Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 6, 4)

Textdaten
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Autor: Diverse
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Titel: Miscellaneen
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 6, S. 507-512
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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VIII.
Miscellaneen.


1.
Den 27 April 1793. 
Auffallend ist es immer, daß die Processionen welche in der Bittwoche und am St. Markus Tag| nach dem Orte Waigolshausen, Amts Werneck, geführet werden, zwey Jahre nach einander, zwey schreckliche Todesfälle zur Folge gehabt haben. Voriges Jahr den 14ten May den Montag in der Bittwoche, blieb der Schultheiß Adam Huppmann von Rundelshausen, Pfarren Ettleben – mit mehrern andern (welche vermuthlich das Wirthshaus bey ihrem Wallfahrtgehen zum Gegenstande hatten) zu Waigolshausen von der Procession zurück; und weil der untere Stock schon voll durstiger Wallfahrer war, mußte dieser Schultheiß mit seiner Gesellschaft den obern Stock beziehen – und, ich weiß nicht wie – natürlicherweise, nachdem sie ihren Durst zur Genüge gelöschet hatten, fiel obengedachter Schultheiß rückwärts die Treppe herunter und brach den Hals.

 Das nämliche Schicksal, und auf eben diese Art, hatte dieses Jahr den 25 April auf St. Markus Tag der erst neuerlich bey dem Wernecker Amts-Milizen-Corps aufgestellte Feldwaibel, Andreas Ziegler. Die Cent that allezeit ihre Schuldigkeit dabey. Man muß aber nicht glauben, daß der Treppe die Schuld beygemessen werden kann: denn sie ist ganz neu gebauet. Meinetwegen soll es der Procession auch nicht zum Nachtheil gereichen. Es wäre aber zu wünschen, daß die Policey nicht gleichgültig dabey bliebe, und, wo möglich, dergleichen Fälle zu verhüten suchte.


2.
 Der Schlackwürst-Krämer Hampe zu Braunschweig, dessen Unverschämtheit schon so oft, auch im gegenwärtigem Journal, gerügt und der besonders von Bürger in Göttingen verewigt worden ist, treibt seine Versuche, die Unterthanen des Fränkischen Kreises zum Einsetzen in die Braunschweiger Lotterie, gegen die geschärften Kreis- und andere oberherrliche Ständische Verordnungen, zu verführen, noch immer ungestört fort. Der Ausmarsch der Preussischen und Braunschweigischen Truppen scheint ihm| besonders eine erwünschte Gelegenheit gewesen zu seyn; diesen muß er seine Briefe nach dem hundert aufgepackt haben. Aus ihren Standquartieren am Main und Rhein fingen diese die Versendungen an, und da man von daher nichts von Heinrich Hampe aus Braunschweig vermuthete, erbrach man die Briefe und war um das Postgeld geprellt. Sollte diesem Unterthanen-Verführer nicht das Handwerk öffentlich gelegt werden können?


3.
Aus dem Teutschherrischen. 

 Der um das Schulwesen in den untern Teutschmeisterthums-Landen besonders verdiente Geheime Rath, Heinrich Weiß, ist von Se. Kurfürstlichen Durchlaucht dem Herrn Hoch- und Teutschmeister, seiner anderweitigen dem Vaterlande geleisteten Dienste wegen, unter Erhöhung des Gehalts zum wirklichen Canzleydirector befördert worden. Man wartet nur auf friedlichere Zeiten, um an allen Orten der obern und untern Teutschmeisterthums-Lande das heilsame Reformationsgeschäfft im Erziehungswesen abermahls vorzunehmen und zu beendigen. – Seit dem 1 Januar dieses Jahrs erscheint das zu Mergentheim herauskommende Wochenblatt ökonomischen Inhalts, wovon schon einmahl im Journal die Rede war, unter der Aufsicht des geschickten und aufgeklärten Herrn Abele, zweyten Lehrers der Philosophie, und gewinnt immer mehr an Gemeinnützigkeit und Reichhaltigkeit.


4.

 Von der in dem gegenwärtigen Journal II B. S. 308 auch erwähnten Rechenmaschine des Herrn Prahll, welche für 3 Conventionsthaler verkauft wird, ist im Anzeiger 1793. I B. n. 101 bemerkt, daß sie nichts weiter sey, als: die Nepperischen Stäbchen, in mehrere Kreise vertheilt, in Kupfer gestochen und auf eine Pappe geklebt; daß also dieselbe keine 3 Thaler werth sey.


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5.
Erlangen. 

 Am 11 April starb hier Herr D. Johann Heinrich Sommer, Consulent des Ritterorts am Steigerwald im 64sten Jahre seines Lebens und dem 38sten Jahre seines Dienstes. Er hatte sich durch seine unter Ayrers Vorsitz in Göttingen vertheidigte Doctorsdisputation bekannt gemacht.


6.
Hof den 10 April. 

 Am 7 April verloren wir einen hoffnungsvollen jungen Gelehrten, Herrn M. Joh. Christian Kapp, Conrector des hiesigen Gymnasiums, im 29 J. seines Alters durch den Tod. Die bereits gelieferten Proben seiner philologischen Gelehrsamkeit versprachen noch manche vortreffliche Frucht seines Fleißes, die wir jetzt entbehren müssen.


