Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Nachfrage nach Vermißten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, 41, S. 427–428, 679–680
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[427] Nachfrage nach Vermißten. Die Bitte, welche wir im Jahrgang 1873 dem „Offenen Antwortschreiben“ unseres Mitarbeiters Theodor Kirchhoff in San Francisco auf S. 154 als Anmerkung anfügten, darf heute, nach sieben Jahren, ihrem ganzen Inhalte nach wiederholt werden, Der Zudrang von Nachfragen nach Vermißten übersteigt wieder alles Maß. Wenn der Erfolg derselben nur in irgend leidlichem Verhältniß zu dem Raume stände, den sie in Anspruch nehmen, so würden ja unsere Leser selbst, durch erfreuliche, familienbeglückende Mittheilungen mit Theilnahme erfüllt, die ihnen durch die Vermißtenlisten für andere Gegenstände entzogenen Spalten des Blattes gern opfern. Allein das ist nicht der Fall. Auf hundert Anfragen kommt oft nur eine Auskunft, und leider ist auch diese dann nicht immer so, daß man sie den Angehörigen mit einem Glückwunsch zusenden könnte.

Trotzalledem wollen wir den bei der Ausbreitung der „Gartenlaube“ über alle von Deutschen bewohnten Theile der Erde allerdings einzigen Weg zur Nachforschung nach Verschollenen unseren Lesern nicht verschließen, müssen dem Uebermaß des Zudrangs aber feste Schranken entgegenstellen. Vor allem bitten wir, erst die durch das Reich (das auswärtige Amt, die Gesandtschaften und Consulate) gebotenen Nachforschungsmittel in Anwendung zu bringen, ehe man zu uns damit kommt. Ferner werden wir alle Anfragen mit so ungenügenden dürftigen Angaben, daß sie einen Erfolg kaum möglich machen unberücksichtigt lassen; dasselbe geschieht mit den uns anonym zugesandten Anfragen und mit allen so undeutlich geschriebenen, daß die Namen nicht zu entziffern sind. Endlich erwarten wir, daß Diejenigen, deren Anfragen noch vor deren Veröffentlichung sich durch Auffinden der Spur der Vermißten erledigten, uns davon Nachricht geben. Für die Vermißten in Nordamerika benutzen wir nach wie vor die Umschläge der Heftausgabe der „Gartenlaube“, die dort eine bedeutende Verbreitung hat.

Eine Ausnahme gestatten wir uns aber: alten, armen Vätern und Müttern, welchen die Sehnsucht nach verschollenen Kindern die letzten Tage trübt, werden wir nie den Trost versagen, den sie in unserem Aufrufe nach denselben finden. – Daß wir auch den Behörden, welche in der „Gartenlaube“ das letzte Mittel für ihre Nachforschungen erkennen, nach wie vor gern gefällig sind, ist selbstverständlich.

Und somit beginnen wir eine neue Reihe von Vermißten. Möge sie von glücklichem Erfolge begleitet sein!

1) Ein junger Mann, deutscher Abkunft, in Kurrachee (Ostindien), Charles August Haller, fragt, ob Geschwister seines in Darmstadt geborenen und in Singapore gestorbenen Vaters, Maximilian Joseph August Haller, noch am Leben seien.

2) Eine Schwester, in Berlin, sucht ihren Bruder, den Gärtner Bernhard Schloer aus Wik bei Greifswald. Er ist allerdings schon vor 19 Jahren plötzlich aus Sayn bei Köln verschwunden, aber unter Umständen, die ihm Heimkehr und Nachrichtgeben verleiden konnten. Diese sind gehoben.

3) Der Brauer August Metzke aus Sprottau, dessen Spur 1867 Hamburg verloren ging, wird, einer Erbschaft wegen, von seinem Abwesenheitsvormund gesucht.

4) Eine Mutter sucht ihre Tochter, Josephine Bornert, geboren 1862 zu Straßburg im Elsaß. Das Mädchen nahm am 3. Februar 1877 auf dem Straßburger Bahnhof Abschied von der Mutter, um zu einer Verwandten in Neschwoog (?) zu reisen, ist aber nicht an diesem Orte angekommen und seitdem verschollen. Sie zeichnete sich durch hohe schlanke Gestalt, frische Gesichtsfarbe, helle blaue Augen und auffallend schönes blondes lockiges Haar aus.

5) Von Brüssel aus geht uns die Bitte einer Mutter zu, die ihr am 12. December 1866 in Köln geborenes Kind, Therese Josephine Ellerbroek, einer Schauspielerfamilie Schulze in Köln (Stockgasse 25) zur Erziehung übergab. Diese Familie zog später angeblich nach Wiesbaden und ist sammt dem Kinde seitdem für die Mutter verschollen.

