MKL1888:Tennyson

Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
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Originalseite(n)
589

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Tennyson. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 15, S. 589. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Tennyson&oldid=- (Version vom 15.09.2019)

Tennyson (spr. tennis’n), Alfred, engl. Dichter, geb. 6. Aug. 1809 zu Somerby in Lincolnshire als der Sohn eines Geistlichen, studierte zu Cambridge und gab bereits 1827 anonym mit seinem Bruder Charles die „Poems of two brothers“, dann 1830 die Sammlung „Poems, chiefly lyrical“ heraus, die aber wenig Beifall fand, obschon in Einzelheiten, wie in „Mariana, recollections of the Arabian nights“ und „Claribel“, poetischer Genius nicht zu verkennen war. Auch ein zweiter Band Gedichte (1833) erfuhr von der Kritik ziemlich unfreundliche Behandlung. Erst mit den zwei Bänden „Poems“, die 1842 erschienen, viele Auflagen erlebten und zum Teil Überarbeitungen früherer Poesien, zum Teil Neues enthielten, hatte T. Erfolg, und verschiedene darunter, wie „Morte d’Arthur“, „Godiva“ (deutsch von Feldmann, 2. Aufl., Hamb. 1872), „The May Queen“, „The gardener’s daughter“, gehören zu den schönsten Schöpfungen Tennysons. Insbesondere ist „Locksley Hall“ (deutsch von Freiligrath) durch Tiefe und Großartigkeit ausgezeichnet. Tennysons nächstes Werk: „The princess, a medley“ (1847), das reizende lyrische Bestandteile hat, erzählt von einem Prinzen und einer Prinzessin, die nach dem Willen der Eltern einander heiraten sollen, ohne sich gesehen zu haben, und ist halb realistisch, halb phantastisch gehalten. 1850 gab er einen Band Gedichte unter dem Titel: „In memoriam“ (deutsch von Waldmüller, 4. Aufl. 1879) heraus, welche, dem Andenken an einen verstorbenen Freund (Arthur Hallam, den Sohn des Historikers) gewidmet, das Seelenleben des Dichters und die Weichheit seines Gemüts entfalten. Neuen Beifall erwarb der inzwischen (1851) zum Poet laureate ernannte Dichter mit der „Ode on the death of the duke of Wellington“ (1852), der Dichtung „Maude“ (1855, darin die gewaltige „Charge of the light brigade“), namentlich aber mit den „Idylls of the king“ (1858; deutsch von Feldmann, 2. Aufl., Hamb. 1872), einem auf den sagenhaften Britenkönig Arthur bezüglichen Romanzencyklus, der eine Ergänzung fand durch die Bände: „The Holy Grail“ (1869), „Tristam and Iseult“ (1871), „Gareth and Lynette“ und „The last tournament“ (1872), welch letztere aber in der Lesewelt nicht mehr den Anteil erweckten, dessen die frühern Stücke sich erfreuten. Diese in fünffüßigen Jamben geschriebenen Idylle bilden ein großes Ganze. Zwischen das Erscheinen der Arthur-Idyllen fallen die Dichtungen: „Enoch Arden“ (1864) und „The Window, or the songs of the Wren“ (1870). Später versuchte er sich auch im Drama mit „Queen Mary“ (1875) und „Harold“ (1876; deutsch vom Grafen Wickenburg, Hamb. 1880), „The Falcon“ (1879), „The Cup“ (1881), „The promise of May“ (1882) und „Beckett“ (1884). Weitere Veröffentlichungen Tennysons sind: „The lover’s tale“ (1879), worin er auf Jugenderzeugnisse zurückgreift, um sich unberechtigter Publikation durch Dritte zu erwehren; „Ballads and other poems“ (1880); die poetische Erzählung „Tiresias“ (1885) und „Locksley Hall, sixty years after“ (1886; deutsch, Gotha 1888). Tennysons poetische Richtung ist vorwiegend kontemplativ, weniger aufs Erhabene gerichtet; meisterhaft sind seine Schilderungen des Natur- und Seelenlebens. Die Universität Cambridge hat T., der seit 1869 auf einem Landsitz in der Nähe von Petersfield in Hampshire lebt, durch Aufstellung seiner Büste in der Bibliothek der Trinity Hall geehrt, Oxford durch Verleihung des Doktorgrades; 1884 wurde er von der Königin als Baron T. von Altworth zum Peer ernannt. Seine gesammelten Werke: „Poetical works“, erschienen zuletzt 1886 in 10 Bänden, die „Dramatic works“ 1887 in 4 Bänden. Ausgewählte Dichtungen von T. in deutscher Übersetzung gaben Freiligrath (in „Englische Gedichte aus neuerer Zeit“, Stuttg. 1846), Hertzberg (Dess. 1854) und Strodtmann (Hildburgh. 1867) heraus. Letztere Ausgabe enthält auch das ungemein beliebte Gedicht „Enoch Arden“, welches außerdem noch von R. Waldmüller (30. Aufl., Hamb. 1888) u. a. übersetzt ward. Vgl. Wace, Alfred T. (Lond. 1881).