Textdaten
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Autor: Karl Blind
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Titel: Kosciuszko
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aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 160
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[160] Kosciuszko. Um eines großen Todten willen gestatten Sie mir die Berichtigung der Angabe, die in dem Aufsatze: „Der ,alte Feldherr’ in Solothurn“ enthalten ist, daß Kosciuszko bei Maciejowice mit den Worten vom Pferde gesunken sei: „Finis Poloniae!“

Kosciuszko selbst hat sich einst durch einen Brief mit Entrüstung dagegen verwahrt, diese Aeußerung je gethan zu haben. Er betrachtete es als ein Vergehen an der Zukunft seines Volkes, auf diese Weise das Leben der Nation von dem Leben eines Einzelnen abhängig machen zu wollen.

Die Vermuthung liegt nahe, daß das „Finis Poloniae!“ (das geschichtlich eben so unwahr ist, wie das berühmte: „La Garde muert, mais elle ne se rend pas!“) ursprünglich von moskowitischer Seite in Umlauf gesetzt worden ist, um die Niederhaltung und Verrufung[WS 1] Polens zu erleichtern. Dem russischen Interesse mußte es jedenfalls dienen, die Wiederherstellung der polnischen Unabhängigkeit durch ihren berühmtesten Vorkämpfer als eine unmögliche, von nun an auf immer hoffnungslose Sache bezeichnet zu sehen. Kein Wunder, daß Kosciuszko sich mit Unwillen gegen die ihm zugeschriebene Aeußerung wandte! Sie ist nichtsdestoweniger seither oft genug wiederholt worden, und zwar unwissentlich von Freunden Polens. „Eine Unwahrheit, einmal in die Welt gesetzt, ist nicht wieder auszurotten,“ sagte Napoleon der Erste. Er verstand sich auf die Sache. Er selbst fälschte nämlich, bei Beginn des russischen Feldzuges, einen angeblichen Aufruf Kosciuszko’s, wovon dieser nicht ein Wort geschrieben hatte. Vergebens suchte der polnische Führer einen Widerruf zu erlangen; der Pariser „Moniteur“ – schon damals ein Menteur Universel – verweigerte die Aufnahme des Kosciuszko’schen Briefes.

Karl Blind.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Verruffung