7.
Aus dem Taubergrunde im April 1793.
 Den 22ten dieses starb zu Distelhausen an der Tauber Frau Maria Rosina Abendantz, gebohrne Buchler. Der fürs wahre gute ganz gestimmte Herr Pfarrer Kunkel zu Distelhausen hat ihr in Gegenwart vieler hundert Menschen den kurzen, aber doch sehr bündigen Leichen-Sermon gehalten. Das ist in dortiger Gegend zwar nicht gewöhnlich aber diese Frau machte auch mit Recht eine Ausnahme von der Regel. Sie war eine wahre Mutter der Armen und Angefochtenen, die ihr bittere Thränen über ihren Verlust nachweinten. Sie nahm aber auch das ungeheuchelte Beyleid der Reichen und Angesehenen mit sich in das Grab. Mit ihrem noch lebenden Ehemann, mit welchem sie 52 Jahre in der Ehe gelebt, hat sie durch ihren berühmten Weinhandel ein Vermögen von weit mehr als 100000 fl. erworben, welches geistliche und weltliche Arme reichlich zu genießen hatten. Ihre goldene Hochzeit feyerte sie im May 1791 mit ihrem Ehemanne auf folgende Weise: zwölf Arme wurden| ganz neu gekleidet, diese und viele andere gespeiset, und Geld und Brod unter sie ausgegeben. Für Einheimische und Fremde war an jenem Tage im Gasthofe die Zehrung frey, auch freyer Tanz im Wirthshause. Im Hochzeithause selbst war Ball und Tafel, und wer nur kam, wurde auf das freundschaftlichste aufgenommen und bewirthet. Sogar den Juden wurde gekoscherter Wein und freye Musik gegeben. Alle Bildstöcke in der ganzen Gegend wurden mit neuen Farben angestrichen; Abends war Erleuchtung und Feuerwerk. Viele tausend freueten sich da auf Kosten des Jubelpaars.


8.

 Noch vor Ausgang des Aprils haben die Königsberger wieder einen neuen Superintendenten bekommen. Er heißt Johann Christian Schwesinger und war 44 Jahre Pfarrer in Seydungstadt. Er gibt sich für nicht älter als 69 Jahre an. Das zugegeben, was aber sein Ansehen zu widerlegen scheint, so haben die Königsberger doch bald wieder einer neuen Veränderung entgegen zu sehen. Denn wie viele Männer sind noch bey Annäherung der 80er Jahre zur Führung eines so wichtigen und mühevollen Amts geschickt?


9.

 Der verdienstvolle Stifter und erste Lehrer des Schullehrerseminars zu Meiningen, Herr Adjunct Walch, der im August vorigen Jahrs Diakonus an der dasigen Stadtkirche wurde, hat nun die offen gewordene Superintendur zu Salzungen, auf welche er schon längst eine Expectanz hatte, zu seiner Belohnung erhalten. Der Caplan und Rector Keyßer zu Sonneberg hat seine Stelle im Seminar erhalten.

 Bey diesem nützlichen Seminar ist auch die Anstalt getroffen, daß die Seminaristen von einem Hofgärtner in der Baumpflege, und im verbesserten Feldbau unterrichtet werden.


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10.
Aus dem Itzgrund im April 1793.

 Eine meiner interessantesten Lectüren dieses Jahrs waren des Lieutenant Grabners Briefe über die vereinigten Niederlande, die im vergangenen Jahre bey Ettinger zu Gotha mit Kupfern herausgekommen sind; und eine der merkwürdigsten Stellen für mich war die Behauptung dieses erfahrnen Mannes:

 „die Güte der holländischen Butter und des Käses ist weniger Folge der Weide, als der sorgfältigen Zubereitung.“

 Als Landwirth in einer der gesegnetesten Gegenden unsers Frankenlandes konnte mir diese Behauptung unmöglich gleichgültig bleiben, und als Freund der wahren Industrie wünschte ich mir eine auf Erfahrung gegründete genaue Beschreibung, wie der Holländer seinen Käs und seine Butter macht. Ist die Grabnerische Behauptung richtig; so müßte es nicht gut seyn, wenn man im Itzgrunde, woraus jährlich so viele Ctr. Schmalz ausgeführt werden, in der Zubereitung nicht eben so sorgfältig zu Werk gehen könnte, als in Holland oder Friesland. Ich sollte freylich eine solche Frage zu thun, nicht nöthig haben, da ich selbst in Holland vor 30 Jahren mehrere hundert Gulden verzehrte: allein bedenken Sie nur, daß man es vor 30 und mehr Jahren weit unter der Würde eines Fränkischen Dorfjunkers hielt, sich um die Verfertigung des Holländischen Käses und der Holländischen Butter genau zu erkundigen. Wir hatten nur die Namen der Orte zu merken, durch die wir gekommen waren, welches der Anstrich der Häuser war, wo die schönsten Gärten, und in welchen die herrlichsten Tulpen, Hyacinthen und Nelken waren, und wo man irgend sich einfallen ließ, messerrückenbreit von den Aussprüchen des Synodi Dordracenae abzuweichen.