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Titel: Menageriebilder (2)
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aus: Die Gartenlaube, Heft 29, S. 459-461
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[459]

Menageriebilder.

Nr. 2.

In Herrn Jamrach, dem Besitzer einer Menagerie in London, der aber zugleich auch mit den Bestien handelte, lernte ich, wie es schon halb und halb sein Name ahnen ließ, einen biedern Deutschen kennen, und zwar einen Mann von so herkulischen Dimensionen, daß freilich jeder vorsichtige Löwe oder Tiger eine thätliche Erörterung mit ihm abgelehnt haben würde, besonders wenn er seine Beweisgründe noch mit einer Brechstange unterstützte, die überhaupt, wie ich später erfuhr, das entscheidende argumentum ad bestias in der Abrichtung seiner Eleven bildet. Als ich ihm den Zweck meines Besuches zu erklären versuchte, lachte er – und ich lachte mit; denn jetzt erst fiel mir auf, daß ich eigentlich auf nichts Geringeres ausgegangen war, als ihm so nebenbei im Handumdrehen den ganzen, durch lange Jahre und saure Mühe erworbenen Schatz von Kenntnissen und Erfahrungen abzunehmen. Ich wäre nämlich gerne, wie Faust’s Schüler, in kürzester Frist und auf die bequemste Weise so recht grundgelehrt geworden in allen Eigenschaften wilder Thiere und der zweckmäßigsten Behandlung eines jeden. Indessen, ein herzliches Lachen stimmt Jedermann wohlwollend, und Herr Jamrach bestätigte die Regel. „Hier habe ich nur kleines Zeug,“ sagte er, „meist Vögel, wie Sie sehen; kommen Sie aber mit mir ein Stück Weges die Straße hinunter, dort werde ich Ihnen meine größern Schüler präsentiren. ’S ist nur ein hundert Schritt von hier.“

In einen Hof tretend, stand ich zwischen zwei Reihen Käfigen, von denen zufällig jedoch nur wenige bewohnt waren. Ein Condor der Anden, der höchst verdrossen und gelangweilt in seinem Käfig schmollte, hatte fast die eine Seite des Hofes für sich allein. Weiter hin kam ich an eine Leiter, die zu einer Art Dachluke führte. Da müsse ich hinauf, sagte Herr Jamrach, was mir die verwunderte Frage entlockte, ob er denn das Rhinoceros etwa schon so weit gebracht, daß es Leitern hinaufklettere. „Es ist nicht da oben,“ erklärte cr, „sondern unten in einem Stalle; aber durch ein Loch in dem Boden oben werden Sie es bequem sehen können.“

So schaute ich denn hinunter durch das Loch, und richtig, da stand das vorsündfluthliche Ungeheuer und labte sich behaglich an Heu. Herr Jamrach wurde jetzt abgerufen und übertrug meinen weitern Unterricht seinem Thierwärter. Dieser Mann war körperlich der vollendete Gegensatz seines Herrn, ebenso klein und anscheinend schwach, als jener groß und stark war, und dennoch kam ihm die Ehre zu, eine entflohene Tigerin besiegt und heimgebracht zu haben. Er war voller Anekdoten und höchst mittheilsam, sodaß meine Lernbegier auf’s Neue erwachte und ich die Gelegenheit eifrigst benutzte, mich in alle Geheimnisse seines Faches einweihen zu lassen. Pflichtschuldigst erkundigte ich mich zuerst um den König der Thiere. Es sei leichter, meinte er, das Vertrauen eines Löwen, als eines Tigers zu gewinnen; doch aber benähmen sich Tiger und Tigerinnen zuweilen recht liebenswürdig. „Die Tigerin, die damals ausgebrochen ist,“ sagte er, „kannte mich ganz gut und schien mich recht lieb zu haben. Gar oft, wenn ich an ihrem Käfig vorüberging, streckte sie beide Tatzen zwischen den Gittern heraus und winkte mich zu sich.“

„Sie lehnten natürlich eine so bedenkliche Einladung freundlich ab?“ frug ich.

