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Textdaten
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Autor: C. St.
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Titel: Neueste Fahr- und Reisegelegenheiten
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aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 814
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[814] Neueste Fahr- und Reisegelegenheiten. Die Erleichterung des Passagier- und Verkehrwesens im Allgemeinen gehört sicherlich nicht zu den letzten Errungenschaften unserer Zeit, aber nur selten begegnen sich völlig zufriedengestellte Reisende, denn das Menschenherz ist ebenso unerschöpflich im Wünschen, wie der Geist im Erfinden. Man reist so sehr nobel in einem Wagen erster oder zweiter Classe, aber wenn die Schienen schlecht sind, so bekommt man auch da noch sein gerütteltes und geschütteltes Maß und verspürt nach einer längern Fahrt immer noch die Empfindungen einer gelinden Räderung. Der Franzose Giffard will deshalb die theureren Wagenclassen mit Hülfe einer doppelten Aufhängung von allen Stößen befreien, so daß man wie im Schooße einer Wolke, und sanfter selbst als in einem Nachen, die Grenzen von aller Herren Ländern übergleiten würde. Der Naturforscher-Congreß, welcher im Sommer in Lille tagte, konnte bereits eine solche „Eisenbahnhängematte“ benutzen und dabei sein Votum dahin abgeben, daß nach einigen lebhafteren Schwankungen beim Abgange des Zuges die Schwingungen bald so rhythmisch und sanft geworden seien, daß man mit der größten Bequemlichkeit habe lesen und schreiben können, während allerdings die Neigung zum – Einschlafen befördert worden sei, was, wenigstens für Schlafwagen, kein Schaden wäre. Der Engländer Bessemer hat bekanntlich einen großen Raddampfer mit einem ähnlichen schwebenden Schiffssalon für den Verkehr auf dem meist sehr lebhaft bewegten Canale erbaut, um das unendliche Welt-Elend der seekranken Engländer und Franzosen zu lindern. Es wird aber bezweifelt, daß es ihm gelingen werde, diesem tragikomischen Leiden den Boden zu entziehen. Praktischer dürfte der Gedanke seines Collegen A. Bois sein, mit einer „Dampffähre“, welche ganze Eisenbahnzüge aufnehmen soll, diesen Verkehr zu erleichtern. Die Maschine würde inmitten der auf kahngestalteten Parallelschwimmern ruhenden Platform angebracht werden und, ohne ein Umwenden erforderlich zu machen, die Fähre hin- und zurückbewegen – Eine der originellsten Reisegelegenheiten der Neuzeit verspricht aber die einschienige Eisenbahn oder „Dampfkarawane“ zu werden, welche der Engländer Haddan, Ober-Ingenieur der ottomanischen Regierung, auf der einhundertsiebenundfünfzig Kilometer langen Strecke zwischen Alexandrette und Aleppo in Syrien zu bauen beabsichtigt. Die Bahn wird einen einzigen Schienenstrang erhalten, der auf einem Mauerfundamente von zwei und einem Viertel Fuß Höhe und vierzehn Zoll Breite ruht. Die eigenthümlich gestalteten kleinen Wagen des Zuges, sogenannte Zwillinge, reiten gleichsam auf dieser Schiene, indem ihre Hälften, wie die Körbe eines Lastesels, zu beiden Seiten der Mauer herabhängen. Die Locomotive wie der Schlußwagen müssen durch horizontale Klemmräder mit Lederbeschlag, wie sie bei einigen Bergbahnen in Anwendung gebracht worden sind, gegen das Fundament um so stärker angepreßt werden, je größer die vorhandene Neigung des Bahnkörpers ist. Jede Wagenhälfte soll zwei, der ganze Zug sechsundneunzig Personen aufnehmen. Als Vortheile dieses Systems von Wüsteneisenbahnen werden sehr geringe Baukosten angegeben; sie sollen einen Schnellverkehr in Gegenden möglich machen, in denen nicht leicht auf größere Bahnanlagen zu rechnen wäre.

C. St.