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Titel: Kosmos
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aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 819, 820
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[819] Kosmos. Im Jahre 1844 schrieb Alexander von Humboldt die Vorrede zu dem ersten Bande des „Kosmos“, eines Werkes, dessen Bild in unbestimmten Umrissen dem großen Gelehrten „fast ein halbes Jahrhundert lang vor der Seele schwebte“. Nach dem Plane des Verfassers sollte das Werk eine „physische Weltbeschreibung“ bilden und alles umfassen, was im Erd- und Welträume erforscht wurde. Der erste Band lieferte ein derartiges Naturgemälde in großen, meisterhaft ausgeführten Zügen und bildete ein abgeschlossenes Ganzes; die nachfolgenden Bände [820] sollten einzelne Abschnitte ausführlicher behandeln. Rastlos arbeitete Humboldt an diesem Werke, bis der Tod dessen Faden abschnitt. Die letzte Korrektursendung langte von Stuttgart am 10. Mai 1859 in der Stunde in Berlin an, wo der Sarg Alexanders von Humboldt auf Befehl des Prinz-Regenten von Preußen in feierlichem Gepränge nach dem Dom geführt wurde. Das Werk ist unvollendet geblieben, aber trotzdem ist es in seiner Art unerreichbar, ein Denkmal, welches die Mit- und Nachwelt mit Bewunderung und Ehrfurcht erfüllt.

Die J. G. Cottafche Buchhandlung Nachfolger veranstaltet jetzt eine neue billige Gesammtausgabe der Werke Alexanders von Humboldt, und soeben ist der „Kosmos“ als der erste Theil dieser Veröffentlichung erschienen. Dreißig Jahre sind verflossen, seitdem Humboldt die letzten Zeilen geschrieben hat, und die Forschung ist in dieser Zeit in ungeahnter Weise fortgeschritten. An Stelle vieler Vermuthungen und Ahnungen sind festverbürgte Thatsachen getreten, und es genügt, nur auf die Spektralanalyse, welche uns die Zusammensetzung der fernen Sonnen erkennen läßt, hinzuweisen, um zu begreifen, welche Bausteine für das große Gebäude der Naturerkenntniß die jüngste Wissenschaft herbeigetragen hat.

Es ist gewiß ein seltsames Zusammentreffen, daß die Entdeckung der Spektralanalyse und das Erscheinen von Darwins einschneidendem Werke „Ueber die Entstehung der Arten“ mit dem Todesjahre Humboldts zusammenfallen. Sie kennzeichnen sozusagen den Beginn einer neuen Aera der Forschung.

Diese und andere Entdeckungen der Neuzeit lassen natürlicherweise vieles in dem Naturgemälde Humboldts veraltet erscheinen. Aber es ist kein Lehrbuch für das jüngste Geschlecht; der „Kosmos“ besitzt vor allem einen geschichtlichen Werth. Humboldt selbst schreibt in dem Vorwort: „Wenn ich bisweilen des klassischen Alterthums und der glücklichen Uebergangsperiode des durch große geographische Entdeckungen wichtig gewordenen fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts erwähnt habe, so ist es nur geschehen, weil in dem Bereich allgemeiner Ansichten der Natur es dem Menschen ein Bedürfniß ist, sich von Zeit zu Zeit dem Kreise streng dogmatisirender moderner Meinungen zu entziehen und sich in das freie, phantasiereiche Gebiet älterer Ahnungen zu versenken.“ Dieses Bedürfniß ist auch heute vorhanden. Darum sind veraltete naturwissenschaftliche Schriften nicht für jeden unlesbar. Wer für die Geschichte und Entwickelung des menschlichen Wissens Sinn und Interesse hat, wer aus diesem allmählichen und stetig der Vervollkommnung zustrebenden Wechsel der Meinungen Belehrung und Anregung zu schöpfen weiß, der wird noch heute zu dem großen Werke Humboldts greifen, welches uns die Natur „lebendig und in ihrer erhabenen Größe“ schildert.

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