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Noch eine Erinnerung an David Friedrich Strauß

Textdaten
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Titel: Noch eine Erinnerung an David Friedrich Strauß
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aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 586
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[586] Noch eine Erinnerung an David Friedrich Strauß. Einer meiner Freunde, ein alter Apotheker, hatte im Jahre 1864 im Bade Homburg das Glück, den berühmten Verfasser vom „Leben Jesu“ kennen zu lernen und sich mehrere Wochen lang seines und seiner liebenswürdigen Familie täglichen Umganges zu erfreuen. Mein Freund, der sich etwas mit Naturwissenschaften beschäftigte, pflegte dort nicht allein Pflanzen und Steine, sondern auch Land- und Wasserschnecken zu sammeln, was auch auf den gemeinschaftlichen Spaziergängen mit der Familie Strauß geschah und den großen Gelehrten sehr zu interessiren schien. Als nun mein Freund vor seiner Abreise den Wunsch äußerte, für seine Autographensammlung ein paar Zeilen von Strauß zu erhalten, erhielt er nach wenigen Stunden von ihm folgendes allerliebste Gedicht:

Der Knabe jagt nach Schmetterlingen,
Die sich von Blum’ zu Blume schwingen,
Der rasche Lauf ist ihm Genuß.
Der Mann an hellen Wintertagen
Liebt es, das flücht’ge Wild zu jagen
Im rauhen Forst mit schnellem Fuß.

Als Jäger wollen wir, die Alten,
Uns weislich an die Schnecken halten,
Die laufen uns nicht zu geschwind.
Und wenn auch sie uns noch ermüden,
So wenden wir uns zu den Blüthen,
Die bleiben ruhig, wo sie sind.

Indessen nicht im Schneckengange
Enteilt das Leben; aber bange
Macht uns sein rasches Schwinden nicht.
Bereitet sind wir längst und fertig,
Als reife Früchte still gewärtig,
Bis uns die Hand des Gärtners bricht.

Dem werthen Botaniker und Conchyliologen Herrn D.... zum Andenken an den gemeinsamen Aufenthalt in Homburg

Im Juli 1864. von

 D. F. Strauß.