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Textdaten
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Autor: F. H.
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Titel: Ludwig Köhler
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aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 16
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[16] Ludwig Köhler. Die jüngste dichterische Schöpfung dieses rastlosen Geistes im gebrochenen Körper: „Die Dithmarsen, historisches Volksdrama in fünf Aufzügen“ (Hildburghausen, Selbstverlag des Verfassers; den Bühnen gegenüber Manuscript), ist eine so gelungene, daß wir sie zur Veranlassung nehmen, unsern großen Leserkreis mit dem Dichter selbst näher bekannt zu machen. Köhler ist ein Mann aus dem Volke, aus der Armuth, die leider auch diesem Dichter nie ganz untreu ward. Geboren 1819 zu Meiningen, rang er sich durch den Fleiß der stillen Nächte vom Lohnschreiber zum Studenten empor. Er lag den schönen Wissenschaften ob, erst in Jena, dann in Leipzig und zuletzt in München. Als seine besten Werke werden anerkannt von seinen größeren Romanen sein „Thomas Münzer“, ferner seine Novellensammlung „Primavera“ und seine „Freien Lieder“ (2. Auflage), die zu den besten Leistungen der neuern Lyrik gehören.

Um sich, seiner zahlreichen Familie zu Liebe, eine feste Existenz zu begründen, zog er nach Hildburghausen, wo er, als einer der vorzüglichsten Schriftsteller des Bibliographischen Instituts, an der Redaction der großen Meyer’schen Conversationslexika betheiligt ist. Hier gingen auch seine ersten Dramen „Bürger und Edelmann“ und „König Mammon“ zuerst über die Bühne. Letzteres kam auch auf mehreren Hoftheatern, zu Coburg, Meiningen, Gotha, Braunschweig etc. zur Aufführung und fand entschiedenen Beifall. Mehr als bloßen „Beifall“ erwarten wir aber von der Wirkung seines jüngsten Dramas: „Die Dithmarsen“, das eine öffentliche Stimme an poetischem Werthe unbedenklich den „Makkabäern“ Otto Ludwig’s gleichstellt, vor denen es noch den Vorzug habe, einen Stoff von so hohem nationalem Interesse zu behandeln: den siegreichen Kampf eines freien deutschen Heldenvölkleins gehen die dänische Königsmacht.

Könnten wir den Leser in des Dichters Arbeitsstübchen führen, sie würden vor ein ergreifendes Bild treten. Sieben in herrlicher Gesundheit blühende Kinder gruppiren sich arbeitend oder spielend um einen Mann, den jahrelanges Siechthum fast zum Greise gekrümmt hat und dessen Augen allein von der Kraft des Geistes zeugen, die ihn zu rastlosem Schaffen treibt, aber auch von der trüben Sorge, die sie um die Zukunft seiner Lieben umdüstert. Unwillkürlich muß man zu dem Gedanken kommen, daß die Schillerstiftung kaum einen Würdigeren für ihre thätige Theilnahme finden könnte, als Ludwig Köhler. – Vor Allem wünschen wir aber die Aufmerksamkeit der Bühnendirectionen auf Köhler’s Dithmarsen hingelenkt zu haben; möge das Publicum selbst allenthalben nach diesem Drama verlangen, damit dem vielgeprüften Dichter der wohlthuendere Lohn werde, den er in vollem Maße verdient hat.

F. H.