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Noch eine Sage vom feurigen Hunde auf dem Löbauer Berge

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Noch eine Sage vom feurigen Hunde auf dem Löbauer Berge
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 175-177
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[175]
783) Noch eine Sage vom feurigen Hunde auf dem Löbauer Berge.
S. Scholz bei Klar a. a. O. S. 29 sq.

Vor langen Jahren stand am Fuße des Löbauer Berges tief im Gebüsche ein schmuckes Jägerhaus, welches ein gewisser Bischeber als Förster mit seiner Frau bewohnte. Derselbe war aber in der ganzen Umgegend gehaßt und gemieden, denn er war habsüchtig, grob und hart gegen Jeden, der etwas mit ihm zu thun hatte. Seine arme Frau hatte es selbst sehr schlecht bei ihm und fand nicht einmal in seiner Abwesenheit zu Hause einen Trost, denn sie war kinderlos. Vorzüglich war aber sein Haß gegen seinen Schwiegervater, einen reichen Bauer in der Nachbarschaft, gerichtet, weil er sich einbildete, derselbe habe seiner Tochter zu wenig Mitgift gegeben. Nun trug es sich zu, daß ein junger Bürger aus der Stadt Löbau das Herz der zweiten Tochter jenes Bauern gewonnen hatte und daß dieselbe ihm auch ihre Hand zusagte. Bald sollte die Hochzeit stattfinden und Bischeber’s Schwiegervater rüstete sich nur noch, die Mitgift für seine Tochter herbeizuschaffen. Er hatte dazu tausend Goldgülden bestimmt, die er in der Stadt irgendwo ausgeliehen hatte und jetzt zurückerhalten sollte. Er machte sich also eines schönen Morgens mit seinem Geschirr auf, um das Geld aus der Stadt zu holen, erhob es auch und lud es, nachdem er es zuvor in einen kupfernen, mit einem Deckel versehenen, Kessel gethan, auf seinen Wagen und fuhr schon in der Dämmerung den ihm wohlbekannten Weg in sein heimathliches Dörfchen zurück. Allein er sollte dasselbe nicht erreichen, denn der gottvergessene Jägersmann, welcher seines Schwiegervaters Vorhaben und den Tag, wo er es auszuführen dachte, ausgekundschaftet hatte, lauerte ihn im Walde auf, sprang auf den Wagen und tödtete den Nichts ahnenden Greis ohne Mühe. Er hob hierauf den schweren Kessel vom Wagen herab und schleppte ihn auf unbetretenen Wegen in seine Wohnung, die Pferde aber trugen ihren gemordeten Führer von selbst auf [176] dem wohlbekannten Wege bis vor sein Haus. Wie erschrak die unglückliche Braut, als sie ihren armen Vater von blutiger Mörderhand erschlagen wiedersah, es litt sie nicht im älterlichen Hause, sie eilte noch um Mitternacht zu ihrer verheiratheten Schwester, um ihr und ihrem Manne das schreckliche Begebniß mitzutheilen. Ihre Schwester glaubte jedoch Letzteren noch im Walde und Beide weinten nun um den Verlust ihres besten Freundes. Allein der böse Jäger war wohl zurückgekommen, er steckte in einem Kellergemach, wo er seinen früher schon zusammengescharrten Mammon zu dem blutig erworbenen Sündengelde in den Kessel zu verschließen sich beeilte, weil er beabsichtigte, seinen Schatz noch in derselben Nacht aus dem Hause zu schaffen. Er hatte nämlich unfern des Hauses ein verborgenes Loch im Felsen bemerkt, das durch einen rohen Stein so versetzt war, daß der Uneingeweihte keine Spur einer Höhle gewahren konnte. Indeß war aber der Kessel durch das neuhinzugekommene Geld so schwer geworden, daß er sich nur mit großer Mühe transportiren ließ. Wie nun also Bischeber denselben mit großer Mühe nach dem ihm wohlbekannten Orte hinschleppte, versah er gleichwohl in der dichten Finsterniß den Weg, sein Fuß gerieth in den sumpfigen Wiesengrund, der sich noch heute an dem östlichen Fuße des Berges findet, und hier versank er mit seinem Schatze, doch der trügerische Boden verschwieg sein Grab. Als er früh nicht wiederkehrte, konnte seine Frau nicht mehr zweifeln, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei, doch glücklicherweiße vermochte sie seine Hauptunthat nur zu ahnen, ein Beweis gegen ihn war nicht vorhanden. Sie begab sich nun zu ihrer Schwester und brachte ihre Tage bei derselben, die sich mittlerweile mit ihrem Bräutigam verheirathet hatte, zu, das Jägerhaus aber, welches Niemand wieder beziehen wollte, zernagte der Zahn der Zeit, allein einige Zeit nachher erschien in der Stunde der Dämmerung ein Licht am Fuße des Löbauer Berges und ein Holzhauer, der dasselbe näher gesehen haben wollte, behauptete, daß das Licht ein feuriger Hund mit sprühenden Augen sei. Alle, die das hörten, riefen: „das ist [177] Bischeber und sein Schatz“, aber Niemand getraut sich, sich demselben zu nähern oder den Hund zu erlösen.