„Warum denn? So oft ich Zeit hatte, ging ich zu ihr, und da legte sie mir ihre Tatzen auf beide Backen und streichelte mich ganz liebevoll. Ueberhaupt sind Tiger und Löwen in ihrem Käfig meist ganz sanft; wenn es ihnen aber gelingt, loszubrechen, dann kehrt ihre angeborne Wildheit auch zurück. Sie vergessen dann alle frühere Freundschaft, und man darf ihnen weder Gnade noch Barmherzigkeit zeigen. In solchen Fällen gibt’s nur ein Mittel, das hilft.“

„Und welches ist das?“

„Man muß sie gleich vor den Kopf schlagen, sie betäuben. So habe ich die Tigerin bedient. Ich schlug sie mit einer Brechstange nieder. Eine Weile lag sie wie todt, und als sie wieder zu sich kam, hatten wir einen schönen Tanz. Sie zeigte mir ihr [460] Gebiß und zerrte dorthin, ich zeigte ihr meine Brechstange und zerrte daher. Das Nachhausegehen wollte ihr gar nicht behagen, aber ich und meine Stange, wir haben sie doch dazu überredet.“

„Und hat sie Ihnen je vergeben?“ fragte ich. „Ich sollte meinen, daß ihr freundliches Winken und Streicheln jetzt ein Ende hatte.“

„Durchaus nicht. Nach ein paar Tagen waren wir so gute Freunde, wie je.“

„Ihr Gedächtniß war wohl nicht sonderlich?“ meinte ich; „sie hat die Sache wahrscheinlich wieder vergessen?“

Der Wärter schüttelte lächelnd den Kopf. „Löwen und Tiger haben ein ganz vortreffliches Gedächtniß,“ sagte er; „ich will Ihnen einen Beweis dafür geben. Schauen Sie mal diese Käfige an. Sie werden bemerken, daß wir sie mit einem eisernen Rechen durch eine schmale Oeffnung unten im Gitter reinigen müssen. Nun ist es ein gewöhnlicher Witz der frisch angekommenen Tiger und Löwen, den Rechen zu packen, zu beißen und zu zerbrechen. Diese Unsitte muß ihnen abgewöhnt werden, und unser Mittel ist einfach: wir machen den Rechen brennend heiß, und kein Löwe oder Tiger beißt ihn zum zweiten Mal.“

In diesem Augenblick veranlaßte uns ein kurzes, beistimmendes Grunzen des gefangenen Rhinoceros, durch das Loch hinabzuschauen. Aber die Dame hatte sich unsichtbar gemacht. Das neugierige Angaffen eines Fremden schien ihr Zartgefühl beleidigt zu haben, sodaß sie sich nach der andern Ecke ihres Stalles zurückgezogen, wohin ihr meine Blicke nicht folgen konnten. Der Wächter war entrüstet. Was fiel ihr ein, so spröde zu thun gegenüber einem in bester Form vorgestellten Herrn?

„Ho ho, Mauta!“ sagte er, sie bei ihrem indischen Namen rufend, denn sie war eine Bewohnerin des Ganges – „ich will Dich bessere Manieren lehren – Warten Sie nur ein bischen,“ setzte er, zu mir gewendet, hinzu, „ich will hinunter und sie aufstacheln; ich werde sie schon vorbringen.“

Die Gartenlaube (1860) b 460.jpg

Affen in stiller Thätigkeit.

