Panmelodicon des Herrn Leppich aus Wien

Textdaten
Autor: Jakob F. Bleyer
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Titel: Panmelodicon des Herrn Leppich aus Wien
Untertitel:
aus: Allgemeine musikalische Zeitung. Dreyzehnter Jahrgang vom 2. Januar 1811 bis 25. December 1811. S. 142–145, 151 f, 278 ff.
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1811
Erscheinungsdatum: 1811
Verlag: Breitkopf und Härtel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung: Beschreibung des Panmelodicons von Leppich, bzw. des Melodica genannten Instrumentes von Rieffelsen.
Das im Original viermal überstrichene c wird hier durch c′′′′ dargestellt.
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[142]
Panmelodicon des Herrn Leppich aus Wien[1].




Form des Instruments. Fig. 1 stellt dieselbe perspectivisch vor. Höhe zy = 3 Schuh 4 Zoll. Breite xw = 3 Schuh 6 Zoll. Tiefe wv = 2 Schuh [143] 8 Zoll. Der Deckel A ist an der Rückwand in e mit Charnieren versehen, um denselben öffnen zu können. Das Feld B ist durchbrochen, mit Taffet bespannt und mit einer Drapperie verziert.

Tonumfang. Fünf Octaven; von C 8 Fuss-Ton bis c′′′′ ¼ Fuss-Ton.

Fig. 2[WS 1], das Profil von der Bassseite.

Bestandtheile. a) ein kegelförmiger Cylinder von Messing, der nach der Quere über die Tastatur hinläuft. l, eine Taste; k, ein dünner Draht, der die Taste mit dem messingenen Winkelhaken ff verbindet; i, eine seidene Schnur am Knie des Winkelhakens befestigt und an dem Balken m angehängt. Das zugespitzte Ende des Winkelhakens ist in den Resonanzboden g fest eingesteckt; über den Kopf h des Winkelhakens ist ein Lederstreifen gebunden, und über diesen ein von unten hinaufsteigender Lappen (aus Manchester, wie mir schien). Solcher Winkelhaken sind 61, wovon jeder folgende immer kleiner ist. n ein Schwungrad, o p, 2 Scheiben an demselben fest. Von der Scheibe o läuft eine Schnur ohne Ende über Leitrollen auf die Scheibe q Fig. 3 und von p eine gleiche ebenso auf r. Die Kurbel u des Schwungrades ist mit dem Fusstritt tt verbunden. Da die Winkelhaken in geometrischer (?) Fortschreitung abnehmen, so nähert sich gegen den Diskant zu der Resonanzkörper dem Cylinder in parabolischer Linie.

Theorie. ff der klingende Körper, a der klangerregende Körper, und der Manchesterlappen ist das Reibungsmittel. Hält man die Theorie dieses Instruments mit jener der Leyer gegeneinander, so ist hier der Winkelhaken, was dort die Saite – hier der Cylinder, was dort die Scheibe, und hier der Manchesterlappen, was dort die Baumwolle ist.

Um zu spielen setzt man mit dem Fuss das Schwungrad in Bewegung – dieses theilt sie dem Cylinder mit, der sich dann nach der Richtung bewegt, wie es der Pfeil bey a anzeigt. Spielt man nun auf der Tastatur, so ziehen die gespielten Tasten ihre Winkelhaken an den Cylinder (die Schnüre i dehnen sich) – und es klingt!

Abmessungen, nach dem Wiener Maas. Der [144] Cylinder a ist in Fig. 3. bey s getheilt, der kurze Theil ist 1 Schuh lang, in b 3 ¼ Zoll und in c5/8 Zoll dick. Der lange Theil ist 2 Schuh lang, in c5/8 und in d 5/4 Zoll dick. Der Winkelhaken für das grosse C ist 14 Zoll lang und 16 Zoll hoch; der obere Schenkel ½ Zoll dick, 4 Linien breit – am Knie hat auch der untere Schenkel dieses Maas, er ist aber nach unten zu keilförmig zugespitzt. Der kleinste Winkelhaken, nämlich fürs c′′′′, ist 2 ½ Zoll lang, und 3 Zoll hoch; 2 Linien dick und breit und unten keilförmig zugespitzt.