6) Rud. Herm. Paul Mundt aus Stettin, am 16. October 1856 geboren, hat, seiner schwachen Augen wegen, kein Gewerbe erlernt, war in Hannover Packer, diente dann in Dresden bis Anfangs März 1877 in der Ostra-Allee Nr. 10, dann als Schreiber und Packer bei Kaufmann Richter in der Annenstraße, arbeitete darauf in Schlesien, zuletzt in der Eisenhütte von Sprottau, von wo er im Frühjahr 1879 abzog. Er hatte röthlich-blondes Haar, spitze Nase und Sommersprossen.

7) Kaufmann Christian Bruno Schneider aus Oederan, 1840 geboren, verließ 1876 eine Stelle (bei Fiedler und Lechla) in Chemnitz, um Süddeutschland zu bereisen, hielt sich in Stuttgart, Heidelberg und München auf und ist seitdem verschollen. Nach ihm fragt dringend seine Schwester Asta.

8) Eine Mutter sucht ihren Sohn. Georg Ries, geboren 1852 in Vacha an der Werra, nahm sich den Tod seines Vaters, des Thierarztes Dr. Ries, so zu Herzen, daß er als irrsinnig in die Heilanstalt zu Jena gebracht werden mußte. Nach zweijährigem Aufenthalt dort im Juni 1879 angeblich geheilt entlassen, ist er spurlos verschwunden.

9) Friedrich Weber, von Kulm in Böhmen, 1843 geboren, Maschinenschlosser, spricht deutsch, ungarisch und französisch, arbeitete 1863 in einer Dresdener Maschinenfabrik, dann, von 1864 an, vier Jahre im königlichen Kanonenguß- und Bohrhaus zu Augsburg, hierauf in einer Nähmaschinenfabrik in Wien, worauf er auf sechs Monate nach Serbien ging. Von Kragujevacz begab er sich 1870 über Galatz nach Salonichi, wo er am 11. Mai 1872 vom österreichischen Generalconsul eine Reiseunterstützung erhielt. Seitdem zum Kummer seines alten Vaters verschollen.

10) Wilhelm Halinke aus Wöhrden in Holstein, ein deutscher Seemann, wurde am 13. September 1872 in London von dem britischen Schiffe „Brooking“ entlassen und hat seinen alten Eltern seitdem keine Nachricht mehr gegeben.

11) Ein spurlos verschollener Gatte und Vater ist Georg Baerst aus Illkirch im Elsaß, wo er 1837 geboren wurde. Seit 1867 verheirathet und Vater von drei Kindern, lebte er als Beamter der Spielbank in Monaco in wohlgeordneten Verhältnissen, wird aber seit dem 4. März 1875 vermißt. Der Gedanke an ein Verbrechen liegt hier nahe.

12) Ein hülfsbedürftiger, nun über achtzig Jahre alter Vater zu Kappeln in Schleswig wurde früher, bis vor etwa drei Jahren, von seinen beiden Söhnen Georg und Christian Mackrodt regelmäßig unterstützt. Georg arbeitete in den Goldminen Australiens, Christian in Chicago. Plötzlich hörten von beiden Brüdern alle Nachrichten sammt den Unterstützungen für den verlassenen Greis auf. Wo sind die Brüder?

13) Der Eisenbahndirector Dr. j. Conrad von Wallenrodt aus Posen, 40 Jahr alt, groß, schlank, mit dunkelblondem Haar und Vollbart, hagerem Gesicht, blauen Augen und gebogener Nase, hat am 4. November 1879 in Montreux am Genfersee, wo er zur Cur eines Nervenleidens sich aufhielt, zu einem Spaziergang das Haus verlassen und ist nicht zurückgekehrt. Wir machen darauf aufmerksam, daß Herrn von Wallenrodt von seinem Arzte empfohlen war, sich eine Zeitlang in eine Anstalt für Gemüthskranke zu begeben, und daß er sich vielleicht durch eine rasche Abreise nach Italien der Möglichkeit, einer solchen Anstalt zu geführt zu werden, entziehen wollte. Möglich, daß auf der Reise die gefürchtete Geisteskrankheit zum Ausbruch kam. Doch ist auch die Möglichkeit eines Verbrechens nicht ausgeschlossen, da Herr von Wallenrodt eine bedeutende Baarschaft, goldene Uhr und Kette und werthvolle Ringe bei sich trug. In seinem Besitz befand sich auch eine Freikarte für den Bereich des Vereins deutscher Eisenbahnen Nr. 547.

