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Neue Prachtwerke des Buchhandels (Die Gartenlaube 1878/47)

Textdaten
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Titel: Neue Prachtwerke des Buchhandels
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 784
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
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[781]
Die Gartenlaube (1878) b 781.jpg

In einem Harem der Khalifenzeit.
Von Ad. Seel.
Aus dem Prachtwerke „Aegypten in Bild und Wort“.

[784] Neue Prachtwerke des Buchhandels. (Mit Abbildung S. 781.) In der vorweihnachtlichen Zeit befindet sich der Buchhandel auf dem Höhepunkte seiner Regsamkeit; die meisten Bücher haben mit dem Täufer Johannes ungefähr den nämlichen Geburtstag, und die Prachtwerke wohl sämmtlich, selbst wenn dieselben, wie es bei einer Anzahl der werthvollsten der Fall ist, Lieferungswerke sind. Und wie drängt ein Prachtwerk jetzt das andere! Die Auferstehung des deutschen Kunstsinnes ist kaum besser zu erweisen, als durch die Thatsache, daß trotz der vielen Klagen über schlechte Zeiten und allgemeine Einschränktheit der Kauflust die Herausgeber solcher buchhändlerischer Kunstschöpfungen an denen Schriftsteller, Künstler, Drucker und Buchbinder in ihrer Weise vereint das Beste zu leisten streben, ihre Rechnung finden. Wir begrüßen diese vermehrte Freude am künstlerisch Schönen in unserem Volke mit voller Würdigung und dem Wunsche, daß dieselbe sich in vermehrter Weise nach allen Seiten hin geltend machen möge. Daß die Productivität auf Seiten des Kunstverlags vorläufig nicht so bald erlahmen wird, dafür ist durch das pilzartige Aufschießen neuer Vervielfältigungsarten für zeichnende und malende Kunst gesorgt; wir hoffen in Kürze einmal auf dieses interessante Erfindungsgebiet näher eingehen zu können, von dem der Weihnachtstisch des Buchhändlers so manche verlockende Frucht zu bieten hat.

Bevor wir die Leser mit einigen empfehlenswerthen Novitäten im strengen Sinne des Wortes bekannt machen – wozu unsere zweitnächste Nummer die Gelegenheit bieten soll, haben wir eine alte Schuld abzutragen, es gilt des prächtigen Lieferungswerkes „Aegypten“ (Stuttgart und Leipzig, Ed. Hellberger) zu gedenken, welches seit voriger Weihnacht im Erscheinen begriffen ist und aus dessen jüngsten Illustrationsschmuck wir unsern Lesern heute ein Blatt vor Augen führen. Wer die Sammlung der bisherigen Lieferungen durchblättert, der wird nicht in Zweifel sein, daß es sich hier um eine Publication von hohem künstlerischem wie literarischem Werte handelt. Die Schilderung des alten Pharaonenlandes, dessen Vergangenheit sich in der Darstellung geschickt mit einer Wanderung durch das heutige Aegypten verknüpft, nimmt ihren Ausgang von Alexandria und ist bereits bis Mittelägypten vorgeschritten; der Führer, an dessen Hand der Leser die Wanderung macht, ist kein Geringerer als Georg Ebers; der, als gelehrter Kenner Aegyptens gleich hochstehend wie als Darsteller auf belletristischem Gebiete, mehr denn jeder Andere berufen ist, ein Land zu schildern, welches von je einen so eigenthümlichen Reiz für alle Culturvölker der Geschichte gehabt hat, ja, das wohl als die Wiege aller Cultur überhaupt anzusehen ist. Durchgehends von Meisterhand gezeichnet und geschnitten sind die Illustrationen, welche verschwenderisch reich durch die Lieferungen verstreut sind und ebenso lebendig die Gegenwart, wie die Vergangenheit zur Anschauung bringen; besonders lobenswert ist das maßvolle Geschick, mit welchem der aus der altägyptischen Kunst sich bietende Ballast an instructiven Abbildungen auf das Wesentliche beschränkt ist. Mag die treffliche Publication bestens empfohlen sein! – Das heute von uns wiedergesehene Bild stellt das Innere eines Harems aus der Khalifenzeit dar, einer Zeit, welche das unter christlich-byzantinischer Herrschaft ziemlich gesunkene Aegypten merkwürdig rasch zu eigenartiger Blüthe belebte. Es bedarf kaum eines erklärenden Wortes; die Ausstattung des Raumes zeigt unverkennbar den Reichthum und das Behagen jener in Cultur und Geschmack hochstehenden Zeit, in welcher „der Kunstfleiß der Araber unter den Fatimiden, die in kostbaren Palästen zu wohnen liebten und deren vornehmste Beamten und Untertanen sich glänzend ausgestattete Wohnhäuser bauten, reiche Gelegenheit fand sich zu bethätigen.“