Kritik. Wäre der Cylinder im Ganzen, so würden bey mässiger Geschwindigkeit die Basstöne ansprechen und die Discanttöne schweigen – bey vermehrter Geschwindigkeit würden die Discanttöne ansprechen und die Basstöne widerlich schnarren. Diesem Uebel zum Theil zu steuern, ist der Cylinder in 3 Theile getheilt und jeder Theil hält andere Umlaufszeiten. – Welches Verhältnis dabey angenommen wurde, werden wir aus folgendem erfahren. Hr. Kreutzer, der, wie aus frühern Berichten in diesen Blättern bekannt, das Instrument zu spielen pflegt, wagt sich nicht leicht in die höhern Discanttöne, er weilt am liebsten in der Mitte; geschieht es aber doch, so muss das Schwungrad schneller bewegt werden – so lange dies dauert, haben Bass und Tenor Ruhe. Hieraus ergiebt sich das gesuchte Verhältnis, nämlich: Die Umlaufszeit des dünnen Cylinders verhält sich zu jener des dickeren, wie umgekehrt ihre grössten Durchmesser. Bewegt man das Schwungrad so, dass alle Töne des kurzen Cylinders ansprechen, so werden auf dem langen Cylinder nur eben so viele Töne von unten hinauf ansprechen, und die obersten Töne schweigen.

Ideen zur Verbesserung. Man mache den Cylinder nicht kegelförmig, sondern gebe ihm durchgehends 3 ½ Zoll Durchmesser, so werden alle Töne (so weit es ihre Nutur zulässt) gleichförmig ansprechen. Eine Schnur ohne Ende, 2 Leitrollen und 2 Scheiben fallen dann weg. Statt des stehenden Schwungrads ein liegendes von 30 bis 40 Pfund Gewicht am Boden des Instruments. Der Scheibe q gebe man einen grössern

[145] Durchmesser, z. B. von 8 bis 9 Zoll; die Scheibe o muss dann natürlich auch grösser werden, so darf man, die Schnur ohne Ende nicht so sehr spannen. Das Schwungrad und den Cylinder lasse man anstatt auf cylindrischen Achsen, im Kerner laufen. Den Fusstritt tt verwandle man in eine Art von Steigbügel, der unter der Tastatur seine Achse und einen Bogen von 1 Schuh Länge zur Bewegung hat. Auf diesen Bügel tritt der Spieler mit einem Fuss und schiebt ihn vor- und rückwärts. Man hat bey der Glasharmonika 2 Fusstritte angebracht, um den Umlauf des Cylinders gleichförmiger zu machen, allein das doppelte Treten ist dem Spieler beschwerlich – hier wird dieser Zweck auf eine für den Spieler angenehmere Weise erreicht, indem durch den grossen Bogen des Bügels schon an Kraft gewonnen, und durch obige Abänderungen viele Reibung beseitiget wird. An ein Notenpult sollte doch billig auch gedacht werden.
J. F. Bleyer.
[151]
Notizen.




Ueber Hrn. Leppich aus Wien, der, wie aus frühern Blättern d. Zeit. bekannt ist, erst in jener Stadt und nun in einigen andern sein Panmelodicon mit Beyfall gezeigt und zu hören gegeben hat, wird gedruckt, (wir hoffen und glauben, ohne sein Wissen,) er könne sogar einem Stabe von Talg einen Ton entlocken. Das ist nun freylich mehr, als sich nur irgend denken [152] lässt, und thut folglich seine Wirkung: es ist aber nicht Talg, (Unschlitt, sevum,) sondern gebrannter Talk (Talkstein, talcum) gemeynt. Was kann man nicht jetzt dem Publicum bieten! –

[Tab. I.]

Beylage zur Musik. Zeit. 13. Jahrg. N.8.

[277]
Notizen und Berichtigungen.




