Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Klenze“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 9 (1887), Seite 835836
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Klenze. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 9, Seite 835–836. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Klenze (Version vom 03.05.2023)

[835] Klenze, 1) Leo von, Architekt, geb. 29. Febr. 1784 auf dem Gut seines Vaters im Fürstentum Hildesheim, bezog zum Behuf kameralistischer Studien die Universität zu Berlin, hörte jedoch fast ausschließlich architektonische und artistische Kollegia. Mit Schinkel vereinigte er sich zu einem eifrigen Studium der nachgelassenen Arbeiten Friedrich Gillys, die auf seine spätere Entwickelung von Einfluß wurden. Nachdem er in Berlin die Prüfungen der Bauakademie bestanden, ging er 1803 nach Paris, wo er als Schüler der polytechnischen Schule den Unterricht von Durand und Percier genoß und sich daneben unter Bourgeois insbesondere in der dekorativen Malerei weiter ausbildete, und einige Jahre später nach England und nach Italien. Hier zogen ihn namentlich die Ruinen von Pästum, Agrigent, Selinunt, Herculaneum und Pompeji an. 1808 wurde er von König Jérôme zum Hofarchitekten und 1810 zum Hofbaudirektor in Kassel ernannt. Die Ereignisse von 1813 führten ihn ins Privatleben zurück, bis er 1815 einen Ruf nach München erhielt. Die Reihe seiner dortigen Werke eröffnete er mit der Glyptothek, die zwischen 1816 und 1830 ausgeführt ward; es folgten das Hotel des Herzogs von Leuchtenberg, die königliche Reitbahn, der Bazar, das Kriegsministerium und das anatomische Theater. Er brachte damals zuerst auf deutschem Boden den Stil florentinischer Wohngebäude in Anwendung. Mit dem Regierungsantritt König Ludwigs I. begann eine neue glänzende Periode seiner Wirksamkeit, die durch seine amtliche Stellung als Oberbaurat noch gehoben wurde. Von seinen Schöpfungen dieser Periode sind die hervorragendsten: das Eingangsthor in den Hofgarten, das Postgebäude, die Alte Pinakothek im Stil des Bramante, die Allerheiligen-Hofkirche im italienisch-romanischen Stil, das Odeon und das Palais des Herzogs Max in moderner Renaissance, der Königsbau im florentinischen Palaststil, der Festsaalbau im Stil des Palladio, die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle bei Kelheim, die bayrische Ruhmeshalle und die Propyläen in München, jene im römischen, diese beiden im hellenischen Stil. 1834 reiste K. in Angelegenheiten des Hofs nach Griechenland und erhielt dort von der Regierung den Auftrag, die Prüfung und die Umarbeitung des Plans der neuen Hauptstadt zu übernehmen. Zugleich entwarf er hier den Plan zur Aufräumung und Restauration der Monumente der Akropolis. Seit 1839 stand er in Verbindung mit dem Hof zu Petersburg und war 1852 zum siebentenmal in dieser Stadt, um mehrere Bauten, z. B. das Museum der Eremitage, den Kaiserpalast und die St. Isaakskirche, aufzuführen. Im J. 1853 wurde K. der Stelle als Direktor der obersten Baubehörden in Bayern enthoben. Mit Thorwaldsen, Rauch und Kaulbach stand K. in engerer Beziehung, während er ein entschiedener Gegner von Cornelius war. Er starb 26. Jan. 1864 in München. Er veröffentlichte unter anderm: „Über das Hinwegführen [836] plastischer Kunstwerke aus dem jetzigen Griechenland“ (Münch. 1821); „Sammlung architektonischer Entwürfe“ (das. 1831–50, 10 Hefte); „Versuch einer Wiederherstellung des toscanischen Tempels nach seinen historischen und technischen Analogien“ (das. 1822); „Der Tempel des olympischen Jupiter zu Agrigent“ (Stuttg. 1821); „Anweisung zur Architektur des christlichen Kultus“ (Münch. 1835); „Aphoristische Bemerkungen, gesammelt auf der Reise nach Griechenland“ (Berl. 1838); „Die Walhalla in artistischer und technischer Beziehung“ (Münch. 1843). K. war mehr ein mit Geschmack und weiser Benutzung der vorhandenen Mittel, namentlich griechischer und italienischer Vorbilder, reproduzierendes als selbständig schaffendes Talent. Seiner Ansicht nach gab es nur eine Baukunst: die hellenische; was vorausging und nachfolgte, sind nur Bauarten. Mehr Hofmann als Künstler, hatte er sich in seiner dominierenden Stellung nur dadurch zu behaupten gewußt, daß er sich in die Launen seiner königlichen Bauherren fügte. Auch als Landschaftsmaler in Öl und Aquarell hat sich K. mit Glück versucht. Klenzes künstlerische Richtung ist schon bei seinen Lebzeiten nicht ohne Anfechtung geblieben, wie die Schrift Wiegmanns: „Ritter Leo v. K. und unsre Kunst“ (Düsseld. 1839) beweist.

2) Klemens August Karl, jurist. Schriftsteller, geb. 22. Dez. 1795 zu Heissum bei Hildesheim, beteiligte sich am Feldzug von 1813, wurde 1826 ordentlicher Professor der Rechte zu Berlin und Ordinarius des Spruchkollegiums, auch Stadtverordneter, in welcher Eigenschaft er sich durch seine Bemühungen um die Wohlthätigkeitsanstalten und die Verschönerung Berlins auszeichnete. Er starb 15. Juli 1838. Als Schriftsteller machte er sich bekannt durch die Ausgaben der „Fragmenta legis Serviliae repetundarum“ (Berl. 1825) sowie der „Institutiones Gaii et Justiniani“ (das. 1829), den „Grundriß zu Vorlesungen über die Geschichte des römischen Rechts bis Justinian“ (das. 1827, 2. Aufl. 1835), das „Lehrbuch des gemeinen Strafrechts“ (das. 1833) und die „Kritischen Phantasien eines praktischen Staatsmanns“ (das. 1834). Seine „Philologischen Abhandlungen“ gab K. Lachmann heraus (Berl. 1839).