MKL1888:Achal Teke-Oase

Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Achal Teke-Oase“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 1 (1885), Seite 81
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Achal Teke-Oase. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 81. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Achal_Teke-Oase (Version vom 21.01.2023)

[81] Achal Teke-Oase, ein Kreis des 1883 gebildeten Transkaspischen Gebiets, das dem russischen Statthalter des Kaukasus untersteht. Kreisstadt ist Aschabad. Die Oase beginnt bei Kisil Arwat und zieht sich als ein etwa 250 km langer, schmaler Landstrich längs des Kopet Dagh über Bami, Gök-Tepe, Aschabad bis nach Serachs hin. Ist schon die Strecke von Kisil Arwat bis Bami fruchtbar, so übertrifft dieselbe doch noch jene von Bami bis zum Tedschend, die als ein blühender Garten erscheint, dessen Boden zweimal im Jahre reiche Ernten gibt. Diese Fruchtbarkeit hängt wesentlich mit der hier in reichlichem Maß bewirkten Bewässerung zusammen. Eine Menge von Bächen entströmen dem Kopet Dagh und werden von den Tekinzen in unzählige Kanäle geleitet, welche in diesem vortrefflichen Boden überall ein üppiges Leben erwecken. Die Thäler des Tschandyr und Sumbar, Nebenflüsse des Atrek, sind nicht minder fruchtbar. Die Bewohner dieser Oase sind die Teke (Tekinzen), einer der vielen Stämme der Turkmenen; ihre Zahl beträgt etwa 4000 Kibitken. Wegen der von ihnen unausgesetzt vollführten Räubereien schon lange eine Geißel für die benachbarten Völkerschaften, unternahmen sie schließlich selbst in die russischen Gebiete ihre Raubzüge, so daß die Unterwerfung derselben für das Ansehen der Russen in Mittelasien endlich eine Notwendigkeit wurde. Nach mehreren erfolglosen Zügen gegen sie 1874, 1876, 1878 rüstete die russische Regierung 1879 eine neue und größere Expedition aus, welche den Posten Tschikischlar an der Mündung des Atrek zu ihrem Ausgangspunkt nahm. Das Expeditionsdetachement bestand aus kaukasischen Truppen; das Kommando führte General Lazarew. Nach Abzug der Etappentruppen blieben 7 Bataillone Infanterie, 2 Eskadrons, 6 Kosakensotnien und 13 Geschütze zum Vormarsch disponibel, welcher 6. Juni mit der Avantgarde, 30. Juli mit dem Gros angetreten wurde. Infolge der Hitze (oft 46° R.) und des meist salzhaltigen Wassers waren die Märsche äußerst beschwerlich; namentlich war das Überschreiten des 950 m hohen Kopet Dagh mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft. Da Lazarew inzwischen (13. Aug.) starb, übernahm sein Adjoint Lomakin das Kommando und rückte 20. Aug. nach Bendessen, dem ersten Teke-Aul, wo er sich mit der Avantgarde vereinigte. Über Bami, Beurma, Durun erreichte man 27. Aug. Jarodscha. Die Teke hatten das befestigte Gök-Tepe zu ihrem Zufluchtsort ausersehen; hier wollten sie Widerstand leisten. Am 28. Aug. rückten die Russen gegen diesen Ort vor, und noch an demselben Tag erfolgte der Angriff. Der Widerstand war aber ein so heftiger, daß ein unternommener Sturm auf die Tekefeste vollständig abgeschlagen wurde und die Russen sich zum Rückzug nach Tschikischlar entschließen mußten. Die Expedition 1879 war somit ebenfalls ohne Erfolg. Im folgenden Jahr (1880) wurde eine neue Expedition unternommen, deren Leitung General Skobelew übernahm. Man ging jetzt nicht bloß von Tschikischlar, sondern auch von dem Michaelbusen des Kaspischen Meers gegen die A. vor. Schon 6. Juli rekognoszierte Skobelew selbst Gök-Tepe, wo auch diesmal wieder die Entscheidung fallen sollte. Bami wurde zu einem befestigten Etappenpunkt gemacht, und von hier aus begannen die Operationen im November. Vorwärts Bami sich Stützpunkte zu verschaffen, war nunmehr die erste Sorge: so wurden 27. Nov. Karys und Kelat, 30 km vor Gök-Tepe, den sich hartnäckig verteidigenden Tekinzen genommen, 30. Nov. Jegnan-Batyrkul, 11 km vor Gök-Tepe, und letzteres als Samurskische Befestigung zum Ausgangspunkt für die Operationen gegen die Tekefeste bestimmt. Die Etappenstraße nach Bami wurde organisiert: 4000 Kamele und 100 vierspännige Wagen vermittelten den Transport von Lebensmitteln, Munition etc. In der Samurskischen Befestigung versammelte sich Mitte Dezember das Operationsdetachement: 9 Bataillone, 8 Kompanien, 2 Kommandos Infanterie, 2 Eskadrons, 8 Kosakensotnien Kavallerie, 75 Geschütze und 1 Kompanie Ingenieurtruppen, in Summa 8000 Mann Kombattanten. Am 20. Dez. wurde das im Süden von Gök-Tepe gelegene Janikala genommen und nunmehr 1800 m vor der Südfronte der Festung das russische Lager aufgeschlagen. Der förmliche Angriff begann 23. Dez. mit der Aushebung der ersten Parallele; die Arbeit dauerte bis 11. Jan. 1881. Während dieser Zeit fanden mehrere Ausfälle der Tekinzen statt, welche nur unter großen Verlusten abgewiesen werden konnten. Am 13. Jan. 1881 endlich wurde Gök-Tepe mit Sturm genommen und die Tekinzen somit vollständig unterworfen.