Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Gottfried Herder
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Lob der Gottheit
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Vierte Sammlung) S. 5-9
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Gotha
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[5]

 Lob der Gottheit.

Lob sei dem Ewigen Gott! Ihm nahet, wer ihm gehorchet;
     wer ihm danket, genießt zwiefach des Gebenden Huld;
Wie der Athem, der in uns zieht, das Leben erweitert,
     wie der Athem, den wir wieder verathmen, erquickt.

[6]
5
Seinem Knechte, dem wärmenden Ostwind’ hat er geboten,

     daß er des Hauses Flur köstlich belege zum Fest
Mit smaragdnen Tapeten. Er hat der Wolke befohlen,
     daß sie mit Ammenbrust Kräuter und Pflanzen erzieh’,
Zartgebohrene Kinder. Zum neuen Jahre des Frühlings [1]

10
     bringt er den Bäumen ein Kleid, Zweigen den blumigen Hut.

Seine Rechte verwandelt den Saft des Schilfes in Zucker,
     hebet den Dattelkern sprießend zur Palme empor.

[7]

Wolken und Wind und Himmel und Mond und Sonne beeifern
     sich zum Dienste für Dich; diene mit ihnen, o Mensch.

 ––––

15
Die an der Pforte des Heiligthums anbeten und feiren,

     sprechen: „wir ehren Dich nicht, Höchster, wie Dir es gebührt.“
Die des Erhabenen Glanz in seiner Schöne beschreiben,
     klagen, in Schrecken gehüllt: „Herr, wir erkennen Dich nicht.“
Fragete mich nun Einer nach Seinem Lobe; was soll ich,

20
     ich Geistloser von Ihm sagen, der Zeichenlos ist?

Liebende geben sich hin zum Opfer ihres Geliebten,
     und das Opfer verstummt –

[8]

Niedergebeuget das Haupt, saß einst ein Verehrer der Gottheit
     tief in den Ocean seiner Betrachtung gesenkt;

25
Als er emporkam wieder vom tiefen Meer der Gedanken,

     fragt’ ihn traulich ein Freund: bringest du uns ein Geschenk,
Aus dem Garten, in dem du gewesen? „Ich war in dem Garten“,
     sprach er, wo glänzend umher Rosen, die vollesten, blühn.
Sehnend nahet’ ich mich, mir Schoos und Busen zu füllen,

30
     meinen Freunden und Dir, Freund, zum erquickenden Gruß.

Aber betäubt und trunken vom Duft der himmlischen Blumen,
     ließ ich sinken das Kleid, sank mir die brechende Hand.

[9]

Die du die Liebe singst, o Nachtigall, lerne die Liebe
     von der Mücke, die sich stumm in der Flamme verzehrt.

 ––––

35
O Du, höher als jeder Gedank’ und jegliche Meinung,

     höher als jedes Bild, jeglicher Rede von Dir,
Siehe, wir hörten und lasen, was je von den Vätern gesagt war,
     sprachen darüber lang’; aus ist nun unser Gespräch,
Unser Leben am Ziel und unsre Beschreibung am Anfang.

40
     Draußen der Pforte zu Dir stehen und staunen wir noch.

  1. Bei den Persern fängt das neue Jahr mit dem Frühlinge an. Die Gewohnheit der morgenländischen Könige, ihren Dienern und Lieblingen als Hausgenossen Geschenke und Kleider zu geben, ist bekannt.