Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Eisernes Thor“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 5 (1886), Seite 484
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Eisernes Thor. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 5, Seite 484. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Eisernes_Thor (Version vom 01.05.2024)

[484] Eisernes Thor (türk. Demirkapu), Name mehrerer Engpässe im südöstlichen Europa und im Orient. Die bekanntesten sind: 1) Der Eiserne Thor-Paß im siebenbürgischen Erzgebirge, im ungarischen Komitat Hunyad, der (510 m hoch) zwischen dem Pojana Ruska (1360 m) und der Vurvu Piatra (2192 m) ins Bisztrathal führt. Er hieß bei den Römern Pons Augusti, im Mittelalter Porta Vaczil, war ehedem durch ein eisernes Thor geschlossen und ist durch wiederholte Einbrüche der Türken bekannt. – 2) Berühmte Felsenenge an der Donau, unterhalb Alt-Orsova, welche, einen Teil der von Bazias bis Kladova sich erstreckenden, 60 km langen sogen. Klissura (s. Donau) bildend, die bedeutendste und gefährlichste Stromschnelle der Donau ist. Der eigentliche Eiserne Thor-Paß befindet sich bei der berüchtigten Felsbank Prigrada, wo der Strom bei 51 m Tiefe auf eine Breite von nur 117 m eingeengt wird, und wo Felsbänke und Felsvorsprünge, kolossale Steinklippen, heftige und gefährliche Wirbel, Wasserstürze und Widerströme mit einer rapiden Geschwindigkeit des Gefälles von 3–5 m in der Sekunde die Schiffahrt durch diesen Paß nicht ungefährlich machen. Ruderschiffe können daselbst kaum fahren, und schon mancher Dampfer (so 1862 das türkische Kriegsschiff Silistria) fand hier seinen Untergang. Erst bei einem Wasserstand von mindestens 21/2 m über Null am Pegel zu Orsova können Dampfer mit 1,5 m Tiefgang die Fahrt durch den Engpaß beginnen. An Bemühungen, die Klissura und besonders das Eiserne Thor, mit welchem Namen auch die ganze Donaustrecke bei Orsova bezeichnet wird, fahrbar zu machen, hat es schon im Altertum nicht gefehlt, wie die Steinarbeiten im Paß Kazan, verschiedene Römerinschriften und der alte Name Porta Augusti beweisen. Auch Österreich hat vielfache Sprengungen zur Beseitigung der den Handel stets mehr schädigenden Hindernisse vorgenommen, eine eigentliche Regulierung ist jedoch erst von einem gemeinsamen Vorgehen der interessierten Regierungen zu erwarten. Neuerdings sind darüber wieder Verhandlungen angeknüpft. Die landschaftliche Szenerie des Eisernen Thors, dessen Pässe und höhlenreiche Steilwände durch eine prachtvolle Waldflora gehoben werden, übertrifft an Großartigkeit jede andre europäische Stromlandschaft. Vgl. Kanitz in den „Mitteilungen der k. k. Geographischen Gesellschaft zu Wien“ 1874 und Stefanovics, Felsengen des Kazan und die Donau- und Theißregulierung (Wien 1879). – 3) Küstenpaß in Daghestan, bei der Stadt Derbent, zwischen dem Ostende des Kaukasus und dem Kaspischen Meer, Ausgangspunkt der im 6. Jahrh. n. Chr. erbauten Kaukasischen Mauer, die sich zwar nicht, wie die Chinesische Mauer (s. d.), über Berge und Thäler hinzieht, sondern nur in Thälern und an Pässen sich findet, aber ebenfalls die Bestimmung gehabt hat, die im N. wohnenden Nomaden von Einfällen in die von iranischen Völkern mit Fleiß bebauten Flußniederungen abzuhalten. Ihre Ausdehnung ist noch nicht festgestellt, doch scheint sie sich bis zum Schwarzen Meer erstreckt zu haben.


Jahres-Supplement 1890–1891
Band 18 (1891), Seite 227
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[227] Eisernes Thor, Beseitigung der Schiffahrtshindernisse, s. Donau.