14) Nur einen Todtenschein! Der Gärtner Josef Zelisko, geboren 1823 zu Neuschloß bei Kaaden in Böhmen, verließ 1866 die Herrschaft Nadwarna in Galizien, in deren Dienst er gestanden und wo er seine Frau und seine zwei Kinder zurückließ, um sich in den Donaufürstenthümern oder im südlichen Rußland eine Stelle zu suchen. Seitdem war trotz aller Bemühungen der k. k. Behörden keine Spur mehr von ihm [428] zu finden, und die Ueberzeugung ward vorherrschend, daß er ein Opfer der damals furchtbar wüthenden Cholera geworden sei. Da er aber Mitglied eines Wittwencassenvereins war, so würde seiner sehr armen Familie eine Pension sicher sein, wenn die Wittwe den Todtenschein ihres Mannes beibringen könnte.

15) Der Steuermann Karl Seecks aus Stralsund kann, trotz aller Bemühungen unserer Consuln, von seiner alten Mutter nirgends gefunden werden, weil er sehr häufig die Schiffe zu wechseln scheint. Im Herbst 1879 kam er in die Capstadt, aber als der Consul ihn suchte, war er wieder fort. Die alte bekümmerte Mutter theilt ihm mit, daß er einiges Vermögen von seinem verstorbenen Vater zu erben habe. Vielleicht hilft das.

16) Aus Crefeld ist am 6. Mai 1875 ein junger Mann so spurlos verschwunden, daß alle obrigkeitlichen Nachforschungen bis jetzt ohne Erfolg geblieben sind. Er heißt Bernhard Maas, ist Sattler, war damals 32 Jahre alt, 5 Fuß 1 Zoll hoch; seine Haare, Augenbrauen, sowie sein Bart sind hellblond; breite Nase, großen Mund, Narbe am Kinn und an der Oberlippe. Seine Schwester kann sich über das unheimliche Verschwinden ihres Bruders noch nicht beruhigen und traut dem guten Stern der „Gartenlaube“ die Kraft zu, Licht in das Dunkel dieses Schicksals bringen zu können.

17) Gustav Adolf Engert, 1855 geboren, ein Sohn der Wittwe Wilhelmine Engert in Dresden (Mathildenstr. 59), stand im Jahre 1872 bei dem Norddeutschen Lloyd als Leichtmatrose im Dienst und hat als solcher die Fahrt nach Westindien auf dem Dampfer „Graf Bismarck“, Capitain Nordenholt, mit angetreten, aber schon im August bei der Insel Colon das Schiff in Gesellschaft noch einiger anderer Matrosen verlassen. Seitdem ist seine Mutter ohne jede Nachricht von ihm.

18) Siebenzig Jahre und einsam auf der Welt! Das ist das Loos einer Wittwe, deren Kinder alle im blühendsten Alter dahingestorben sind – bis auf den ältesten Sohn, von dem sie seit achtzehn Jahren, wo sie ihn in Hamburg sah, nicht das geringste Lebenszeichen mehr erhalten hat. Albert Wilhelm Heuduck (aus Oderberg i. d. M.) fuhr unter dem Namen Charles Smidt auf amerikanischen Schiffen und soll 1870 und 1878 wieder in Hamburg gesehen worden sein.