Ich bat ihn, es zu lassen, denn es schien mir geradezu Tollkühnheit. Lächelnd hieß er mich, keine Sorge zu haben. Wie der Schulmeister das spanische Röhrchen ergreift, so packte er jetzt mit starker Faust ein mörderisch aussehendes Instrument, das nichts Geringeres war als eine altdeutsche Streitaxt mit einer scharfen Spitze oben und am Rücken, und schwang sich durch das Loch hinunter. Bumm! ging die Axt rechts und links, und unter Grunzen und Schnaufen kam das so freundlich persuadirte Rhinoceros wieder hervor in das Licht. Unsere schönen Leserinnen mögen sich jedoch über dies nur grausam scheinende Verfahren beruhigen. Da das Rhinoceros mit einer Haut gesegnet ist, durch welche selbst eine Flintenkugel nicht dringt, so mochten ihm die wuchtigen Hiebe der Streitaxt vermuthlich nur den Eindruck eines scherzhaften Streichelns oder Kitzelns machen. Jetzt erst bemerkte ich, daß das Horn auf der Nase, dem der Name dieses Thieres entnommen ist, beinahe verschwunden war – die unausbleibliche Folge der Gefangenschaft, wie ich erfuhr. Diese Thiere haben es nämlich in der Art, die Spitze des Horns schneller an der harten Wand ihres Stalles abzureiben, als es an der Wurzel nachwachsen kann, und so wird es immer kleiner.

Uns von hier weiterwendend, kam ich an einer Reihe Käfige vorbei, in denen kleine Thiere waren, und fühlte plötzlich eine sammtartige Berührung auf dem Rücken meiner Hand. Mich umsehend, gewahrte ich ein Thierchen, das zwar nicht ganz ein Affe schien, sich aber doch der Gattung näherte. Ich irrte nicht in der Vermuthung, daß es dem auf Madagaskar hausenden Lemurengeschlecht angehören möge. Das arme Ding bettelte um etwas zu fressen. Die Lemuren sind, wie die Affen, sehr starke Esser. Das Erziehungsinstitut des Herrn Jamrach bot eine reiche Auswahl jeder Art. Da saßen sie, schnatternd, grinsend und Gesichter schneidend. Zum ersten Male entdeckte ich, wo alle die Affen herkommen, die in den Straßen Londons ihre Kunststücke produciren. Ich bekenne mich zu einer gewissen Sympathie für diese kleinen Waldmenschen und hatte oft die Absicht, meine Familie um einen derselben zu vergrößern. Unbekannt jedoch mit dem wahren Affenmarkt, wendete ich mich wiederholt um Aufschluß an die Orgelmänner und Savoyarden auf der Straße, die aber den ganzen Affenhandel so geschickt in ein unentwirrbares Geheimniß zu hüllen verstanden, daß ich endlich daran verzweifelte, den Meinen die Gelegenheit zu verschaffen, sich in dieser Carricatur der Menschheit zu bespiegeln. Der Preis für Affen ist gar nicht so übermäßig, wenn man an die rechte Quelle geht. Haltung und Benehmen werden höher angeschlagen als das bloße Aussehen, und Damen gelten, wie billig, für kostbarer als Herren. Die langschwänzigen Affen, vulgo Meerkatzen, vertragen das Klima besser als andere.

In einer Situation kann man, wo Affen zu sehen sind, einige gewiß antreffen, das ist die, wenn sie sich gegenseitig die lebenden [461] Bewohner ihres Felles absuchen und die gefundenen schleunigst verzehren, welche Umschreibung man auch kürzer mit einem einzigen Zeitwort ersetzen kann. Da sie aber die erhaschten Unglücklichen fressen, so könnte man eigentlich ungewiß sein, ob dieser materielle Trieb oder das höhere Interesse der Reinlichkeit und öffentlichen Wohlfahrt sie zu der ganzen Thätigkeit veranlaßt; jedenfalls muß der Grund ein sehr wichtiger sein, denn in der That ist der Ernst nicht zu übertreffen, womit der Eine dasitzt und mit den Fingern der einen Hand das Kopfhaar seines Freundes auseinander biegt, um mit der andern die Schmarotzer ohne Gnade zu fassen und zu vertilgen, während dieser mit der Seelenruhe des Gerechten dasitzt, wohl wissend, daß neben dem angenehmen Gefühl des Krauens ihm auch eine hohe Wohlthat erzeigt wird. Ist ein Dritter dabei, so hilft dieser entweder mit, indem er sich auf Schultern, Armen oder Beinen ein anderes Feld seiner Thätigkeit aussucht, oder er hält wenigstens den Abzusuchenden, oder auch er beobachtet genau das Verfahren der Andern, um es sich selbst gehörig einzuprägen. Paviane mit ihren schwarzen larvenartigen Gesichtern nehmen sich in dieser Thätigkeit immer am drolligsten aus, denn ihre hellen obern Augenlider erhöhen den wichtig-komischen Ausdruck ihres Gesichts ungemein.

