Rigolette die Canarien in die Mode gebracht hat.

Uebrigens sollte man kaum glauben, wie sehr die Pariser alle Arten von Thieren hätscheln, die Pferde ausgenommen. Viele Leute legen sich alle Arten von Entbehrungen auf, um einen Hund, eine Katze, eine Elster oder einen Papagei aufzuziehen etc. . . . darauf beruhen nun gewisse Gewerbe. Ich kenne eine ganze Familie, wo alle Glieder sich damit beschäftigen, Thiere aufzufangen und ihrem Herrn heimzuführen. Denn täglich versprechen die Anschlagzettel 25, 50, 100 Franks selbst für einen verlaufenen Mops u. s. w., während so viele Männer und Weiber sich in unserm socialen Leben verlieren, ohne daß Jemand einen Franks dafür anbietet. Die Nahrung der Katzen allein ist in den volkreichen Quartieren ein ganzer kleiner Industriezweig.

Davon lebt unter Anderem Bernier und seine ganze Familie; er macht im eigentlichen Sinne des Wortes Katzenrindfleisch. Der Mann ist ein Kind der Auvergne; früher Kohlenhändler, hat ihn ein Zufall aus dieser Stellung in diejenige geschleudert, in der er sich jetzt befindet.

Er wohnt in einem guten Arbeiterviertel; in jedem Hause gab es Hunde und Katzen; es fiel im ein Rindfleisch für die Einen, Pasteten für die Andern zu fabriziren, und fügte zu dieser Profession noch die eines kleinen Handels mit Kalbsköpfen hinzu. Bald stand sein Ruf in diesem Quartier auf soliden Füßen; die Kunden kamen in Masse in seine Boutique. Heutzutage würde man glauben, seinen Hund oder eine Katze schlecht zu traktiren, wenn man nicht sein Essen von Bernier kommen ließe; wenigstens im Quartier des Temple gilt das als Grundsatz. Bernier ist dort das Faktotum. Von Bernier versorgen sich manches Haus entfernter Quartiere, und manche Angorakatze einer Gräfin tafelt die Pasteten Bernier’s, die ein livrirter Bedienter eigens geholt hat. Die Boutique Bernier’s trägt die bescheidene Aufschrift: „Zur alten und wahren Viehkost.“

Jetzt werde ich Sie in die erheiternden Künste einführen, in den Artikel Phantasie, in das utile duci, wie die Lateiner sagten. Kommen Sie zu Madame Vanard; sie war im Stande, diese schwierigen Dinge in einer einzigen Profession zu vereinigen.

Da sollte ich Ihnen eigentlich eine ganze rührende Geschichte von einer jungen Wittwe von achtzehn Jahren erzählen. Ihr Mann, der seiner liebenswürdigen Frau den nöthigen Wohlstand und einigen Luxus verschaffen wollte, hat sich zu Tode gearbeitet.Er hatte eine eine kleine Destillation errichtet, wo er für die Parfümeurs und Confiseurs arbeitete. Während der wenigen Tage des glücklichen Zusammenlebens der beiden jungen Gatten hatte die junge Frau vor lauter Zusehen endlich einige sogenannte chemische Geheimnisse gelernt; sie hatte es dahin gebracht, daß sie ihren Mann bei seinen Flaschen und Tiegeln ersetzen konnte, wenn er abwesend war. Trotz ihrer Untröstlichkeit wollte sie daher auch seinen Handel fortsetzen. Sie erinnerte sich, daß ihr Mann ihr oft bei Gelegenheit eines kleinen Diners im Restaurant, das er sich manchmal gönnte, beim Anblick der Citrone gesagt hatte: „Ein gescheidter Mann könnte in Paris sein Glück machen, rein nur mit solchen Schalen, die man wegwirft.“

Madame Vanard war gescheidt; sie nahm einen Korb unter den Arm und durchzog die Montorgueil-Gasse, dieses Land der Austern. Wenn die Lumpensammler die Kehrichthaufen nach allen Seiten umgekehrt hatten, um ihre Beute herauszuziehen, begann sie ihre Arbeit. Nachdem die Kellner der Restaurants mehrere Male bemerkt hatten, daß eine junge Frau mit so großer Aufmerksamkeit dort suchte, wo so viele andere Leute vorüber gegangen waren, versprachen sie ihr, in Zukunft die Schalen der Citronen und Pomeranzen bei Seite zu legen. Dasselbe thaten die Auskehrer der Theater.