[679] An die Spitze dieser neuen Verschollenen-Liste setzen wir ausnahmsweise – denn die Aufrufe für die in den Vereinigten Staaten vermißten Deutschen werden der Regel nach nur auf den Umschlägen der Heftausgabe der „Gartenlaube“ für das Unionsgebiet veröffentlicht – zwei Väter in Nordamerika. Wir benutzen zugleich diese Gelegenheit, um darauf aufmerksam zu machen, daß es dort, und überhaupt, weit weniger Vermißte geben würde, wenn man es nicht so oft unterlassen wollte, die Briefadressen möglichst richtig und deutlich zu schreiben. Kommt die Unbestellbarkeit vieler Briefe und sogar Werthsendungen aus derselben Ursache schon in Deutschland oft genug vor, so vervielfältigt dieses Uebel in Amerika sich in’s Ungeheuerliche in Folge der zahlreich gleichlautenden Ortsnamen, die nur bei genauester Angabe von Staat oder Territorium, County, Parish (Kirchspiel) oder District aufzufinden sind. Nun kommen viele Adressen schon in verwahrloster Weise von Amerika herüber, indem die Briefschreiber dort die Orts- und Countiesnamen oft so schreiben, wie sie sie aussprechen hören; hier malt man diese Art von Adressen nach, läßt auch wohl Unleserliches beliebig weg, und so kommen die Briefe bei den amerikanischen Posten nur an, um zu dem großen Haufen der unbestellbaren gelegt zu werden. Und da endlich Verwandte [680] nicht ihre Adresse anzugeben, sondern sich nur mit den Vornamen zu unterzeichnen pflegen, so ist auch eine Zurückbeförderung solcher Briefe unmöglich. Der amerikanische Verwandte hat geschrieben und erhält keine Antwort; die deutschen Verwandten haben geschrieben und bekommen auch keine Antwort – und ein Vermißter ist fertig. Werden doch selbst in den an uns gerichteten Bitten um Nachforschung nach Verschollenen Orts- und Personennamen oft so undeutlich geschrieben, daß wir sie nicht entziffern können und die Briefe, als nicht verwendbar, in den Papierkorb werfen müssen. Fast möchte man wünschen, unsere Reichspost verweigerte die Annahme von Briefen mit offenbar unzulänglichen Adressen, um die Absender zu zwingen, endlich Ordnung und Gewissenhaftigkeit in der Adressirung zu üben. Damit geschähe dem Publicum selbst der größte Gefallen.

Wir fahren in der Numerirung der Vermißten fort:

19) Ein Sohn sucht seinen Vater – ein Stück deutsch-amerikanischer Kriegsromantik. Ein Tischler aus Würzburg wanderte in der Mitte der fünfziger Jahre nach New-York aus; um dieselbe Zeit landete dort ein schwäbisches Mädchen aus Stuttgart. Beide heiratheten sich; am 18. October 1857 wurde ihnen ein Sohn geboren, und sie lebten zu New-York in Frieden, bis der Secessionskrieg ausbrach und Präsident Lincoln 75,000 Mann Milizen unter die Waffen rief. Der Trommelschall fuhr auch dem tapfern Franken in die Glieder; er folgte dem Rufe und zog in den Krieg. Im Verlaufe desselben fand seine Frau mit dem Kinde Zuflucht bei einem Arzt Dr. Schulze, dem sie das Hauswesen führte. Als aber die Kämpfer heimkehrten, warteten Frau und Kind vergeblich auf den Gatten und Vater; man zählte ihn zu den Todten, und nachdem fünf Vierteljahr vergangen waren, wählte Dr. Schulze die junge Wittwe zur Frau. Er war Besitzer von zwei Häusern im „Blumenthal“ (Avenue 8 und 9, Street 36). In dem einen derselben saß die Familie eines Abends, als die Thür aufging und – der Todtgeglaubte eintrat. Er suchte sein armes Weib – es trat ihm als stattliche Frau Doctorin entgegen. Welch ein Wiedersehen! Wie hatte das Schicksal mit diesen Menschen gespielt! Der unglückliche Mann blieb aber auch in diesem Kampfe Sieger – über sich selbst: er sah, daß die Seinen wenigstens im Glück lebten, und schied von ihnen auf Nimmerwiedersehen. Dr. Schulze zog mit seiner Familie 1866 nach Deutschland, zunächst nach Gera, dann nach Stuttgart, Ludwigsburg und endlich nach Eisenberg bei Jena, von wo er allein nach New-York zurückreiste. Die Frau kehrte mit dem Kinde nach Stuttgart zurück, wo sie 1874 starb. Der Sohn, der nun in Amerika zwei Väter hat, steht in Deutschland allein da. Seine Sehnsucht zieht ihn nach seinem rechten Vater. Dieser, Heinrich Karl Schmidt, soll erst in Californien Gold gegraben haben und jetzt zu Milwaukee im Staate Wisconsin in guten Umständen leben. Der Sohn, Julius Schmidt, ist jetzt in der optischen Industrie-Anstalt zu Rathenow beschäftigt. Werden Vater und Sohn sich wiedersehen?

20) Der zweite gesuchte Vater ist Michael Lang, 1810 in Brombach im Amte Lörrach geboren. Er heirathete zu Anfang der vierziger Jahre zu Sitzenkirch im Amte Müllheim, verließ aber seine Frau und seinen sechsjährigen Knaben 1847, um in Amerika sein Glück zu suchen. Erst spät kam an seinen Sohn Christian Lang, der jetzt Bäckermeister zu Kaudern im Amte Lörrach ist, die Nachricht, daß sein Vater noch lebe, und zwar als wohlhabender Farmer in Ohio. Sollte das der Fall sein, so kommen ihm diese Zeilen vielleicht als Mahnung an seine Vaterpflicht vor die Augen. Man vermuthet, daß dem Sohne absichtlich seine Adresse bis jetzt vorenthalten wurde.

