Maria von Medici (Gemälde der Dresdener Gallerie)

Textdaten
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Autor: Adolph Görling
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Titel: Maria von Medici
Untertitel: Von G. Fasolo
aus: Stahlstich-Sammlung der vorzüglichsten Gemälde der Dresdener Gallerie
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Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1848−1851
Verlag: Verlag der Englischen Kunst-Anstalt von A. H. Payne
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Erscheinungsort: Leipzig und Dresden
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Quelle: Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
aktuelle Zuschreibung des Bildes: Venezianisch
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Bild
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Bearbeitungsstand
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Marie de Medicis.

[288]
Maria von Medici.
Von G. Fasolo.

Es ist ein eigenthümliches Gefühl, wenn wir zum ersten Mal ein gutes Bildniß berühmter Personen sehen, deren Geschichte uns geläufig ist und deren Gestalt uns längst schon im Nebelreiche der Phantasie vorschwebte. Wir studiren die Züge, den Blick und die Haltung, welche das Portrait zeigt, voll Eifer und Interesse, um an diesen äußerlichen Zeichen den Charakter des Originals, wie er sich in heiterer, künstlerisch-genialer, blutiger oder frommer, zum Himmel gewandter Weise geltend gemacht hat. So selten ein Bildniß mit seinem ersten Totaleindruck der [289] unbestimmten Idee, welche wir von der Person in uns trugen, zu entsprechen pflegt, um so sicherer aber finden wir, das Charakteristische des Bildes mit dem Leben und dem Thun des Dargestellten vergleichend, in den einzelnen Partien uns befriedigt, bis wir dahin gelangt sind, aus diesem Einzelnen uns ein Ganzes zu erbauen, dies neue Bild unserer Einbildung einzuprägen. Wir endigen dann damit, dies Bild von der Geschichte der dargestellten Person in unsern Gedanken gar nicht mehr trennen zu können. Dies trifft genau bei diesem Bildniß der Maria von Medici, deren bloßer Name genügt, um eine ganze Reihe der bedeutendsten Ereignisse in Frankreichs Geschichte vor unser inneres Auge heraufzubeschwören, Ereignisse, die wir hier nicht erst noch besonders anzudeuten brauchen.

Das Portrait athmet eine seltene Wahrheit, ist in der Weise gehalten, wie Paolo Veronese zu malen pflegte, und zeigt jedenfalls in Zeichnung wie in Färbung, sowie in der, den Italienern geläufigen, täuschenden Wiedergabe der Kleiderstoffe eine hohe Begabung des Malers. Dieser wird als Fasolo genannt, ein Meister, über dessen Lebensverhältnisse, Geburts- und Todesjahr sehr wenig feststeht. Er soll 1572 zu Verona gestorben sein, und zwar an den Folgen eines Sturzes von einem im Saale des Podesta aufgeschlagenen Malergerüste. Dieser Fasolo hieß Gianantonio, war in Vicenza geboren und Jeloti’s Schüler, worauf er sich durch das Studium und das Nachahmen des Veronese selbst weiter bildete. Ganz in der Weise dieses Meisters ist sein berühmtestes Bild, die Kranken am Teiche Bethesda, gemalt. Die Gruppirung der zahlreichen Figuren dieses Stücks soll höchst meisterhaft sein. Dies Bild bewahrt die Kirche zu St. Rocco; indeß findet man in andern Kirchen und Palästen noch einige umfangreiche, meist allegorische Gemälde, denen, außer einer guten Zeichnung und harmonischen Gruppirung, jedoch kein besonderer Werth zusteht. Nicht zu verwechseln ist dieser Meister mit einem andern, fast gleichnamigen Maler, Bernardino Fassolo oder Farolo; letzterer war aus Pavia, ein Schüler Leonardo da Vinci’s, von welchem nur wenige Bilder nachgewiesen werden können. Bei aller Meisterschaft Bernardino Fassolo’s möchte es doch zu gewagt erscheinen, diesen Umstand dadurch zu erklären, daß die meisten Bilder Fassolo’s dem da Vinci selbst zugeschrieben wurden. Fassolo blühte um’s Jahr 1518.