Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Niem“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 12 (1888), Seite 165
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Niem. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 12, Seite 165. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Niem (Version vom 04.09.2021)

[165] Niem, Theoderich (Dietrich) von, Geschichtschreiber, geb. 1350 im paderborn. Städtchen Nieheim, auf der Schule zu Korvei gebildet, erhielt in Paderborn die niedern Weihen als Kleriker, studierte sodann in Bologna und trat 1372 in den Dienst der Kurie zu Avignon, in dem er zum Abbreviator und Examinator aufstieg und reiche Pfründen erlangte. Besonders Papst Urban VI., dem er nach Rom folgte, schenkte ihm sein Vertrauen, doch verlieh ihm kein Papst die Kardinalswürde, was seinen Ehrgeiz kränkte. Auf dem Konstanzer Konzil genoß er großes Ansehen und beförderte die Herstellung der kirchlichen Einheit. Er starb 22. März 1418 in Maastricht. N. schrieb: „De Schismate libri III“, die Geschichte der Päpste 1378–1410 (Nürnb. 1532, 1592 u. öfter), die von der päpstlichen Mißwirtschaft ein lebhaftes Bild entwirft und daher vom römischen Stuhl verboten wurde; den „Nemus unionis“, einen an wichtigen Aktenstücken reichen Traktat (mit dem vorigen Werk in der Ausgabe von Schard, Basel 1566, vereinigt); „Historia de vita Joannis XXIII.“ (zuerst Frankf. 1628, dann in „Rer. germ. hist.“, Bd. 1, und von Hardt, „Concilium Constantiense“, Bd. 2, das. 1700, hrsg.) u. a. m., während seine Autorschaft bei andern Schriften, wie: „De necessitate reformationis ecclesiae in capite et in membris“, „De difficultate reformationis in capite et in membris“, zweifelhaft und die ihm zugeschriebenen „Vitae pontificum romanorum a Nicolao IV. usque ad Urbanum V. et inde ab anonymo usque ad annum 1418 continuatae additis imperatorum gestis“ (als „Continuatio chronici Martini Poloni“ von Eccardus in „Corp. hist. med. aev.“, Bd. 1, hrsg.) vermutlich ältern Ursprungs sind. Vgl. Sauerland, Das Leben des Dietrich von Nieheim (Götting. 1875); Erler, Dietrich von Nieheim (Leipz. 1887).