MKL1888:Landwirtschaftliche Versuchsstationen

Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Landwirtschaftliche Versuchsstationen“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 10 (1888), Seite 493
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Landwirtschaftliche Versuchsstationen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 10, Seite 493. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Landwirtschaftliche_Versuchsstationen (Version vom 02.03.2024)

[493] Landwirtschaftliche Versuchsstationen, Anstalten, welche dazu bestimmt sind, auf die Landwirtschaft bezügliche Fragen wissenschaftlich zu bearbeiten, um durch die gewonnenen Resultate der Praxis zu nützen. Die landwirtschaftlichen Versuchsstationen sind mit Grundstücken, Stallungen, Gewächshäusern, chemischen und physiologischen Laboratorien und Apparaten ausgestattet, und ihre Aufgaben betreffen hauptsächlich folgende Gebiete: tierphysiologische Versuche mittels der Stoffwechselgleichungen und des Respirationsapparats zur Förderung der Kenntnis vom Ernährungsprozeß; Fütterungsversuche mit vorwiegend ökonomischen Zielen und großen Reihen von Haustieren; pflanzenphysiologische Versuche in Gewächshäusern (Erziehung von Pflanzen in künstlichen Bodenmischungen und Salzlösungen, die sogen. Wasserkulturen); chemisches und physikalisches Studium des Bodens; Felddüngungsversuche und Agrikulturmeteorologie; landwirtschaftliche Technologie. Die landwirtschaftlichen Versuchsstationen standen anfangs meist unter der Leitung von Chemikern; sie wurden ursprünglich auf Stöckhardts Anregung (die erste 1851 zu Möckern bei Leipzig) als „agrikulturchemische Versuchsstationen“ gegründet, weil man damals alles Heil für die Landwirtschaft von der Chemie erwartete, und erst später fanden auch solche Aufgaben Berücksichtigung, welche nur oder vorwiegend mit Hilfe andrer Wissenschaften, namentlich Pflanzen- und Tierphysiologie, gelöst werden konnten. Vielfach sind die Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsstationen als Vortragende in den landwirtschaftlichen Vereinen thätig, und in neuerer Zeit haben die Stationen auch die Kontrolle des Dünger-, Futtermittel- und Samenhandels übernommen. In Deutschland bestehen l. V. in Insterburg, Königsberg i. Pr. (2), Danzig (2), Dahme, Berlin (2), Regenwalde, Eldena, Posen, Breslau (2), Proskau (2), Halle (2), Arendsee, Kiel (3), Kappeln, Göttingen (3), Hildesheim, Bremervörde, Ebstorf, Münster, Marburg, Wiesbaden (besonders für Weinbau und Weinbehandlung), Geisenheim, Bonn, Poppelsdorf, Kempen, München (3), Augsburg, Weihenstephan, Baireuth, Würzburg, Speier, Triesdorf und Landshut; Möckern bei Leipzig und Dresden wirken hauptsächlich für Tierphysiologie, Pommritz in der Lausitz zugleich für Felddüngungsversuche, Tharandt speziell für Pflanzenphysiologie und Samenkunde, Leipzig für Agrikulturchemie, Döbeln für Physik und Chemie des Bodens und für Vegetationsversuche; Hohenheim (2), Karlsruhe (2), Darmstadt für Boden und Dünger, Braunschweig hauptsächlich für chemisch-technische Untersuchungen, Rostock, Jena (generell), Zwätzen, Eisfeld, Köthen für Zuckerrübenkultur und Fütterungsversuche, Bernburg für Zuckerrübenkultur, Rufach besonders für Önologie und Pflanzenphysiologie, Bremen für Moorkultur. Unter den analogen Anstalten in andern Ländern haben sich große Berühmtheit erworben die in Cirencester in England, Lobositz, Privatanstalt des Fürsten von Schwarzenberg, Klosterneuburg für Weinbau und Kellereiwirtschaft, Görz für Seidenbau, Grignon in Frankreich und die großartigen Versuchsfelder der Herren Lawes und Gilbert zu Rothamstatt in England. Vgl. Kühn und Nobbe, Entwickelung und Thätigkeit der land- und forstwirtschaftlichen Versuchsstationen (Festschrift, Berl. 1877), und die Zeitschrift „Die landwirtschaftlichen Versuchsstationen“ (das.).