Kurz, Madame Vanard brachte ihre kleine Werkstatt zusammen und nahm Aufklauber und Aufklauberinnen in Sold. Diese Werkstatt habe ich gesehen. Stellen Sie sich ein großes Zimmer vor, das von unten bis oben mit geflochtenen Hängematten bekleidet ist, und auf diesen Flechtwerken Millionen von Stückchen von Pomeranzen- und Citronen-Schalen. Mitten in diesem Zimmer sitzen um den Tisch zwanzig Mädchen, die unter Geplauder, Gelächter und Gesängen die Schalen ausläufeln. Dann giebt man sie in Säcke, in Kistchen und in große Kisten. So heißt die Schale nun Rinde. Von hier wird diese Rinde dann nach dem Auslande, in gewisse Fabriken von Paris geschickt und in die Provinz, wo nur holländischer Curaçao, Citronensyrup, Orangeade, Citronade, Limonade, Citronenessenz u. dergl. fabrizirt wird. Das ist nun die Industrie, womit eine liebenswürdige Creatur Glück gemacht hat, so daß sie nun ihrem Hange nachgehen und Kunst und Literatur pflegen kann, wöchentlich einmal eine Loge in der Comédie française und in der großen und italienischen Oper halten kann.

Es giebt noch eine andere Wittwe, die freilich nicht so jung und nicht so hübsch, nicht so gescheidt und am Allerwenigsten so elegant ist als Madame Vanard, aber doch Gelegenheit gefunden hat, sich ein anständiges Vermögen zu schaffen und zwar mit nichts Geringerem als mit dickem Kehricht. Die Wittwe Thibaudeau ist „Pächterin der Stiegenkehrung“ und zahlt mithin Arbeiter um die [363] Stiegen fremder Leute zu kehren. Madame Thibaudeau ist mit keinem angebornen Geschmack für Kehrbesen zur Welt gekommen. Man sagt zwar, daß Dichter ihre Vorliehe für Verse mit auf die Welt bringen, und Garköche einen gewissen Instinkt für Küchenherde; bei der alten Thibaudeau aber war es reine Berechnung, die sie bestimmte, sich zu ihrem Handwerke zu entschließen.

Früher war sie bescheidener Weise Hausmeisterin. Sie zog die Hausschnur in einem Hause, das in Paris in einer Gasse beim Temple liegt. Das ganze Haus hatten zwei Fabrikanten, zwei Juweliere inne. Nun hatte die Frau, in einem strengen Winter, den Einfall, ihren Ofen mit dem Kehricht zu heizen, den ihr Besen aufgetrieben hatte. Diese Idee war doppelt vortheilhaft. Sie bemerkte, daß das, was sie bisher als einen elenden Auswurf betrachtet hatte, vermischt mit Torf und Steinkohle ein ganz gutes Brennmaterial abgab. Dann als die schöne Jahreszeit kam, bemerkte sie ferner, daß beim Ausreiben ihres eisernen Küchenzeuges mitten zwischen dem davonfliegenden Staube etwas Hartes Widerstand leistete, das zuweilen gelb aufblitzte. Sie ließ diesen Ansatz examiniren, es war Gold. Madame Thibaudeau hatte den Stein der Weisen entdeckt, die Wissenschaft eines Nicolaus Flavel, eines Baracelsus und Balzaro enthüllt.

