MKL1888:Tischendorf

Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Tischendorf“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 15 (1889), Seite 726
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Tischendorf. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 15, Seite 726. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Tischendorf (Version vom 27.06.2022)

[726] Tischendorf, Lobegott Friedrich Konstantin von, bekannt durch seine Arbeiten für Kritik des Bibeltextes, geb. 18. Jan. 1815 zu Lengenfeld im Vogtland, studierte zu Leipzig Theologie und Philologie und habilitierte sich 1839 daselbst, bereiste, um Materialien zu einer Textreform des Neuen Testaments zu sammeln, einen großen Teil Europas und den Orient. Nach seiner Rückkehr erhielt er 1845 eine außerordentliche, 1859 eine ordentliche Professur der Theologie zu Leipzig. 1853 und 1859 unternahm er zwei neue Reisen nach dem Orient, besonders nach Ägypten und dem Sinai, von welcher er viele wertvolle Handschriften, insonderheit eine griechische Bibel aus dem 4. Jahrh., mit zurückbrachte (vgl. seine beiden Reisewerke: „Reise in den Orient“, Leipz. 1845–1846, 2 Bde., und „Aus dem Heiligen Lande“, das. 1862). Er starb 7. Dez. 1874. Seine Arbeiten betreffen hauptsächlich die neutestamentliche Textreform, so: die Ausgabe des „Codex Ephraëmi Syri“ (Leipz. 1843 u. 1845) und des „Codex Friderico-Augustanus“ (das. 1846); die „Monumenta sacra inedita“ (das. 1846; nova collectio 1855–71, 6 Bde.); „Evangelium Palatinum ineditum“ (das. 1847); „Codex Amiatinus“ (das. 1850 u. 1854); „Codex Claromontanus“ (das. 1852); „Fragmenta sacra palimpsesta“ (das. 1854); „Codex Sinaïticus“ (Petersb. 1862, 4 Bde.; Handausgabe, Leipz. 1863, faksimiliert); das „Novum Testamentum Vaticanum“ (das. 1867). Nach seinem Tod setzten O. v. Gebhardt und R. Gregory seine neutestamentlichen Arbeiten fort. Auch lieferte T. mit der Zeit 20 Ausgaben des neutestamentlichen Textes (8. größere Ausg., Leipz. 1869–1872, 2 Bde.; hiernach eine kleinere 1873), eine kritische Ausgabe der Septuaginta (7. Aufl., das. 1887, 2 Bde.) sowie Ausgaben der „Acta apostolorum apocrypha“ (das. 1851), der „Evangelia apocrypha“ (das. 1853, 2. Aufl. 1877) und der „Apocalypses apocryphae“ (das. 1866). Seine Lösung der Frage: „Wann wurden unsre Evangelien verfaßt?“ (Leipz. 1865, 4. Aufl. 1866) wurde von der Kritik fast einstimmig für einen verunglückten Versuch erklärt. Vgl. Volbeding, Konstantin T. (Leipz. 1862).