21) Der Handschuhmacher Otto Bleimann reiste aus Bunzlau in Schlesien 1871 mit dem Hutmacher P. Födsch nach Brisbane (Queensland) in Australien und hat seit circa drei Jahren nichts von sich hören lassen. Seine alte Mutter bittet um Nachricht über ihren Sohn.

22) Max Böhme aus Ronneburg war im Frühjahr 1870 an Eisenbahnbauten in der Nähe von Breslau beschäftigt und schrieb zuletzt im Juni aus Klein-Tschansch bei Breslau, daß er nach Rumänien gehen und dort beim Eisenbahnbau Stellung suchen wolle. Seitdem verschollen.

23) Dem Matrosen Friedrich Borgwardt, genannt Fred-Smith, der 1869 vor seiner Militärdienstzeit nach Australien entwich, dafür aber später mit Geld büßte, haben seine Geschwister 1877 unter seiner Adresse (Victoria bei Melbourne in Australien) die Nachricht über den Tod seines jüngsten Bruders, des Steuermanns Heinrich B., gemeldet, den Brief aber, und zwar erst in diesem Frühjahr, als unbestellbar zurückerhalten. Vielleicht finden diese Zeilen den Vermißten selbst oder Personen, die sein Schicksal kennen.

24) Zu Pedasi in Panama (Centralamerika) lebte um 1867 der zu Wolmirstedt bei Magdeburg geborene Leopold Paul Buschold, damals etwa dreiunddreißig Jahre alt und seines Zeichens Bildhauer. Auch über ihn bittet die Mutter um Kunde.

25) Friedrich Ehrhardt oder Friedrich Dieckmann (denn der Vermißte führt beide Namen) aus Mülheim an der Ruhr hat 1867 als Matrose in England auf einem Schiffe Dienste genommen, das nach Aden bestimmt war, aber auf hoher See verunglückt zu sein scheint. Neuerdings kam aus Sumatra die Nachricht, daß Ehrhardt dort als Herr Dieckmann in Diensten der holländischen Regierung stehe. Um nähere Kunde bittet seine Mutter, die jetzt zu Mishawaka, St. Indiana, St. Joseph County in den Vereinigten Staaten Nordamerikas lebt.

26) Friedrich Wilhelm Frömmig, praktischer Arzt und Geburtshelfer, geboren am 23. März 1817 in Leipzig, seit 1847 in Amerika, und zwar zuerst in Buffalo. Die letzten Nachrichten von ihm kamen in der Mitte der fünfziger Jahre aus Potosi in Bolivia (Südamerika), wo er sich am längsten aufgehalten zu haben scheint. Um nähere Kunde bittet sein in Leipzig lebender Bruder.

27) Zwei Brüder Franke aus Kreidelwitz, Kreis Glogau, werden von der Schwester derselben seit Jahren vergeblich gesucht: von Gustav Hermann, einem Schneider, kennt man nur als letzten Aufenthaltsort 1865 Berlin – und der Andere, Ernst Oswald, ein Tapezierer, schrieb das letzte Mal aus Schleiden im Regierungsbezirk Aachen 1870.

28) Wie wir aus einer Zuschrift des kaiserlich deutschen Consuls in Melbourne ersehen, ist von ihm, sowie auch von dem kaiserlich deutschen Consul zu Sidney nach dem jetzigen Aufenthalte des Knopfmachers Wilhelm Frenzel aus Eythra bei Leipzig vergeblich gesucht worden. Er war schon im Jahre 1856 (an seinem zwanzigsten Geburtstage, am 8. October) nach Amerika abgereist, erwarb sich erst als Goldsucher, dann als Photograph in Australien Vermögen genug, um sich Pferde und Wagen zu halten, verweilte oft in Melbourne, Sidney und anderen Orten und ist seit nahezu drei Jahren, zum schweren Leid seiner hochbetagten Mutter, verschollen.

29) C. D. Arnaldo Friedlein aus Leipzig reiste 1852 in Begleitung seiner beiden in Portugal gebornen Kinder, eines Knaben und eines Mädchens von sechs bis acht Jahren, nach Melbourne, um in Australien ein Geschäft zu begründen. Seitdem ist seinen Verwandten keine Kunde weder von ihm noch einem der Kinder zugekommen. Jede Notiz über sie würde sehr dankbar begrüßt werden.