Nun pachtete sie das Auskehren der Häuser, wo Goldarbeiter wohnen, mit solchem Erfolge, daß sie ein kleines Vermögen zusammenscharrte; mit demselben unternahm sie dann gleichzeitig ein zweites Geschäft. Sie kaufte in der Nähe von Paris mehrere große Grundstücke, ließ gewisse Schweizerhäuschen daselbst aufbauen, nach denen die kleinen Bürger von Paris lüstern sind, die nun mitten in unserer flachen Umgebung jeden Sonntag singen können: „Hier will ich bleiben und in die Berge blicken.“

In einem andern Artikel habe ich Ihnen das Gewerbe eines Herrn Simon beschrieben, der die eigenthümliche ländliche Leidenschaft hat, seine Heerden nach Paris zwischen den vier Wänden seines Dachstübchens auf die Weide zu treiben, das er in einem fünften Stockwerke eines Hauses in der Vorstadt St. Denis gemietet hat. Herr Simon hat sich seitdem über unsere Benennung „Schäfer im Zimmer“ beklagt und behauptet, er sei nur Tracteur! Meinetwegen! Ich benutze diese Berichtigung, um einige nähere Umstände zu denen hinzuzufügen, die wir schon bekannt gemacht haben.

Herr Simon geht als Bauer gekleidet; er trägt Holzschuhe und eine graue Blouse, und sieht also einem Hans Strumpf ähnlich. In seiner ganzen Schäferei habe ich keinen Schäferstab bemerkt, aber dafür ist seine Sprache ebenso blumenreich als im Waldgrund; Rosen und Honig fließen über seine Lippen mitten zwischen allerhand nicht minder parfümirten Vergleichungen. Für ihn sind die Idyllen der Tityrus und der Celadon ganz anständige historische Personen.

Als wir 90 Stufen gestiegen waren und in seinen Stall eintraten, standen wir vor Erstaunen stumm da; ich meinte in eine jener schönen Meiereien vom schottischen Hochland gerathen zu sein. Alles war so sauber und zierlich geordnet, wie in einer Liebhaberbibliothek; daß ich in einem Stalle war, konnte mir nicht einfallen.

Dieser Stall nun unseres Herrn Simon besteht aus zwei langen Räumen, die er in Viehstände eingetheilt hat, in Boxes, wie die Gentlemen sagen. In jeder solchen Abtheilung steht eine Ziege; im Ganzen zählte ich ihrer 52. Oberhalb des Kopfes des Thieres, wo gewöhnlich die Raufen für das Heu der Pferde sind, hat Simon eine Art Schrank angebracht; dieser ist aus weißem Holze, fein gewichst und gefirnißt und enthält das Futter der zarten Bestien. Die Inschriften in großen Buchstaben enthalten z. B. die Anzeigen: „Melie Morvangulotte. - Rübenfütterung für Frau von M..., die an der Leber leidet. - „Marie Noël, hier im Stalle geworfen im Jahre 1851. Aeltern: Johanna und Marius. - Jodheufütterung für den Sohn des Herrn O..., der an Blutarmuth leidet.“ - Und dann folgen die „besonderen Beobachtungen.“ Ich will Ihnen nicht all’ die Krankheiten aufzählen, die Simon mit Ziegenmilch kurirt, noch auch die wissenschaftlichen Benennungen wiederholen, mit denen er die Arzneien verhüllt, die er seinen Ziegen zu fressen giebt, die ihm als lebendige Apotheken dienen. Ich bin weder Arzt noch Chemiker, und kann daher über sein Verfahren, über seine Heilmethode nicht viel Entscheidendes sagen. Kurios ist diese ganze Heilanstalt und Schäferei jedenfalls.

Und jetzt will ich Sie mit Herrn Oscar Mithat Bekanntschaft machen lassen, der Schinkenknochen liefert. Er hat eine Handlung daraus gemacht und verfährt darin als gemachter Kenner, als Großhändler. Ich könnte Ihnen nun eine ganze statistische Abhandlung schreiben, um Ihnen zu sagen, daß man in Paris wenigstens zwei Drittel mehr Schinken ißt, als Schweine geschlachtet werden. Wenn man daher einen Schinken gegessen hatte, so ließ man die Knochen desselben für den Lehrjungen liegen oder für irgend Jemanden. Dieser trug den Knochen zum Fleischselcher und bekam dafür 2 Sous. Und nun tritt der Knochen seine neue Reise an und kommt wieder in den Handel. Daher suchte man den Schinkenknochen zu fabriziren, da der Fleischselcher den Schinken fabrizirt. Ein Schinken ist also in Paris ein bloßes Kunstwerk der Fleischselcherei, der Anatomie, das ein jeder dieser Professionisten auszuführen im Stande sein muß. Mancher solcher Knochen circulirt also mehrere Jahre, jeden Morgen wurden sie geschmückt und geziert aus dem Laden getragen und kehrten Abends wieder nackt und geschunden heim.

