Neue Beleuchtungsvorrichtungen für Straßen, Plätze, Schiffsräume, Fabriksäle, Theater und Zimmer

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Autor: C. St.
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Titel: Neue Beleuchtungsvorrichtungen für Straßen, Plätze, Schiffsräume, Fabriksäle, Theater und Zimmer
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 713–714
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[713] Neue Beleuchtungsvorrichtungen für Straßen, Plätze, Schiffsräume, Fabriksäle, Theater und Zimmer. Der Ersatz des Gaslichtes durch elektrisches Licht überall da, wo man weitere Räume zu erleuchten hat, erscheint nur noch als eine Frage der Zeit. Bisher war das elektrische Licht mit seinem blendenden Glanze doch immer noch zu kostspielig, um es anders als für besonders festliche Gelegenheiten, bei Illuminationen, im Theater oder auf Leuchtthürmen anzuwenden. Seitdem aber der Pariser Ingenieur Gramme und der Berliner Physiker von Hefner-Alteneck elektromagnetische Maschinen erbaut haben, durch deren Betrieb eine beliebige mechanische Kraft in elektrisches Licht verwandelt wird, kann seine Anwendung zur Beleuchtung unter Umständen geradezu ökonomisch werden, billiger als Gas oder Petroleum. Derartige Apparate sind neuerdings an Hafenplätzen verwendet worden, um das Ausladen und Befrachten der Schiffe Tag und Nacht fortsetzen zu können, und mehrere russische Schiffe (die kaiserliche Yacht „Livadia“ und das Panzerboot „Peter der Große“) benutzen dasselbe zur tageshellen Beleuchtung des ganzen Verdeckes. Eine Reihe von Fabriken haben dasselbe eingeführt, um ihre Arbeitssäle zu erleuchten. In der Fabrik von Heilmann, Ducommun und Steinlehre in Mühlhausen im Elsaß sind bereits über Jahr und Tag vier Gramme’sche Maschinen in Thätigkeit, um vier elektrische Lampen zu speisen, die einen sechszig Meter langen und dreißig Meter breiten Arbeitssaal erleuchten. Jede dieser Maschinen kostet freilich 1500 Franken, dafür liefert die von ihr versorgte Lampe aber auch eine Helligkeit, die derjenigen von 100 Carcellbrennern gleichkommt, wobei die Betriebskosten für jede Lampe nur einen Franken in der Stunde betragen.

Indessen ist dieses Licht so grell, daß es, unverhüllt gelassen, Augenkrankheiten erzeugen würde, und daher hat man in einer mechanischen Weberei zu l’Ile Dieu, die dem ehemaligen französischen Finanzminister Pouyer-Quertier gehört, die sinnreiche Einrichtung getroffen, welche Richard Wagner seinem Orchester gegeben; man sieht nämlich die dort angewendeten acht elektrischen Lampen überhaupt nicht, sondern läßt ihr sonnenartiges Licht gegen die weiße Decke des Fabriksaales strömen, von wo es gemildert, wie Himmelslicht, herabkommt und die hundertvierzig in diesem Raume aufgestellten Webstühle tageshell beleuchtet. Hier, wo [714] bei Ueberschuß von Wasserkraft die Betriebskosten der elektrischen Maschinen nicht in Betracht kommen, betragen die gesammten laufenden Kosten für diese brillante und außerdem jede Feuergefahr ausschließende Beleuchtung weniger als zehn Pfennige in der Stunde. Letztere Kosten werden lediglich durch die Abnützung der Kohlenstiftchen hervorgerufen, deren durch den elektrischen Strom verursachtes Glühen eben das elektrische Licht darstellt. Diese letztere Abnützung will übrigens ein französischer Physiker Ladiguine in der Folge gänzlich vermeiden, indem er den ununterbrochenen, glühenden Kohlenstift in einem sauerstofffreien Glasbehälter luftdicht eingeschlossen hält, sodaß man künftig bei disponibler Wasserkraft die herrlichste Beleuchtung umsonst haben kann.

Auch im Gasbeleuchtungswesen begegnet man wundersamen Wandlungen. So hat das vor nicht langer Zeit eröffnete neue Pariser Opernhaus eine Rampe erhalten, deren einhundertundzwanzig Gasflammen nicht wie andere rechtschaffene Flammen nach oben brennen, sondern wie diejenigen der verkehrten Welt abwärts züngeln. Sie sind nämlich allesammt in luftdichte Glascylinder eingeschlossen, in denen ein, wie das Gas selber, von oben eintretender scharfer Luftstrom die Flamme mit sich nach unten reißt. Da hierbei die Flammen vollkommen nach außen abgesperrt sind, so entweicht nicht nur kein Dunst und keine Hitze in den Saal, sondern die Tänzerinnen und Sängerinnen dürfen sich auch ohne Gefahr für ihre Kleider und ihr Leben der Rampe nähern, besonders da zugleich die Einrichtung getroffen worden ist, daß jeder springende Cylinder in demselben Augenblicke das Gas selbst absperrt. Diese unterwärts brennende Flammenlinie hat außerdem die Einrichtung, nach oben über die Bühne steigen zu können und dann ihre Vorzüge noch mehr geltend zu machen, da sie nach unten fast keinen Schatten wirft. Aber auch die Zimmerbeleuchtung ist von den modernen Erfindern nicht vernachlässigt worden. Auf der Philadelphia-Industrie-Ausstellung erwirbt sich Berford’s Gas-Sonnenlicht-Apparat, das „beste Licht von der Welt“, viele Bewunderer. Es ist eine sehr einfache Idee, die ihm zu Grunde liegt; man könnte sie als die „Schusterkugel im Salon“ bezeichnen. Aber es ist vielmehr nur eine Halbkugel, eine oben offene halbkugelige Glasschale, die, mit Wasser gefüllt, unmittelbar unter dem wagerecht brennenden Schwalbenschwanzbrenner angebracht wird. Dadurch wird nicht nur, ohne dem Zimmer die Beleuchtung zu entziehen, der Hauptlichtstrom auf den darunter befindlichen Arbeitstisch (für Künstler, Graveure, Juweliere, Uhrmacher, Lithographen, für Lesen und Schreiben) verdichtet, sondern den Lichtstrahlen auch der gelbröthliche Antheil und die Hitze, welche das Wasser verschluckt, genommen, sodaß ein kühles, angenehmes und doch kräftiges Licht auf die Handarbeit fällt. Will man das Licht (z. B. für Krankenzimmer) dämpfen, so braucht man nur gefärbtes Wasser anzuwenden. Den gleichen Zweck der Absperrung der Wärmestrahlen erreicht man, nebenbei bemerkt, nach Landsberg’s älterem Vorschlage durch Glimmerplatten.
C. St.