Literarisches (Die Gartenlaube 1859/26)

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Autor: L. St.
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Titel: Literarisches (Die Gartenlaube 1859/26)
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 376
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[376] Literarisches. Der diesjährige Schad’sche Musenalmanach bringt eine größere und reichere Auswahl von Gedichten, als die früheren Jahrgänge, und fast die ganze namhafte Lyrik der Gegenwart ist darin vertreten. Das an Volumen und poetischem Gehalt bei weitem bedeutendste Gedicht ist „das Mädchen von Capri“ von Julius Große. Unserer Ueberzeugung nach ist es eins der besten Erzeugnisse der neuen deutschen Poesie überhaupt, und in der lyrisch erzählenden Gattung ist seit „Hermann und Dorothea“ nichts, das ihm gleich käme, erzeugt worden. Ein echtes gesundes Flügelkind jener wunderbaren Verbindung des antiken Geistes mit der modernen Weltanschauung – wie selten ist dieser Bund fruchtbar gewesen! – ist es vom Schöpferhauche Homer’s und Goethe’s gleich stark durchglüht, und was dem Dichter noch zu besonderer Ehre gereicht, sein Hexameter ist zwar nicht überall gleich gelungen, aber in den meisten Stellen meisterhaft.

Ueber die Fabel des Gedichtes sagen wir nichts; die Anlage ist so vortrefflich und so abweichend von der hergebrachten Weise, daß man vom ersten Verse an wie von einem unwiderstehlichen Zauber gefesselt wird. Selbst eine Episode, die eigentlich gar nicht hinein gehört, möchte man um keinen Preis missen, so unübertrefflich reizend ist sie.

Das Buch sagt uns, daß der Dichter 1823 zu Erfurt geboren sei. Möchte man nicht glauben, daß der Geist des greisen Goethe, von Weimar westwärts seiner sinkenden Lebenssonne nachblickend, in der nächsten Stadt, in der alten Hauptstadt Thüringens, ausruhend sich niedergesenkt und schöpferisch befruchtend gewirkt? Wahrlich, Herr Große ist ein echter Geistessohn des weimarischen Heros, und Erfurt darf stolz sein auf diesen seinen Sohn.

L. St.