Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Radikāl“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 13 (1889), Seite 541
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Radikāl. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 13, Seite 541. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Radik%C4%81l (Version vom 01.02.2023)

[541] Radikāl (v. lat. radix, „Wurzel“), auf die Wurzel bezüglich; tief, bis auf die Wurzel eingreifend, gründlich, von Grund aus (vgl. Radikalismus); als Hauptwort (das R.) in der Chemie ursprünglich der hypothetische nähere Bestandteil der organischen Säuren, dessen Zusammensetzung sich ergibt, wenn man von den diese Säuren konstituierenden Elementen den Sauerstoff entfernt denkt. Das R. der Essigsäure C2H4O2 ist mithin die Atomgruppe C2H4. Das R. spielt also in der organischen Säure etwa dieselbe Rolle wie in der anorganischen Säure (Säureanhydrid, z. B. SO3) das Element. Letzteres ist ein einfaches, jene Atomgruppe der organischen Säuren ein zusammengesetztes R. Später hat man Radikale in allen organischen Verbindungen angenommen, und man nannte daher auch die organische Chemie die Chemie der zusammengesetzten Radikale im Gegensatz zur Chemie der einfachen Radikale, der anorganischen Chemie. Die Radikaltheorie, welche lange Zeit die Chemie beherrschte, wurde in verschiedener Weise ausgebildet, ist gegenwärtig aber vollständig verlassen. Vgl. Chemie, S. 985.