Auch dem Menschen erzeigen die Affen gern diese Wohlthat, und wenn Jemand seinen Kopf nicht darbieten will, um bei seinen Nebenmenschen nicht in den Verdacht der dazu treibenden Nothwendigkeit zu kommen, so genügt ihnen auch ein etwas behaarter Arm oder Hand, um sofort eine Suche anzustellen, die, wenn auch fruchtlos, sie nicht leicht ermüdet.

„Sie müssen doch im Ganzen ein etwas gefährdetes Leben führen?“ bemerkte ich. als wir wieder zu dem Rhinoceros zurückkamen. „Fürchten Sie sich nicht zuweilen?“

Er lächelte. „Nicht vor Thieren und Vögeln, aber die Schlangen, die gefallen mir allerdings nicht sonderlich.“

„Handeln Sie auch mit Schlangen?“

„Von jeder Art und Größe. Ich bin so ziemlich vertraut mit ihrer Art und Weise, doch aber kommen zuweilen unbekannte Gattungen, mit denen ich mich nicht gut zurechtfinden kann. Vor kurzem kamen erst wieder vierzig Blasennattern, die giftigsten und bissigsten von allen Schlangen, an, und ich mußte sie alle, eine nach der andern, aus der Kiste nehmen, um sie extra einzeln zu verpacken und weiterzuschicken. Ich muß gestehen, daß mir diese Arbeit nicht sehr behagen wollte.“

„Packen Sie diese Thiere mit Zangen?“

„Wir haben nicht eine einige Zange im Hause,“ erwiderte er.

„Nun, wie greifen Sie die glatten Geschöpfe?“

„Ich fasse sie mit dem Zeigefinger und Daumen dicht hinter dem Kopf und halte sie fest. Das ist die einzige Art, mit ihnen fertig zu werden.“

„Tragen Sie dabei Handschuhe?“

„Ja, aber sehr dünne, denn dicke Handschuhe würden meine Finger an der freien Bewegung hindern. Eine Schlange würde leicht eine Menge solcher Handschuhe, wie ich trage, durchbeißen; aber ich denke, das Leder fängt doch immer etwas von dem Gifte auf, wenn es auch dünn ist, – was freilich, wie die Gelehrten behaupten, nur eine Einbildung sein mag. Eine Blasennatter ist die häßlichste Schlange, die ich kenne. Ihre Manieren sind so abscheulich, wie ihr Aussehen. Mit der Klapperschlange komme ich sehr gut aus: die ist ein Gentleman, und verfährt offen und ehrlich. Ehe sie beißt, rasselt sie zur Warnung zweimal mit der Klapper. Nach einmaligem Rasseln kann man sie noch mit voller Sicherheit anfassen; sobald sie aber zum zweiten Male geklappert hat, heißt’s zurücktreten, oder es kostet das Leben.“

Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, daß es unter solchen Umständen doch wohl gerathener sei, die Blasennattern, Klapperschlangen, Cobra’s und das ganze Giftgezüchte ungestört in ihren heimathlichen Schlupflöchern zu lassen, denn die Befriedigung der Neugier durch ihren nicht einmal schönen Anblick wiegt doch sicher die damit verbundene Lebensgefahr ihrer Wärter nicht auf. Indessen ergab sich im Verlauf des Gesprächs, daß selbst der Handel mit diesen Productionen einer üblen Naturlaune seiner wirklichen Nützlichkeit halber noch eine Rechtfertigung zuläßt. Diese Geschöpfe werden nämlich an Physiologen und andere Forscher vertheilt, um die Wirkungen des Giftes zu ermitteln. So hatte dieser Wärter selbst viele von den genannten Blasennattern zu diesem Zweck nach Deutschland gebracht, worüber sich unsere armen Katzen und Kaninchen, an denen meist experimentirt wird, sicher wenig gefreut haben werden.