Im achten Stücke der musik. Zeitung von diesem Jahre findet sich eine Beschreibung nebst Zeichnung von dem Leppichschen Instrumente, Panmelodicon genannt, über welches das 169te Stück der. allgem. Literaturzeitung von 1810 bereits eine Nachricht gegeben hat. Die Wahrheit [279] fordert, zu sagen, dass die gedachte Beschreibung samt der Zeichnung von innen und aussen das getreuste Abbild der im Jahre 1809 in No. 40. dieser Blätter von mir unter dem Namen der Melodica bekannt gemachten Erfindung des Herrn Rieffelsen liefert. Leztere befindet sich hier in Altona, und kann von jedermann nach jenem Aufsatze mit dem Leppichschen Panmelodicon durch den Augenschein verglichen werden. Man kann, mit Ausnahme des gerügten Fehlers, nämlich der Unvereinbarkeit des hohen Discants mit dem Bass, der bey Rieffelsens Instrumente nicht bemerklich ist, nichts Aehnlicheres finden. – (In der allgem. Literaturzeitung ward Rieffelsen ein Mathematiker genannt; er selbst, dem es an wissenschaftlicher Ausbildung fehlt, nennt sich nie anders, als Mechanicus.) Eine Menge Zeugen sind bereit, es zu bekräftigen, dass er in Jahre 1808 seine kleine, in Kopenhagen erfundene und verfertigte Melodica von 4 Fuss-Ton, hier in Altona bis zu 8 Fuss-Ton erweiterte. Hr. Leppich selbst kann nicht anders, als sich mit zu diesen Zeugen zählen. Ich verweise übrigens auf meinen erwähnten Aufsatz von 1809.

In dem angeführten Stücke dieser Zeitung, S. 151, wird unter der Ueberschrift Notizen, eine Hrn. Leppich beygelegte Behauptung, dass er nämlich einem Stabe von Talg Ton entlocken könne, wie eine Absurdität verworfen und für schaalen Wortbetrug erklärt. Es ist unläugbare, durch einsichtsvolle Zeugen zu beglaubigende Thatsache, dass Hr. Rieffelsen während seines mehrjährigen Aufenthalts in Altona ein Modell von zwey aus Rindstalg (Unschlitt) geformten Stäben vorzeigte, die durch schnelles Reiben gegen einen Cylinder von gelbem Wachs, einen hellen und anhaltenden Klang von sich gaben. Rieffelsen, dem die Sache längst bekannt war, liess diese Probe in seiner Werkstelle nachlässig herumtreiben, wo sie in der Sonnenhitze verschmolz und unbrauchbar ward. Mechanicus Rieffelsen, Erfinder der Melodica, von der schon [280] längst mehrere unvollkommene Nachahmungen unter andern Namen bekannt geworden sind, ist seit mehrern Monaten von hier nach Kopenhagen zurückgereist.

Altona, im März 1811.

Doctor L. S. D. Mutzenbecher.

  1. Anm. Hierzu die Kupfertafel. Wir bemerken noch, dass der Hr. Verf. dieses Aufsatzes für die Angabe der Mease nicht weiter stehen kann, als möglich ist, wenn man sie nur mit geübtem Auge auffassen, nicht aber sie nachmessen darf. Uebrigens gebieten uns die Liebe zur Wahrheit, und der Wunsch, jedes Verdienst nach Gebühr anerkannt zu sehen, den Zusatz: Wir selbst kennen das Panmelodicon nicht, denn die Herren Leppich und Kreutzer sind nicht in Leipzig gewesen; nach obiger Schilderung aber ist es eigentlich keine neue Erfindung, sondern nur eine Variation des Dietz’schen Melodions, wovon vor mehrern Jahren in diesen Blättern Nachricht gegeben worden. Einige Abweichungen des neuern Instruments von dem ältern sind offenbare Verbesserungen; dagegen möchten auch diesem einige Vorzüge zuzugestehen seyn. Gegen unsere Verf. aber möchten wir das Kegelförmige des Cylinders — wenn man sich mit ihm so ausdrücken darf — in Schutz nehmen.
    d. Redact.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Fig. e