Die schönen Tage aber für Lehrjungen und Laufburschen sind vorbei. Oscar Mithat liefert für 10 Sous das Dutzend solcher Schinkenknochen und ist im Stande, eine beliebig große Anzahl für den ganzen pariser Verbrauch zu liefern.

Und hiermit habe ich die Ehre, Ihnen den berühmten Eduard, den Entenfabrikanten, den Straßenschreier par excellence vorzuführen. Jedermann kennt Monsieur Eduard; ganz Paris hat bei den Zugängen der Theater einen Mann mit herkulischem Knochenbaue bewundert, seine Stentorstimme, sein anmuthiges Lächeln, wie er sechs Stunden lang heult:„Sehen Sie, meine Herren, was soeben erscheint“ und Ihnen dabei eine Scharteke verkauft, die seit zwei Jahren „vergriffen“ ist. Freilich kann nicht Jeder, der will, sich zum Entenfabrikanten aufwerfen. Man muß sein Publikum herbeilocken können. Monsieur Eduard nun hat keinen Concurrenten. Er verkauft seine kleinen Bücher, unter anderen ein kurioses Gesetzbuch, den „Codex der Portiere.“ Und nun hören Sie, wie sich Monsieur Eduard dabei benimmt: „Meine Herren, der Codex der Portiere, oder die Ruhe der Mieter! Das müssen Sie ansehen, meine Herren, das müssen Sie kennen. Wenn sie einen schlechten Portier haben, schicken Sie ihn mir. Ich decke das Unrecht auf, ich bin der Cabrion der Pipelets, der Schrecken der Thürsteherseelen. Alle Schnüre der pariser Thür-Sultane sind mir schon überschickt worden, um mich damit aufzuhängen. Ich habe mit Verachtung darauf geblickt, denn ich will durchaus meinen Mitbürgern einen Dienst erweisen. Da sehen Sie also her, lesen Sie mir das, ich kann Ihnen damit die Haare zu Berge treiben. Kaufen Sie meinen Codex der Portiere, schon wenn Sie ihn in der Tasche tragen, muß Ihrem Portier die Gänsehaut packen, beim ersten Glockenzuge springt die Thüre auf, selbst nach Mitternacht etc. Außer dem Codex der Portiere hat Eduard und Monsieur Jaeglé, sein Verleger, noch eine Menge von kleinen Büchern, zu einem Sou das Stück, herausgegeben. Da giebt es einen Codex für Eheleute, einen Codex für den Arbeiter, einen für den Bedienten, einen andern für die Todten und einen für Alles. Unter einer sehr leichten Form hat der Mann die gescheidte Idee gehabt, unter dem Volke eine gewisse Kenntniß von Gesetzen zu verbreiten, die Jeder zu wissen vorgiebt und kein Mensch kennt.

Ich will Sie nicht mit dem Codex der Todten behelligen, den praktischen Nutzen desselben habe ich nie recht begriffen, vielleicht ist Ihnen der Codex der Portiere ebenso unangenehm, ich fürchte die Portiere wenigstens ebenso sehr, als den Tod und seine Todten. Aber der Codex des Arbeiters ist ein wirklich ernsthaftes Werk. In einem kleinen faßlich geschriebenen Werkchen hat Jaeglé alle Pflichten und Rechte des Arbeiters zusammengestellt. Er lehrt ihn sein Vaterland lieben, das Gesetz zu achten und sein Recht zu vertheidigen. Bis Dato haben immer nur die Kalender und Almanachs mit ihren Schwänken und Possen die sogenannten populären Aufklärungen enthalten. Wenn man aber in großer Menge und daher zu wohlfeilen Preisen die nothwendigsten Begriffe von Religion, Moral, Geographie, Geschichte, Gesetzgebung, Ackerbau, Gartenkunst etc. verbreiten würde, namentlich in Dörfern und kleinen Städten, so würde der gute Einfluß dieser Bücher sehr bald sichtbar werden.