Eben kam Jamrach zurück, und ich fragte ihn unter Anderem, ob er auch einen Riesen-Salamander besitze, den ich bisher nur ein einziges Mal in der Menagerie von Amsterdam gesehen hatte.

„Nein,“ erwiderte Herr Jamrach, „das wäre zu kostspielig und gewagt. Doch da Sie den in Amsterdam kennen, will ich Ihnen auch erzählen, wie er nach Europa kam. Die Salamander dieser Art finden sich nur in Japan und sind auch dort selten. Nichts destoweniger gelang es einem holländischen Arzt, der sich längere Zeit in Nangasaki, oder vielmehr in der holländischen Factorei von Decima bei dieser Stadt, aufhielt, deren acht zu sammeln, was ein kleines Vermögen war, wenn es ihm gelang, sie lebend nach Europa zu bringen. Mit reisenden Salamandern, wie mit marschirenden Heeren, bildet die Proviantirung die Hauptschwierigkeit. Sie leben nur von frischen Süßwasserfischen, und nun können Sie sich selbst die Aufgabe vorstellen, diese wählerischen Thiere auf dem ganzen sechsmonatlichen Seeweg von Japan nach Europa zu beköstigen, zumal sie sich eines sehr gesegneten Appetits erfreuen und die Fahrt überdies nicht selten noch ein paar Monate länger währt. Für die täglichen Mahlzeiten eines Tigers von Bengalen aus zu sorgen, ist eine Kleinigkeit gegen das, was der Doctor unternommen hatte. Endlich schiffte er sich ein mit seinen Salamandern, den lebenden Süßwasserfischen in großen Fässern und dem Futter für die Fische, die ja auch beköstigt sein wollten und die für gewöhnliche Matrosenkost von Salzfleisch und dürren Erbsen gar wenig Neigung verrathen. Ich weiß nun nicht, dauerte die Reise länger als gewöhnlich, oder hatte der Doctor den durch die Seeluft vielleicht noch geschärften Appetit seiner Pfleglinge zu gering angeschlagen, kurz, die Fische verschwanden einer nach dem andern bis zum letzten, und die Salamander machten Zeichen nach mehr. Was war zu thun? Nur eins, und ich bedauere, es erzählen zu müssen. Man entschloß sich endlich zu salamandrinischem Cannibalismus. Salamander Nummcr Eins fiel unter dem Messer des Proviantmeisters und wurde, unparteiisch vertheilt, von seinen Brüdern verschmaußt. Dem armen Doctor mußte das Herz geblutet haben, als er ihnen diese kostbare Speise, den achten Theil seines geträumten Vermögens, auftischte! Aber dabei verblieb es nicht. Salamander Nummer Zwei folgte dem ersten, diesem der dritte, und so ging es fort, bis auch die zwei letzten das Loos geworfen hatten, und endlich dem Allerletzten nichts mehr übrig blieb, als sich selbst zu fressen. Da aber zeigte sich in der höchsten Noth das Land, frische Fische waren bald verschafft, und Salamander Nummer Acht, das lebenee Grab seiner sämmtlichen Cameraden, ziert jetzt das Museum von Amsterdam. Doch kann ich Ihnen mittheilen, daß er kürzlich durch einen Landsmann erfreut wurde, der extra von Japan kam, um ihm Gesellschaft zu leisten.“

Ich mußte dieser Plauderei ein Ende machen, und will nur noch hinzufügen, daß, wenn es einer unserer Leserinnen vielleicht nach einem Schooß Rhinoceroschen gelüsten sollte, sie diese Liebhaberei um drei bis viertehalbtausend Thaler befriedigen kann. Sollte sie einen Tiger vorziehen, so genügen, wenn der Markt gerade überfüllt ist, wohl sechs- bis siebenhundert Thaler, in gewöhnlichen Zeiten hält sich der Preis jedoch gegen zweitausend. Löwen sind etwas wohlfeiler. Die Hauptbedingung ist jederzeit baar Geld, Credit wird nicht gegeben, ebenso wenig gehandelt, dagegen aber für’s Beißen garantirt.